Rückblick: Gospelworkshop 2012

 

Gospelworkshop 2012

Am 17. Februar
um 18.00 Uhr war es endlich soweit. Zum 12. Mal öffneten sich die
Tore der Evangelischen Kirche im Wenscht für den Gospel Workshop.
Diesmal mit Hanjo Gäbler, der auch 2007 schon einmal einen Workshop
hier geleitet hatte. Über 130 Workshopteilnehmer, Männer und Frauen,
quer durch alle Altersklassen, fanden sich ein.

Hanjo Gäbler,
stolzer Vater einer fünfjährigen Tochter, leidenschaftlicher Christ
und hochbegabter Musiker, führte uns mit seiner faszinierenden Art
mit Menschen umzugehen durch die gemeinsamen Stunden des Wochenendes.
Wenn mal die Luft raus war, hatte er garantiert eine lustige Geschichte
oder einen lustigen Spruch auf Lager, brachte uns alle zum Lachen
und gab uns  neuen Schwung. Er gab kleine Anekdoten aus seinem
Leben zum Besten und fand immer die richtigen Worte, uns zu motivieren.
Als am Freitagabend zum Ende hin der Gesang etwas schwach klang,
meinte Hanjo z.B.: „Kommt steht doch mal auf und bleibt mal stehen,
liegen könnt ihr gleich noch genug“.

Ich
sang im Sopran und bei dem Lied „Jesus, Jesus Majesty“ fand Hanjo
den Sopran zu „lieblich“. Also erzählte er uns eine Szene aus dem
Film „Blues Brothers“. In dieser Szene singt Aretha Franklin ziemlich
beherzt und selbstbewusst, ja fast frech, dass sie ihren Mann bei
sich zu Hause behalten will und nicht beabsichtigt, ihn so einfach
ziehen zu lassen. Hanjo baute sich vor uns auf, stemmte sich die
Fäuste in die Hüften, stampfte mit dem Fuß auf  und sang uns
vor, wie er sich das vorstellte. Von diesem Moment an waren wir
im Sopran die „Arethas“. Ich werde dieses Lied nie wieder singen
können, ohne an Hanjo zu denken, wie er da mit den Fäusten in der
Hüfte vor uns stand und vor allem, ohne mich wie „Aretha“ zu fühlen.
Aber nicht nur für den Sopran hatte Hanjo ein „berühmtes“ Vorbild.
Der Bass war z.B.  „Barry White“, der Alt war „Oleta Adams“,
den Tenor nannte Hanjo „Ray Charles“.

Beim Lied „Come
back to the rock“ entführte Hanjo uns zur Einstimmung gedanklich
in die Karibik. Wir sollten uns vorstellen, unser Chef hätte uns
eine Reise in die Karibik geschenkt und wir lägen nun in unserem,
vom Chef bezahlten, traumhaften Strandhaus auf Barbados unter Palmen
in einem schönen großen bequemen Sessel, um uns herum weißer Sand,
Wellen plätschern, blauer Himmel, Sonnenschein und von weitem hören
wir karibische Klänge. Wir waren alle so mitgerissen, dass wir die
karibischen Klänge hören und die Wärme förmlich spüren konnten.
Hanjo meinte dann, dass wir ja froh sein könnten, jetzt in der „klimatisierten“
Kirche sitzen zu dürfen und nun im karibischen Stil unser „Come
back to the rock“ singen zu dürfen.

Es war ein Workshop,
in dem man sowohl von Herzen lachen konnte, als auch manchmal beim
Singen Gänsehaut bekam und das Gefühl hatte,  Gott ganz nah
zu sein.

DANKE Hanjo, es
war wirklich sehr schön mit Dir. Auch die Reise in die Vergangenheit,
die Zeit der Schlaghosen, Plateauschuhe, Afrofrisuren und alten
grauen Führerscheine, die wir uns gegenseitig zeigten und uns über
die Fotos darin köstlich amüsierten, war herrlich. DANKE!

Erwähnen sollte
man auch noch die Pausen, in denen Zeit für viele gute Gespräche
war und wir auch gut mit leckeren Speisen versorgt wurden. Danke
dafür an die Mitglieder des Chores Wegweiser, die alle möglichen
Leckereien (z.B. Suppe, Würstchen, Salate und Kuchen) mitgebracht
hatten.

