Rückblick: Spielkarussell 2007

Spielkarussell im Wenscht

Einfach Spitze!

..so heißt eines
der neuen Spiele, die bei ersten Spielkarussell im Wenscht im November
präsentiert wurden. Der Name des Spiels steht aber auch für die
ganze Atmosphäre an diesem Nachmittag im Wenscht. Kaffeestube, viele
Tischspiele und Großspiele in der Kirche; in dieser Aufteilung konnte
sich  jeder im Gemeindehaus in aller Ruhe einen Essplatz, Spielplatz
oder auch einen Bastelplatz in den Jugendräumen suchen.

Viele neue Spiele
konnten ausprobiert werden und erstmalig gab es ein Zusammenspiel
mit dem Spieleladen “Fantasy Game Shop” aus Siegen mit einem interessanten
Spielangebot und vor allem: Hier spielte der Chef selbst mit.. Und
wer zuerst noch zögerlich dabei war, entwickelte sich zur “Spielratte”.

Alles nur Spiel? Ich glaube nicht, denn Menschen suchen und
brauchen im Alltag immer wieder Orte und Räume, die frei sind von
Leistungsdruck und Streß; eben “Freiräume”, um sich zu entspannen
und Abstand zu finden vom Alltag

Gemeinde kann
solche Räume bieten und gleichzeitig generationsübergreifende Begegnungen
ermöglichen.

Zudem ist das
Spielkarussell ein familienfreundliches Angebot, denn das Spielangebot
ist losgelöst von Eintrittsgeldern.

Zufriedene und
lachende Gesichter: Auch daran lässt sich Erfolg messen!

Wolfgang Hofheinz


vom Spielkarussell

Rückblick: Gemeindefahrt 2007

Wien, Wien nur du allein sollst
die Stadt meiner Träume sein. ……

Unsere Gemeindefahrt
im September 2007  über Passau nach Wien war eine wunderschöne
und harmonische  Reise mit sehr vielen interessanten Sehenswürdigkeiten
und Eindrücken, die man erst im Nachhinein verarbeiten kann.

Pünktlich um 6:00
Uhr am 9. September starteten wir mit dem „EuroStar“ Richtung Wien.
Nach einer kurzen und etwas längeren Pause – bei letzterer feierten
wir Geburtstag von Frau Dienstbier und Frau Stutte mit Fleischwurst
und Sekt – erreichten wir gegen 14:30 Uhr  die Dreiflüssestadt
Passau, unser erstes Ziel der Wien-Reise.  Drei Flüsse aus
drei Himmelsrichtungen  – aus dem Westen die Donau, aus dem
Süden der Inn und aus dem Norden die Ilz verleihen der Stadt am
Dreiflüsseeck ihre einmalige Schönheit. Bei einer 2 ½ stündigen
Stadtführung mit örtlichen Reiseleitern wurde uns viel über die
Stadt erzählt und viel gezeigt. Am beeindruckensten war der Dom
St. Stephan in seiner gotischen und barocken Bauweise mit der größten
Domorgel der Welt, mit 233 Registern, 17974 Pfeifen und fünf Einzelorgeln.
Sie können gemeinsam vom Hauptspieltisch bedient werden und bieten
ein unvergleichliches akustisches Erlebnis. Unser nächstes Ziel
am Tag danach war die große Benediktinerabtei  Stift Melk,
welche im Jahre 1089 gegründet wurde und heute  mit seinem
Stiftsgymnasium  und zahlreichen kulturellen Veranstaltungen
einen wichtigen Mittelpunkt der Region darstellt. Von hier aus fuhren
wir mit dem Schiff „Prinz Eugen“ durch die Wachau, einem 35 km  langen
niederösterr. Durchbruchtal der Donau zwischen Melk und Krems. Es
ist eines der schönsten Flusstäler der Welt. Im Dezember 2000 wurde
die Wachau zum Unesco – Weltkulturerbe ernannt.

Jetzt kamen wir
unserem Ziel – der Hauptstadt Österreichs- Wien – immer näher. Bei
der Fahrt durch den Wiener Wald konnten wir uns an der ebenfalls
schönen Landschaft erfreuen und waren gespannt, was uns in einer
der schönsten Städte  der Welt erwartete.

