Predigt Wenschtkirche, Sonntag 4.Mai 2014

Text: Spr. 3,1-8

„Mein Sohn (meine Tochter), vergiss nicht, was ich dir beigebracht habe; be­halte meine Anweisungen im Gedächtnis. Dadurch sicherst du dir ein langes, erfülltes Leben!“ So haben wir es eben aus dem Buch der Sprüche gehört. Könnt ihr euch vorstellen, dass eure Eltern so mit euch reden? Eher nicht, denke ich, es sei denn sie sind beson­ders altmodisch oder sie machen sich gern über den salbungsvollen Ton früherer Zeiten lustig. Denn so läuft das ja heute nicht mehr. Jahrtausende lang haben Kinder von ihren Eltern alles gelernt, was sie fürs Leben brauchten, und wenn sie vernünftig waren, haben sie es beherzigt und später wieder an ihre Kindern weitergegeben. Auch, als es dann irgend­wann Schulen gab, ging es dort nicht viel anders zu. Aber heute verän­dern sich Wissen und Fertigkeiten so rasant, dass eure Eltern oft mehr von euch lernen können als ihr von ihnen. Und auch in der Schule ist nicht mehr stures Eintrichtern gefragt, sondern kritisches Mitdenken und selbständiges Entfalten der eige­nen Fähigkeiten. „Predigt Wenschtkirche, Sonntag 4.Mai 2014“ weiterlesen

Predigt Wenschtkirche, Freitag, 18.April 2014

Text: Jes 52,13-53,12

„Danke, dass Sie mit der Deutschen Bahn reisen!“ Die nette Stimme aus dem Lautsprecher beendete ihre Durchsage, während der ICE geräuschlos aus dem Bahnhof rollte. „Endlich“, dachte Herr Mohr und machte es sich bequem. Die Tagung in Berlin war anstrengend gewesen, aber nun war er in ein paar Stun­den zu Hause und hatte vier freie Tage vor sich. Er freute sich auf die Spaziergänge in der Frühlingssonne, auf die blühen­den Obst­bäume im Garten, auf das Ostereiersuchen mit den Kindern. Als Kämme­rer einer großen Stadt blieb ihm für so etwas viel zu wenig Zeit. Umso mehr wollte er es genießen.

Er langte in die Aktentasche nach seinem Tablet, um eben noch die letzten Mails zu checken, aber er griff ins falsche Fach und hatte statt des PCs ein Buch in der Hand. „Ach ja, richtig“, fiel es ihm ein, „die Bibel!“ „Predigt Wenschtkirche, Freitag, 18.April 2014“ weiterlesen

Predigt Wenschtkirche, Sonntag, 6. April 2014

Gottesdienst für den Sonntag Judika

Text: Hebr 13,10-16

„Ein Mann kommt nach Deutschland [: …] Einer von denen, die nach Hause kommen und die dann doch nicht nach Hause kommen, weil für sie kein Zuhause mehr da ist. Und ihr Zuhause ist dann draußen vor der Tür. Ihr Deutschland ist draußen, nachts im Regen, auf der Straße. Das ist ihr Deutschland.“

„Draußen vor der Tür“ – das ist auch der Titel des Stücks, mit dem sich der junge Schriftsteller Wolfgang Borchert seine Kriegs- und Nachkriegserfahrungen von der Seele schrieb: Da kommt einer na­mens Beckmann aus der Gefangenschaft nach Hause, verwundet an Leib und Seele, und muss feststellen, dass Zuhause für ihn kein Platz mehr ist. Seine Frau hat ihn vergessen und liebt einen anderen. Sein Oberst, für den seine Soldaten nichts als Kanonenfutter waren, ist schon wieder obenauf und will von seiner Verantwortung nichts wis­sen. Alle sind mit sich beschäftigt, und niemand hat Antworten auf Beckmanns bohrende Fragen. Nicht mal die Elbe, in der er sich er­tränken will, nimmt ihn auf. Er muss weiterleben und weiß doch nicht, wie und wofür. „Predigt Wenschtkirche, Sonntag, 6. April 2014“ weiterlesen

Predigt Talkirche, Sonntag, 30. März 2014

 Gottesdienst für den Sonntag Laetare

Text: Jes 54,7-10

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.

„Nieder mit den Alpen – freie Sicht aufs Mittelmeer!“ So skandierte die Schweizer Punk-Jugend vor dreißig Jahren, und auch hierzulande wurde der Spruch damals populär. Das war natürlich nicht gegen die Alpen an sich gerichtet, sondern gegen geistige Enge und Spießbür­gertum, die – so das Vorurteil – in engen Bergtälern besonders gut gedeihen. Die Schweizer Berge haben sich denn auch nicht wirklich daran gestört. Sie stehen immer noch unver­rückt an ihrem Platz. „Predigt Talkirche, Sonntag, 30. März 2014“ weiterlesen

Predigt Talkirche, Sonntag, 2. März 2014

Gottesdienst für den Sonntag Estomihi 

Text: Jes 58,1-9a

Siegerländer Karnevalsmuffel brauchen in diesem Jahr viel Geduld. Ostern ist spät, entsprechend lange dauert es bis zum Aschermitt­woch. Und so müssen wir immer noch drei Tage rheinischen Froh­sinn auf allen Kanälen ertragen, bis endlich Ruhe einkehrt und die Fastenzeit beginnt.

Mit der konnten wir Evangelischen allerdings früher auch nicht viel anfangen. Wozu auch fasten, wenn man vorher gar nicht gefeiert hat? Und gegen das Fasten unserer katholischen Geschwister hatten wir so unsere Vorurteile: Erst Aschekreuz, dann Starkbieranstich – das kann’s ja wohl nicht sein! Aber dann ging es vor gut dreißig Jahren los mit der Aktion „7 Wochen ohne“, und auch die Evangeli­schen begannen das Fasten für sich zu entdecken. „Predigt Talkirche, Sonntag, 2. März 2014“ weiterlesen