Das Wochenende
ging viel zu schnell vorbei und dann kam der Sonntagmorgen. Klaus
Mackenbach und seine Helfer hatten ein kleines Wunder vollbracht.
Sie hatten es geschafft, dass alle Sänger vorn auf den extra für
uns aufgebauten Podesten Platz fanden und keinem die Sicht auf Hanjo
versperrt wurde.  Die Kirche war gut gefüllt und wir sangen
die Lieder, die wir gelernt hatte – Die Zeit im Gebet, – Jesus,
Jesus Majesty, – Come back to the rock – und ein Worshipmedley.
Es hat allen Sängern viel Spaß gemacht und von den Gottesdienstbesuchern
kamen auch nur positive Kommentare. Alles in allem war es mal wieder
ein gelungener Workshop und ich freue mich schon auf den nächsten.

Für alle, die
am Workshop teilgenommen haben und die gern weiter Gospel singen
wollen, denen aber die Zeit bis zum nächsten Workshop zu lang wird,
hätte ich zum Schluss noch einen Tipp: Kommt doch montags
um 19.45 Uhr in die Ev. Kirche im Wenscht, dorthin wo der Gospel
Workshop war, und singt bis zum nächsten Workshop bei uns im Chor
Wegweiser mit.

Ute Kwarteng-Acheampong

 

„Du brauchst keine Angst haben.“

 

Annette Kurschus als Präses der Ev. Kirche
von Westfalen eingeführt

„Du brauchst keine Angst
haben.
Der Jesus hat nämlich meistens ziemlich gute Ideen!“

Eigentlich war
sie fest eingeplant gewesen, die Fahrt am 4. März nach Bielefeld.
Mit einigen anderen. Dann wieder nicht mehr. Letzten Endes ein spontaner,
einsamer Entschluss: Abfahrt im Wenscht um 6.10 Uhr. Auf der Autobahn
dichter Nebel, dann noch Regen; ab Hagen aber wesentlich bessere
Witterungsbedingungen. Fahrt auf der A 2 bis Bielefeld-Zentrum.
Die Zionskirche liegt mitten im Stadtteil Bethel. Die schlichte
Ziegelsteinkirche, inzwischen schon 128 Jahre alt, bietet Platz
für etwa 1.600 Personen. Leider war der große Parkplatz gesperrt.
Für die vielen Ehrengäste und für die Übertragungswagen des WDR.
Eine Parkmöglichkeit dann im Nazarethweg.    

Um 8.15 Uhr betrat
ich die Hauptkirche der von Bodelschwinghschen Stiftungen. Überall
Leute vom Fernsehen und große Kameras. Ich erfuhr, dass nur die
Emporen und zwei Bankreihen ganz hinten im Kirchenschiff für Gottesdienstbesucher
ohne Karte reserviert seien. Wegen der besseren Sicht entschied
ich mich für die zweite Möglichkeit. Fünf Minuten später waren auch
diese Plätze besetzt. Neben mir zwei Presbyter mit Ehefrauen aus
Detmold und aus Burgsteinfurt, ein behinderter Bewohner und ein
katholischer Mitchrist aus Bielefeld: „Wir haben schon ihren
tollen Vortrag gehört“, „So, Frau Kurschus war Pfarrerin
in Ihrer Gemeinde, ist ja interessant“, „Sie soll wunderbar
predigen können.“ Auch der Mann aus Bethel meldete sich zu
Wort: „Heute alles anders, heute mit Fernsehen!“ Und auch
er scheint sich zu freuen.

Noch 90 Minuten
bis zum Beginn des Gottesdienstes. Kurze Gespräche mit Pfr. i.R.
Georg Kurschus, dem Vater der neuen Präses, mit Irene und Harald
Ströhmann, mit Pfr. i. R. Herbert Korfmacher, von 1968 – 1994 Priester
und Seelsorger in unserer kath. Schwestergemeinde St. Marien, und
mit Friedhelm Knipp aus Kreuztal, er gehört der Kirchenleitung in
Bielefeld schon seit 2004 an. Noch 60 Minuten. Langsam füllen sich
die Bankreihen mit den geladenen Gästen. Aus dem ganzen Land. Ja,
aus der halben Welt. Aus dem Siegerland sehe ich u.a. den Bundestagsabgeordneten
Volkmar Klein, Landrat Paul Breuer und Siegens Bürgermeister Steffen
Mues.