Zunächst war eine
Stadtrundfahrt mit sachkundiger Führung angesagt, bei der wir die
wichtigsten Sehenswürdigkeiten  sowie den großen Zentralfriedhof
mit den Ehrengräbern der Stadt Wien und das Hundertwasserhaus  besichtigen
konnten und bekamen  so einen ersten Eindruck von der riesigen
Stadt. In den nächsten Tagen hatten wir dann Gelegenheit, die prächtigen
Bauten und Schlösser genauer  zu erkunden, wobei uns Burkhard
Schäfer mit seinem enormen Wissen vieles ausführlich erklären konnte.

Hier die schönsten
Besichtigungen + Fahrten:

Das Belvedere
ist eine herrliche Schlossanlage, die im 18 Jahrhundert als Sommerresidenz
für den österr. Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen von dem Barockarchitekten
Johann Lukas von Hildebrandt erbaut wurde. Das Schloss mit seinem
weitläufigen Garten  zählt zu den schönsten barocken Bauwerken
der Welt.

Die Hofburg diente
über 600 Jahre als Residenz der Habsburgerdynastie. Hier wurden
wir mit Sprechgeräten durch 19 Amts- und Wohnräume von Kaiserin
Elisabeth und Kaiser Franz Josef geführt. Diese historisch – authentischen
Zimmer vermittelten die private Wohnatmosphäre des Kaiserpaars und
wir bekamen so einen kleinen Einblick in Sissis Leben in der Hofburg,
die sie im Jahre 1854 als knapp 16jährige nach der Heirat mit Franz
Josef bezog.

Stephansdom ist
das bedeutendste gotische Bauwerk Österreichs. Der Bau des Doms
erfolgte in mehreren Bauabschnitten und dauerte vom 12. bis ins
14. Jahrhundert. Sehr beeindruckend war hier der „Wiener Neustädter
Altar“, ein gotischer Flügelaltar, der die Krönung und Aufnahme
Mariens in den Himmel zeigt.

Die Kapuzinergruft,
auch Kaisergruft genannt,  ist eine Begräbnisstätte. Hier werden
seit 1633 die obersten Angehörigen der Habsburger beigesetzt. Am
1. April 1989 wurde Zita, Österreichs letzte Kaiserin hier zur Ruhe
gebettet.

Der  Kaffeehaus
– Besuch in Wien gehört natürlich dazu, was wir sehr genossen haben.
An manchen Abenden gingen wir in eines der schönsten Kaffeehäuser
Wiens- ins Kaffee Schwarzenbek.  Hier hörten wir die Kaffeehaus
– Musik life – Klavier und Geige – und zu etwas späterer Stunde
bewunderten wir die feine Gesellschaft Wiens, die vom Opernbesuch
einen Abstecher hierher machte.

Bevor wir einen
„Heurigen“  besuchten, wo  wir bei jungem Wein einen sehr
fröhlichen Abend verbrachten, machten wir einen Abstecher auf den
485 m hohen Kahlenberg. Hier hatten wir r eine herrliche Aussicht
auf ganz Wien.

Ein besonderes
Erlebnis war die Fahrt mit der Semmeringbahn. Beeindruckend und
faszinierend schlängelt sie sich durch steile Felswände hindurch,
überquert Brücken und Viadukte, verschwindet immer wieder in einem
der vielen Tunnels und bietet wunderschöne Ausblicke auf das Semmeringebiet.
 Die Semmeringbahn überwindet eine große  Höhendifferenz.
Der höchste Punkt liegt bei etwa 1000 m. 1998 wurde diese Bahn zum
Weltkulturerbe erklärt.

Mit dem Bus gings
dann weiter durch eine  wunderschöne Gebirgslandschaft nach
Nasswald  ins Raxgebiet. Hier hatten wir Zeit, einen ausgiebigen
Spaziergang entlang der kristallklaren Rax zu unternehmen.

Einen Höhepunkt
unserer Wien-Reise haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben. Bei
herrlichem Sonnenschein konnten wir am letzten Tag in Wien Schloss
Schönbrunn mit seiner großen blumenreichen Schlossanlage besichtigen.
Diese Anlage stellt eines der bedeutendsten Kulturgüter Österreichs
und eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Wiens dar.  Zunächst
orientieren wir uns an einem Lageplan, damit wir die schönsten Ziele
in diesem Park finden konnten.
Da war zum Beispeil:

Der Kronprinzengarten.
Er liegt vor der Ostfassade des Schlossen und erhielt seinen Namen
durch Kronprinz Rudolf. Eingefasst ist der Garten mit einem hufartigen
Laubengang mit 5 Pavillons, von denen einer als Aussichtsterrasse
begehbar ist.