Noch 30 Minuten.
Informationen zum Ablauf des Fernsehgottesdienstes. Dann das Einsingen.
Noch acht Minuten. Die an der Liturgie beteiligten Mitglieder der
Kirchenleitung sowie der scheidende Präses Alfred Buß und  seine
Nachfolgerin stellen sich im hinteren Mittelgang auf. Unmittelbar
neben mir. Ein kurzer Blickkontakt mit unserer ehemaligen Gemeindepfarrerin.
Noch zwei Minuten. Die „Noch – Superintendentin“ schaut
jetzt ganz konzentriert nach vorn in das Kirchenschiff, in den Chorraum
und auf die Kanzel. Dort wird sie gleich stehen. „Noch fünf
Sekunden“, flüstert der Aufnahmeleiter. „Vier. Drei. Zwei.
Eins.“ Die Kameras laufen. Der Gottesdienst in der Zionskirche
in Bielefeld-Bethel beginnt.

Nach der Begrüßung
durch Oberkirchenrätin Doris Damke singt die versammelte Gemeinde
„Nun jauchzt dem Herren, alle Welt!“ Als Kehrvers zwischen
den einzelnen Strophen „Jubilate, everbody“ durch den
Chor der Hochschule für Kirchenmusik in Herford. Anschließend ein
Gebet, Worte aus Psalm 25, das Sündenbekenntnis und der Gnadenzuspruch.
Dann ist es soweit: Alfred Buß führt seine Nachfolgerin in das neue
Amt ein. Er gibt das silberne Kreuz der westfälischen Präsides an
sie weiter. Ein besonderer Moment: Erstmals eine Frau an der Spitze
der viertgrößten Landeskirche in Deutschland!

Die neue Präses
strahlt Freude und Mut und Zuversicht aus. Zu ihrer Grundeinstellung
passt, dass sie für ihre Einführungspredigt das Bibelwort „Gott
hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und
der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim. 1,7). Zur Auslegung
hat sie ein Gemälde mitgebracht. Kinder aus Siegen haben es gemalt
und ihr zum Abschied geschenkt: Jesus im Boot mit seinen Jüngern.
Die Wellen toben, das Boot droht zu sinken. Die Jünger haben Angst.
Ein unruhiges Bild. Dunklen Farben. Eine bedrohliche Situation.
Doch zugleich strömt das Kunstwerk Ruhe und Vertrauen aus. Die Gewissheit:
In allen Stürmen – Jesus ist mit im Boot! Annette Kurschus erzählt,
einer der kleinen Künstler habe bei der Übergabe gesagt: „Du
brauchst keine Angst haben. Der Jesus hat nämlich meistens ziemlich
gute Ideen!“ Wolfgang Riewe, Herausgeber und Chefredakteur
der Wochenzeitung „Unsere Kirche“, beschreibt das so:
„Da war sie auf einmal: Die Kraft Gottes. Die Zuversicht des
Glaubens. Ansteckend und wärmend, weitergegeben durch ein Kind.“
Und die neue Präses kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: „Manchmal
hat Gott verblüffende Wege, plötzlich ganz nah zu sein!“

Predigt der Präses

– beilaufender Kamera

Meine Banknachbarn
sind begeistert. „Eine ganz bewegende Predigt“, „Voller
Leidenschaft vorgetragen“, „Klar und verständlich“
und „Wieder sehr persönlich gehalten.“ Ich kann das alles
nur bestätigen. Danach die Verabschiedung von Präses Dr. h.c. Alfred
Buß. Es folgen Gemeindelied „Nun lasst uns Gott dem Herren“,
Chor, Fürbitten, Vaterunser und Segen. Zum Auszug „Wohl denen,
die da wandeln“. Der Fernsehgottesdienst ist vorbei. Nach genau
59 Minuten. Pünktlich auf die Sekunde.

Auszug der Kirchenleitung

mit frohen Gesichtern

Nach einer kurzen
Pause Musik zum Übergang vom Gottesdienst zum Empfang. Die Kameras
sind abgeschaltet. „Wir sind jetzt ganz unter uns.“ Klaus
Winterhoff, juristischer Vizepräsident der Ev. Kirche von Westfalen,
übernimmt die Begrüßung. Albert Henz, der theologische Vizepräsident,
dankt Alfred Buß für seine Arbeit in den letzten acht Jahren: „Du
bist oft an deine Grenzen gegangen, du hast dich häufig selbst überfordert.“
Dann begrüßt er Annette Kurschus: „Wir trauen dir viel zu!“
Und: „Wir alle werden dich unterstützen!“ Ein musikalisches
Zwischenspiel. Die DesHarmoniker ziehen alle Register ihres Könnens.
Mit dabei Christian Kurschus, der Bruder der neuen Präses.

Dann das Grußwort
von Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Ev. Kirche in Deutschland.
Er lobt die „neue Schwester im Kreis der leitenden Geistlichen“
für ihre Zuversicht und ihr Vertrauen in Gott. Hannelore Kraft,
Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, sagt zu Annette
Kurschus: „Sie treten in große Schuhe.“ Und: „Ich
weiß aus eigener Erfahrung, was für eine Herausforderung es ist,
die erste Frau in einem Leitungsamt zu sein.“

Hans-Josef Becker,
Erzbischof von Paderborn, überbringt das Grußwort der Römisch-Katholischen
Kirche. „Frau Präses … an diese Anrede muss ich mich erst
noch gewöhnen. Aber ich arbeite bereits daran.“ Er wünscht
ihr Gottes Segen und im Wirken „mehr Freude als Stress“.
Das schönste Kompliment des Tages erhält Annette Kurschus von Bischof
Stephen Munga aus Tansania: „You are the crown of this day“
– sie sei die Krönung des Tages. Dann spricht er von einem historischen
Ereignis. An der Einführung nähmen 20 Vertreter von globalen Dachverbänden
und Kirchen aus vier Kontinenten teil. „Unsere heutige Anwesenheit
ist ein Zeichen dafür, dass Millionen Ihrer Schwestern und Brüder
in aller Welt heute bei Ihnen sind.“

Zum Abschluss
Dankworte von Alfred Buß und „des/der ersten Präses aus unseren
Südstaaten“. Stehende Ovationen. Und der vierte Auftritt der
DesHarmoniker. Meine Banknachbarn sind sich einig: “ Wir haben
eine geeignete und würdige Nachfolgerin im Präsesamt!“ Auch
sie nehmen nicht mehr an der Begegnung und am Essen im Assapheum
teil. Wir verabschieden uns. Zurück auf die Autobahn. Zu Hause wartet
lieber Besuch.

Peter – Christian Rose

 

Kurz notiert

 

 