In der Wagenburg,
einem Kutschenmuseum sind mehr als 100 historische Wagen, Schlitten
und Sänften zu besichtigen.

Viel Spaß hatten
wir im Irrgarten, in welchem sich nur ein Ehepaar verirrt hatte
und mit Hilfe der Aufsichtperson wieder herausfinden konnte; gleich
daneben war der Garten der Harmonie.  Hier konnten wir durch
Betätigen  verschiedener Geräte mit Händen und Füßen schöne
Klänge  erzeugen und eigene Kompositionen kreiren.

Eine weitere Hauptattraktion
im Schlosspark ist das Palmenhaus. Es wurde im Auftrag von Kaiser
Franz Josef I. errichtet und ist  mit einer Gesamtlänge von
111m, einer Breite von 28 m und einer Höhe von 25 m das größte Glashaus
Europas. Hier entdeckten wir tropische Pflanzen aus aller Welt.

In der Hofbackstube
wurden wir in die Geheimnisse des Apfelstrudelbackens eingeweiht
und konnten auch diese österreichische Spezialität in einem der
vielen Kaffees in der Anlage probieren.

Den Abschluss
der barocken Schlossanlage bildet die Gloriette auf dem Schönbrunner
Berg. Sie setzt sich aus einem triumphbogenartigen Mittelteil mit
rundbogigen Arkadenflügel zusammen und ist von einem mächtigen Reichsadler
auf der Weltkugel gekrönt. Von hier aus hatten wir einen wunderschönen
Blick auf das Schloss sowie den gesamten Park.

Nach diesem herrlichen
Sonnentag hieß es Abschied nehmen von Wien. Viele Reiseteilnehmer
werden bestimmt noch einmal zurück kommen,  weil Wien einer
der schönsten Städte der Welt ist .

Ingrid Fritsche

Kirchenchor in Eisenach

Tagesfahrt nach Eisenach

Am frühen Morgen
des 11. August sammelten sich ca. 50 erwartungsvolle Sängerinnen
und Sänger des Kirchenchors sowie einige Gäste am Geisweider Busbahnhof,
um zum diesjährigen Chorausflug nach Eisenach zu starten. Während
im Siegerland ein sonniger, warmer Tag heraufzog, sollten die Ausflügler
an ihrem Ziel ein wettermäßiges Alternativprogramm erleben, was
aber der allgemeinen Freude über diesen interessanten und erlebnisreichen
Tag keinerlei Abbruch bereitete. Nach kurzweiliger Fahrt, während
der auch die Stimmen geölt und die Lachmuskeln mit einem Gedicht
von Annette Weber stimuliert wurden, konnten die Teilnehmer am Ziel
gleich die vom Sitzen ermüde ten Beinmuskeln auf Trab bringen. Unter
sachkundiger Stadtführung wurde allen die interessante Geschichte
Eisenachs, insbesondere ihrer beiden berühmten Söhne Johann Sebastian
Bach und Martin Luther, nahegebracht und auch die mitgebrachten
Schirme jeglicher Größe und Farbe kamen an die frische, feuchte
Luft. Im Schlosshotel gab es dann ein geschmackvolles Mittagessen.
Danach konnte jeder sein eigenes Eisenach-Programm verwirklichen.
Ein Besuch der Wartburg war eben so möglich wie die Besichtigung
des Lutherhauses (des Eisenacher Lutherhauses natürlich) und des
Bachhauses, zwischendurch natürlich auch ein Besuch in einem der
gemütlichen Cafés der Stadt. Inzwischen konnten auch die Schirme
getrocknet und eingepackt werden, Eisenach zeigte sich doch noch
von seiner trockenen Seite. Gegen 17.30 Uhr trafen sich alle Ausflügler
zufrieden und müde am Bus, um die Heimfahrt anzutreten, die dann
gegen 20.30 Uhr mit einigen Abendliedern ausklang. Es war ein schöner
und erlebnisreicher Tag für die Chorgemeinschaft und ihre Gäste,
und dies dankten alle dem Organisationsteam Edith und Henner Groos,
die in bewährter Weise alles geplant und bedacht hatten.