  • Beim Weihnachtsrätsel
    zur Kirchenmusik in der Wochenzeitung „Unsere Kirche“
    wurden unter den richtigen Einsendungen 100 Preisträger ermittelt.
    Mit dabei unsere Pfarrerin Almuth Schwichow. Sie erhielt eine
    Audio-CD mit den schönsten Werken geistlicher Bläsermusik.
  • Sonntag,
    12. Februar: Überaus viele Gäste im „Café im Pfarrhaus“;
    die drei Servicekräfte Lydia Dornseifer, Erika Höse und Ulrike
    Rose vom Frauentreff Wenscht kamen außerordentlich froh nach
    Hause!
  • Die drei
    Dienstältesten im jetzigen Presbyterium sind Paul – Heinrich
    Groos (dabei seit 1984 = 28 Jahre), Peter – Christian Rose (seit
    1988 = 24 Jahre) und Pfarrerin Almuth Schwichow (seit 1993 =
    19 Jahre).
  • Nach dem
    Markt ist vor dem Markt: Der Arbeitskreis „Weihnachtsmarkt“
    traf sich auf Einladung von Kirchmeister Hartmut Heinbach bereits
    wieder am 22. Februar, um Rück- und Ausblick zu halten. Auch
    2012 findet der Markt wieder am 2. Adventswochenende statt.
    Bitte vormerken!
  • Das Durchschnittsalter
    in unserem Presbyterium beträgt nach den Verabschiedungen und
    Einführungen am 11. März nunmehr 50,9 Jahre.
  • In der letzten
    Ausgabe teilten wir Ihnen die erfreulich hohe Zahl aller Gottesdienstbesucher
    im Jahr 2011 in der Wenschtkirche mit: 7.886. In die Talkirche
    kamen vom 1. Januar bis zum 31. Dezember sogar 9.321!
  • Siegener
    Zeitung – Samstag, 10. März 2012: Unser Pfarrer Dr. Martin Klein
    hat in der Rubrik „Besinnliches“ Gedanken zum Thema
    „Tag der Auferstehung“ niedergeschrieben. Lesenswert!
  • Da weitere
    2.975,00 € durch Überweisungen eingegangen sind, lautet das
    Endergebnis der letzten Adventssammlung der Diakonie laut Koordinator
    Friedhelm Bäcker nun 6.951,40 Euro (2011: 6.728,40 €.) Nochmals
    aufrichtigen Dank!
  • Aus dem Programm
    unseres Männerkreises: Besuch des Bergbaumuseums in Bochum am
    8. Mai sowie Führungen im Schieferbergwerk Raumland und im neuen
    Wisentpark am 12. Juni. Kontaktadressen: Burkhard Leidel (Tel.:
    8 29 29) bzw. Erich Glaser (Tel.: 8 60 55).
  • Der 98. Deutsche
    Katholikentag findet in der Zeit vom 16. – 20. Mai in Mannheim
    statt. Sein Motto lautet „Einen neuen Aufbruch wagen“.
  • Kurze Auszeit
    für die Mitglieder des Presbyteriums: Am 7. Juni ist ein Ausflug
    nach Andernach und an den Laacher See geplant.
  • Wegen Renovierungsarbeiten
    finden in der Wenschtkirche  in der Zeit vom 9. Juli bis
    3. August keine Gottesdienste statt. Der Kreissynodalvorstand
    hat der Regelung zugestimmt.

Peter – Christian Rose

 

Kita „Ortsmitte“ ist umgezogen

 

Liebe Gemeinde, 

unsere Kita „Ortsmitte“,
An der Talkirche ist am 24.02.2012 in die Kita in der Stormstraße
2 am Hohen Rain umgezogen.

Geplant ist für
die Kita „Ortsmitte“ ein An- und Umbau, der dann anschließend auch
die Aufnahme von Kindern unter 3 Jahren ermöglicht. Durch die Tagestättenplätze
mit Übermittagbetreuung und die benötigten Schlaf- und Ruheräume
wird ein größeres Platzangebot erforderlich.
Für den An- und
Umbau wird ca. 1 Jahr eingeplant, wenn alles planmäßig verläuft.

Hier oben in der
Kita der Stormstraße geht es unseren Kindern und Mitarbeitern sehr
gut. Es ist keine Notunterkunft, sondern eine neu renovierte Kita
mit großzügigem Platzangebot und einer Ausstattung, die ab Sommer
2012 bereits U-3-Aufnahmen ermöglicht.

Da wir die Strukturen
von 4 Gruppen von je ca. 17 Kindern auf 3 Gruppen verändern mussten,
bot es sich zur Wiedereröffnung im März an, die angehenden Schulkinder
zu einer Vorschulgruppe zusammenzufassen. Diese Gruppe hat ihre
Gruppenräume im Gemeindehaus neben der Kita bezogen, während die
anderen beiden Gruppen direkt in der Kita untergebracht sind.

Obwohl wir uns
hier sehr wohl fühlen, freuen wir uns auf Grund des optimalen Standorts,
der Anbindung an die Talkirche, das Gemeindezentrum „Mittendrin“
und die Familienzentrumsräume auf eine Wiederkehr in die erweiterte
und modernisierte Kita.