Jutta
Winchenbach

Birlenbach: Abschieds-Gottesdienst

Gottesdienst zur Stilllegung

der Ev. Kirche Birlenbach am 30. September 2007

Wie oft freut
man sich auf einen besonderen Gottesdienst und geht erwartungsvoll
und froh zur Kirche, um diesen zu feiern. Doch am 30. September
2007 war das ganz anders. Traurigkeit, Enttäuschung, ja vielleicht
auch noch ein wenig Wut – so lassen sich die Gefühle an diesem Tag
beschreiben. Auch ich ging heute traurig und mit einem Gefühl der
Angst zur Kirche. Wie würde es werden? Werden die Gottesdienstbesucher
es schaffen, ihre Gefühle zu beherrschen und wenn nicht, findet
man dann die richtigen Worte? Werde ich selbst mich beherrschen
können oder werde auch ich meine Traurigkeit nicht verbergen können,
denn ab heute wird auch für uns Presbyter/innen ein ganz neuer Weg
beginnen.

Die Kirche wurde
voll, fast wie an Weihnachten. Der Gottesdienst wurde vom Gemischten
Chor Birlenbach, der Spielgemeinschaft CVJM Birlenbach und dem Bläserkreis
Geisweid musikalisch mitgestaltet.

Pfrn. Schwichow
eröffnete den Gottesdienst mit den Worten aus Psalm 100, die auch
auf dem Wandbehang in Birlenbach zu lesen sind: „Dienet dem Herrn
mit Freuden und kommet vor sein Angesicht mit frohlocken.“

Wie viel Gutes
haben wir in den vergangenen 44 Jahren hier in Birlenbach erfahren:

Gemeinschaft und
auch ganz persönliche Erinnerungen, Taufe, Konfirmation, Hilfe zum
Glauben, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und dergleichen. Die
Früchte der Arbeit waren vorn auf einer Stellwand in Form einer
Weinrebe angeordnet. Die Frauenkreise hatten jede einzelne Traube
mit einer Erfahrung beschriftet, für die sie dankbar sind. Auf vielen
Trauben stand „Gemeinschaft“.

Jesus sagt: „Ich
bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Ich bin der wahre Weinstock,
das Ganze, der Stamm, biete Halt und habe Halt, und mein Vater ist
der Weingärtner.“ Jesus vergleicht uns mit den Reben. Diese können
nur in Verbindung mit dem Weinstock Frucht bringen, von dort bekommen
sie Saft und Kraft. Eine einzelne Traube ist abgeschnitten und kann
nicht mehr weiter wachsen.

Auch die Möbel,
der Wandbehang, der Kanzelbehang und alles andere ziehen um. Den
Wandbehang werden wir demnächst  auf der Empore in der Talkirche
wieder sehen. Alles wird einen Platz finden.

Mehr als einmal
standen mir und sicher auch anderen Gottesdienstbesuchern die Tränen
in den Augen, besonders am Ausgang. Dort verteilten einige Konfirmanden
Holzsteine, in die der Satz: „Gottes Hand hält dich“ eingebrannt
war.

Ich bin mir sicher,
dass alles gut wird, wenn wir uns auf die neuen Wege einlassen.
So weit und unbekannt sind die Wege ja auch gar nicht. Wir treffen
uns ab Oktober nun sonntags um 9.30 Uhr in der Talkirche und um
11.00 Uhr in der Kirche im Wenscht. Ab 14.10.2007 wird im Wenscht
 wieder jeden Sonntag um 11.00 Uhr Kindergottesdienst gefeiert.
Jeden 1. Sonntag im Monat wird es im Wenscht um 18.00 Uhr eine Guten-Abend-Kirche
geben. Lassen Sie sich darauf ein und vertrauen Sie den neuen Wegen,
damit wir auch weiterhin gemeinsam Christen sein können und nicht
abgeschnitten und allein bleiben.