Im Anschluss an
unsere Rückkehr zur Kita „Ortsmitte“ wird die Kita „Am Kindergarten“
vom Schießberg hier oben in die Kita Stormstraße einziehen und  bleiben.

Interessierte,
Gäste und Familien zur Anmeldung sind herzlich willkommen!

 

Predigt vom 25.3.2012

 

GOTTESDIENST FÜR DEN SONNTAG
JUDIKA

Pfr. Dr. Martin Klein
Talkirche,
25.3. 2012
Text: Num 21,4-9

Ich nehme an dieses
Zeichen haben Sie alle schon mal irgendwo gesehen. Es ist der so
genannte Äskulap-Stab, das Berufssymbol der Ärzte. Dieses Symbol
ist schon uralt. Äskulap oder Asklepios war der Gott der Heilkunst
bei den alten Griechen. Warum sein Zeichen gerade die Schlange war,
ist nicht ganz klar, aber auf jeden Fall stand der Äskulap-Stab
für die heilsamen Kräfte, die von diesem Gott ausgingen.

Und die Ärzte
waren Menschen, die versuchten, im Namen des Asklepios Menschen
zu helfen. Unsere heutige Medizin hat mit der von damals nicht mehr
viel zu tun. Trotzdem verwendet sie den Äskulap-Stab immer noch
als Zeichen für das, was ihr Auftrag ist: nämlich kranken Menschen
nach bestem Wissen und Gewissen Linderung und Heilung zu bringen.

Unser heutiger
Predigttext handelt von einem Zeichen, das dem Äskulap-Stab ganz
ähnlich ist: sowohl äußerlich als auch der Bedeutung nach; denn
auch bei diesem Zeichen geht es um Heilung und Rettung. Was es damit
auf sich hat, lesen wir im vierten Buch Mose, im 21. Kapitel:

 

Da brachen sie
auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land
der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege
und redete gegen Gott und gegen Mose: „Warum hast du uns aus Ägypten
geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch
Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise.“ Da sandte
der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk,
dass viele aus Israel starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen:
„Wir haben gesündigt, dass wir gegen den HERRN und gegen dich geredet
haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme.“ Und
Mose bat für das Volk. Da sprach der HERR zu Mose: „Mache dir eine
eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen
ist und sieht sie an, der soll leben.“ Da machte Mose eine eherne
Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange
biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

 

Die eherne Schlange.
Als der Predigttext entstand, konnte sie noch jeder Israelit leibhaftig
anschauen. Sie stand für alle sichtbar an einem Ehrenplatz im Tempel
von Jerusalem. Wahrscheinlich stammte sie noch von den Jebusitern,
die Jerusalem bewohnt hatten, bevor König David die Stadt eroberte.
Aber in Israel erzählte man sich, dass Mose diese Schlange gemacht
habe. Und die Geschichte aus dem vierten Buch Mose berichtet, wie
das kam.

Sie versetzt uns
zurück in die Zeit, als die Wüstenwanderung Israels ihrem Ende zuging.
Die Sklaverei in Ägypten lag nun schon viele Jahre zurück. Das verheißene
Land war nahe und doch immer noch fern, denn feindliche Völker versperrten
den Weg. Kurz vor dem Ziel mussten sie noch einen weiten Umweg machen,
um das Land Edom zu umgehen. Und sie hatten die Wüste gründlich
satt. Immer nur Sand und Steine. Immer die mühsame Suche nach Wasser
und etwas Essbarem. Immer wieder der gleiche Trott: Zelte abbrechen,
stundenlang marschieren mit Sack und Pack durch glühende Hitze,
dann abends Lager aufschlagen, Zelte aufbauen und erschöpft auf
die harte Strohmatte sinken. Und dann alles wieder von vorn. Und
kein Ende abzusehen. Verglichen damit war Ägypten das reinste Paradies
gewesen, dachten sie jetzt. Kein Gedanke mehr daran, wie sie sich
dort zu Tode schuften mussten für den Pharao. Längst vergessen die
Angst am Schilfmeer, als die ägyptischen Verfolger immer näher rückten.
Jetzt kannten sie nur noch einen Gedanken: Endlich mal irgendwo
bleiben können und wieder richtig satt werden! Doch Mose, ihr Anführer,
trieb sie immer weiter. Sprach von dem Land, wo Milch und Honig
fließt, an das sie kaum noch glauben konnten. Und Gott wollte es
offenbar so haben. Aber sie wollten nicht mehr, sie hatten die Faxen
dicke. Und sie machten ihrem Ärger Luft: gegen Mose und gegen Gott.

Aber Gott hatte
auch die Nase voll. Was hatte er nicht alles getan für dieses undankbare
Volk! Hatte sie aus Ägypten befreit, hatte sie gerettet am Schilfmeer,
hatte einen Bund mit ihnen geschlossen am Berg Sinai, hatte ihnen
in der Wüste immer wieder ausgeholfen mit Wasser und Manna, hatte
ihnen Siege über ihre Feinde verschafft. Und was hatte er dafür
geerntet? Immer nur Murren und Knurren, Undank und Halsstarrigkeit.
Und das auch jetzt noch, wo sie fast am Ziel waren! Ihn packte der
Zorn, und den bekamen die Israeliten zu spüren. Plötzlich wimmelte
das Lager von giftigen Schlangen. Überall kamen sie hervor gekrochen,
und es gab kein Entrinnen. Wer gebissen wurde starb – und es wurden
viele gebissen.

„Not lehrt beten“,
sagen wir, und bei den Israeliten war das nicht anders. „Bitte den
HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme“, riefen sie Mose zu.
Eben noch hatten sie sich über Gott beklagt, jetzt war er ihre letzte
Hoffnung. Eine ganz natürliche Reaktion. Aber es war doch mehr als
nackte Angst, was sie antrieb. Sie hatten auch eingesehen, dass
ihr Ärger zwar verständlich, aber falsch und undankbar war: „Wir
haben gesündigt, dass wir gegen den HERRN und gegen dich geredet
haben.“ Diese Einsicht, nicht der Hilfeschrei, gab den Ausschlag:
Mose legte Fürbitte bei Gott ein, und Gott erhörte ihn.

Allerdings ließ
er die Schlangen nicht einfach sang- und klanglos verschwinden.
Statt dessen gab er den Leuten ein Zeichen. Gerade ein Abbild der
Gefahr sollte die Gefahr besiegen. Ein Blick auf die Schlange aus
Erz machte das Gift der echten Schlangen unschädlich. Wer das Bild
der todbringenden Schlange ansah blieb am Leben.

Ein seltsames
Zeichen. Und eine seltsame Geschichte. Ich denke, viele von Ihnen
haben sie nur mit innerem Widerstreben angehört. So mögen wir uns
Gott nicht vorstellen: so zornig und so brutal. Und das mit der
Schlange klingt mehr nach Zauberei als nach Glaube und Gottvertrauen.

Trotzdem denke
ich: Die Geschichte ist als Bild für unsere Wirklichkeit nicht überholt.
Auch wir kennen doch das Gefühl der Müdigkeit und der Resignation.
Zum Beispiel wenn man sich jahrelang bemüht, ein Problem zu lösen,
und feststellen muss, dass es nur immer schlimmer wird. Zum Beispiel
wenn man sich tagaus, tagein krumm legt für seinen Job und dann
eines Tages gesagt bekommt: „Tut uns leid, aber wir müssen Ihnen
kündigen – betriebsbedingt, sie verstehen schon!“ Zum Beispiel wenn
man sich immer nach Kräften um seine Kinder oder um die alten Eltern
bemüht hat und dafür nur Undank und Vorwürfe erntet. Zum Beispiel,
wenn man schwer krank ist und alles auf sich nimmt, was die Kasse
zahlt, um gesund zu werden, und es hilft doch alles nichts.

Dann sind wir
schnell so weit, dass wir nur noch das Negative sehen und das Gute
nicht mehr wahrnehmen. Warum krieg eigentlich immer ich alles ab?
fragen wir uns dann. Warum hilft mir keiner? Warum bekomme ich nie
eine Anerkennung für meine Mühen? Warum lässt Gott mich ganz allein
mit meiner Lebenslast? Warum lässt er mich nicht gesund werden?