Letztlich liegt
es doch an jedem einzelnen von uns, die neuen Wege zu guten Wegen
zu machen. Ich freue mich darauf, demnächst in der Talkirche oder
im Wenscht ein vertrautes Gesicht aus Birlenbach zu sehen. Fast
fällt es mir schwer zu schreiben, dass der Gottesdienst  wunderschön
war und mir gut getan hat, weil der Anlass ja so traurig war. Für
mich war der Abschiedsgottesdienst in Birlenbach jedoch zugleich
auch der erste Gottesdienst am Anfang eines neuen Weges.

Ute Kwarteng


Rückblick: Abschied vom Lutherhaus

 

Abschied vom Lutherhaus

Fast 200 Gemeindeglieder
folgten am Mittwoch, 19. September, der Einladung zu einem Gemeindeabend
in den Großen Saal des Lutherhauses. Nach genau 110 Jahren hieß
es Abschied nehmen vom ältesten Gebäude und einem besonderen Zentrum
unserer Gemeinde. Einigen Gemeindegliedern fiel dies so schwer,
dass ihnen eine Teilnahme nicht möglich war.

Frau Andrea Stötzel
(Klavier) und Frau Anne Weber (Querflöte) gestalteten den musikalischen
Rahmen. Pfr. Schäfer ließ anhand von ca. 40 Bildern die lange und
außerordentlich reiche Geschichte des Hauses Revue passieren. Eine
Reihe von älteren Gemeindegliedern ergänzten dies durch persönliche
Erlebnisberichte.

Pfr. Schäfer erinnerte
zunächst an Pfr. Bergmann (1865 – 1922), den ersten Pfarrer der
Gemeinde und eigentlichen Betreiber des Gemeindehausbaues. 1892
kam er nach hier als 2. Pfarrer der Kirchengemeinde Weidenau, zu
der unser Bereich bis zur Gründung einer selbstständigen Kirchengemeinde
im Jahr 1898 gehörte. In Klafeld, bzw. Geisweid besaß die Kirchengemeinde
keine eigenen Räumlichkeiten. Ihr stand nur ein Kapellenrecht an
der alten Marktschule zu. Das Presbyterium Weidenau lehnte gleichzeitig
jede Baumaßnahme hier ab. So fand Pfr. Bergmann einen Ausweg in
der Gründung einer „Gemeindehausgesellschaft“. Die Spendenbereitschaft
in der Gemeinde war außerordentlich groß: nach Aufruf wurden innerhalb
einer Woche 6.500 Mark gespendet! Das entspricht etwa dem Gegenwert
eines halben Einfamilienhauses. Das Eisenwerk und die Siegener Verzinkerei
(SAG) steuerten 3.700 Mark dazu. So konnte bald an der damaligen
Friedhofsstraße mit dem Bau begonnen werden. Am 17. Juli 1897 erfolgte
unter Beteiligung der gesamten Gemeinde und in Anwesenheit des westfälischen
General-Superintendenten Nebe aus Münster die feierliche Indienststellung.

Die vielen kirchlichen
Vereine fanden nun hier eine geräumige Heimstatt: Kirchenchor, kirchlicher
Posaunenchor, Jünglingsverein II, Kinderchor, Zitherverein, Männerchor,
Frauenchor, Vaterländischer Frauenverein, Frauenhilfe, Jungfrauenverein,
Evangelischer Arbeiterverein usw. Eine Besonderheit war, dass sich
auch ein Kirchlicher Turnverein bildete, der bis nach dem 1. Weltkrieg
Bestand hatte.

Die einzelnen
Vereine und auch die Kirchengemeinde lud ständig ein zu Familienabenden
in der Woche oder zu Familiennachmittagen am Sonntag. Die große
Bühne war ideal für Theaterstücke, Konzerte und Darbietungen unterschiedlicher
Art. Es liegen noch viele Programmzettel vor, die von einem erstaunlich
regen Leben zeugen. Das Lutherhaus entwickelte sich zu einem Gemeindezentrum
im besten Sinne des Wortes.