Schickt Gott uns
auch giftige Schlangen, wenn wir so denken? Vielleicht nicht im
wörtlichen Sinne. Aber die Konsequenzen unserer Resignation können
uns genauso quälen. Unsere Giftschlangen heißen vielleicht Verbitterung
und Verzweiflung. Hass auf uns selbst und auf unsere Mitmenschen.
Ausbrüche von Wut und Gewalt. Zukunfts- und Todesangst. Ich wäre
vorsichtig, zu sagen, dass das so ist, weil Gott zornig auf uns
ist. Aber das Gefühl kann man schon manchmal haben. Und dass all
diese Dinge die Strafe sind für verlorenes Gottvertrauen, das kann
ich durchaus so sehen.

Aber wie kommen
wir da raus? Was rettet uns vor dem, was unser Leben vergiftet und
zerstört? Ein Zeichen. Ein Zeichen, das Gott setzt, so wie die eherne
Schlange: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss
der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben,
das ewige Leben haben. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass
er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht
verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Diese Worte aus
dem Johannesevangelium machen uns klar, was das Zeichen der Schlange
mit der Passionszeit zu tun hat. Denn wenn Jesus hier von seiner
Erhöhung redet, dann meint er seine Erhöhung ans Kreuz. Wie die
Schlange hängt er am Holz, aufgerichtet zwischen Himmel und Erde.
Und auch das Kreuz ist ein seltsames Zeichen: Kein Zeichen des Sieges,
der Macht und des Lebens, sondern der Niederlage, der Ohnmacht und
des Todes. Wie die Schlange ist das Kreuz ein Symbol für das, was
unser Leben bedroht. Und wie die Schlange, so überwindet auch das
Kreuz das, wofür es steht. Jesu Qual lindert unsere Qual, seine
Verzweiflung überwindet unsere Verzweiflung, sein Tod besiegt unsere
Todesangst.

Vorausgesetzt,
wir richten unseren Blick auf dieses Kreuz. Vorausgesetzt, wir versuchen
es nicht zu verdrängen, wie wir es so gern mit allem machen, was
uns an Leid, Schuld und Tod erinnert. Vorausgesetzt, wir lassen
für uns wahr sein, was am Kreuz geschehen ist. Nicht dass das Zeichen
des Kreuzes ungültig würde, wenn wir es nicht beachten. Nicht, dass
wir es dadurch ungeschehen machen könnten. Aber unser Leben hier
und jetzt kann es nur heil machen, wenn wir das zulassen.

Wir Reformierten
haben’s ja nicht so mit Bildern und Symbolen. Wir können eher den
frommen König Hiskia verstehen, der die eherne Schlange im Tempel
von Jerusalem zerschlagen ließ, weil er sie als heidnisches Relikt
und eine Quelle des Aberglaubens betrachtete – wahrscheinlich nicht
ganz zu Unrecht. Auch gegenüber dem Kreuz als sichtbarem Symbol
sind wir eher zurückhaltend – dass wir es hier in der Talkirche
auf einem der Chorfenster sehen können, sogar mit Jesus dran, das
ist ja eher ungewöhnlich für eine reformierte Kirche. Und es kommt
ja auch nicht darauf an, dass das Kreuz irgendwo als Stück Holz
in der Kirche oder im Gemeindehaus hängt. Wichtig ist nur, dass
wir das, wofür das Kreuz steht, in immer vor Augen haben: bei unseren
Gottesdiensten, aber zum Beispiel auch bei unseren Presbyteriumssitzungen,
und im täglichen Leben sowieso. Damit es uns erinnert an das Leiden
Jesu und an die Leiden der Menschen in unserer Gemeinde und anderswo.
Damit es uns Kraft gibt, wenn uns die Arbeit am Reich Gottes ein
Kreuz zu werden droht. Und damit wir immer wissen, warum wir Christen
sind und als Christen handeln. Nämlich damit wir uns mit Wort und
Tat und mit Geld und Gut dafür einsetzen, Menschen auf das Zeichen
des Kreuzes hinzuweisen und ihnen Wege zu erfülltem Leben zu zeigen.
Gott segne uns dabei.

Amen.