Auch über den
kirchlichen Rahmen hinaus bot es Raum für weitere Aktivitäten. So
konnte Frau Elfriede Schneider von der Nähschule auf der Bühne des
Hauses berichten. Bei Frau Teimann haben ganze Generationen Geisweider
Frauen das Nähen gelernt. In bester Erinnerung bleibt für viele
ältere Geisweider das Lutherhaus-Kino. Frau Charlotte Laser hatte
interessanterweise ein Notizbuch ihres Großvaters Rudolf Heider
mitgebracht, in dem er penibel Ein- und Ausgaben des Kinobetriebes
und die bestellten und gezeigten Filme verzeichnet hatte. Frau Emmi
Reeh gab uns einen lebendigen Bericht von solch einem Kinoabend.
Herr
Hans Hermann Kölsch erinnerte sich an eine „Kindererholung“, die
in der Notzeit nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Lutherhaus eingerichtet
war. Schlecht ernährte Kinder bekamen hier wohl Quäkerspeise. Mit
Schaudern erinnerte ich Herr Kölsch an die tägliche Lebertran-Ration.
Frau Waltraut
Haarth erzählte in ihrer humorvollen Art vom Mädchenstunden
bei Gemeindehelferin Hanna Buscher. Frau Annette Weber trug ein
Gedicht vor, das einen heutigen Probeabend des Kirchenchores in
bunten Farben schildert (wir wollen es an anderer Stelle abdrucken!).

Pfr. Schäfer erinnerte
außerdem an die großen Altenfeiern und Weihnachtsfeiern, die immer
sehr beliebt waren. Bei solchen Gelegenheiten wurden in den Wirtschaftswunderjahren
wahre Tortenschlachten geschlagen. Der VDK und andere Gruppen nutzten
in gleicher Weise den Großen Saal.
Das DRK führte
seit Menschengedenken hier Blutspendetermine durch.

Im Januar 1947
wurde der erste kirchliche Kindergarten auf der Bühne des Lutherhauses
eröffnet. Dieser Notbehelf dauerte bis zur Eröffnung des neuen Kindergartens
an der Talkirche 1958.

Allen Geisweider
Familien war der Große Saal als Raum für Beerdigungsnachfeiern vertraut
und willkommen.

Seit den 80er
Jahren entwickelte unser Gemeindepädagoge Wolfgang Hofheinz in den
alten Räumen neue Angebote für Kinder und Jugendliche wie Teestube,
Teentreff, Spielekarussell, Kindertage usw. Unvergesslich sind die
über 20 Kinderbibelwochen in allen Räumen des alten Hauses mit bis
zu 130 Kindern und 40 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Das Haus
wurde buchstäblich auf den Kopf gestellt, auf der Bühne wurden biblische
Geschichten auf unverwechselbare Weise lebendig.

Erinnert wurde
auch an fleißige und freundliche Hausmeister- und Küsterleute im
Hause, angefangen beim „Ohm Bertelmann“ am Anfang bis zu Familie
Hasenkamp heute. Wir gedachten der Frau Legler, die ein viertel
Jahrhundert die gute Seele des Hauses war, Küsterin aus Berufung
und unvergessen. Familie Hasenkamp hat im gleichen Geiste die Arbeit
bis heute weitergeführt. Pfr. Schäfer erinnerte an die Kleiderkammer,
die durch Hasenkamps zu einer ganz wichtigen und segensreichen diakonischen
Einrichtung geworden ist – weit über Geisweid hinaus.

Es wurde an diesem
Abend auch deutlich, dass in 110 Jahren kirchliche Arbeit in diesem
Hause manchen Wandelungen und Veränderungen unterworfen war. Das
Eine hat sich mit der zeit überlebt, dafür ist Anderes entstanden.
Es kam an diesem Abend bei allen Anwesenden Wehmut auf im Blick
auf den Abschied von einem so traditionsreichen Hause.

Helfen kann uns
nur der Blick nach vorne.
Gemeindearbeit, Kinder- und Jugendarbeit,
Gruppen und Chorarbeit wird weiter gehen – in neuen Räumen, im Pfarrhaus
an der Talkirche, im Gemeindezentrum Wenscht und im Gemeinderaum
Gerberstraße.

Helfen kann uns
nur der Blick nach oben.
Gott ist nicht an Raum oder Zeit gebunden.
Auf seine Zusage wollen wir vertrauen: „Ich bin bei euch, zu jeder
Zeit und an jedem Ort“.

Der Gemeindeabend schloss mit dem neueren
Kirchenlied, das in der Wendezeit 1989 in der DDR entstandenen ist:

Vertraut den
neuen Wegen, auf die der Herr und weist.
…..Der uns in frühen
Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns
will und braucht…..
Er selbst kommt uns kommt uns entgegen. Die
Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und
Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.“