Predigt vom 1. März

GOTTESDIENST FÜR DEN SONNTAG
INVOKAVIT

Wenschtkirche, 1.3. 2009
Pfr. Dr. Martin Klein
Text:
Mt 4,1-11

Da wurde Jesus
vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht
würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte,
hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: „Bist du
Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“ Er aber
antwortete und sprach: „Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht
vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund
Gottes geht.«“

Da führte ihn
der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die
Zinne des Tempels und sprach zu ihm: „Bist du Gottes Sohn, so wirf
dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Dengeln deinetwegen
Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du
deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«“ Da sprach Jesus zu ihm:
„Wiederum steht auch geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott,
nicht versuchen.«“

Darauf führte
ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm
alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: „Das
alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“
Da sprach Jesus zu ihm: „Weg mit dir, Satan! denn es steht geschrieben:
»Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«“
Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und
dienten ihm.

Es gibt viele
Menschen, auch viele Christen, die können mit dieser Geschichte
nichts mehr anfangen. Der Teufel als Person, die herzutreten und
sprechen kann? Das ist doch finsterer Aberglaube! Oder ein Jesus,
der Stimmen hört und Visionen hat – vielleicht gar hervorgerufen
durch Hunger oder Einsamkeit? Das würde ihn für rational denkende
Menschen nicht gerade vertrauenswürdig machen. Und selbst wenn Jesus
tatsächlich so etwas erlebt hätte, warum hätte er anderen davon
erzählen sollen? Wenn man schon vierzig Tage in der Wüste verbringt,
dann will man doch wohl allein sein mit sich oder mit Gott, und
das geht sonst keinen etwas an. Für viele Ausleger der Geschichte
bleibt demnach nur das moralische Vorbild übrig: „So wie Jesus in
der Versuchung standhaft blieb, so auch ihr, seine Nachfolger!“
Aber das allein kann’s auch nicht sein; denn Jesu Versuchungen sind
ja sehr speziell, ganz auf den „Sohn Gottes“ zugeschritten. Unsere
Glaubensprüfungen sehen ganz anders aus, und man könnte uns kaum
damit locken, Steine in Brot zu verwandeln oder ohne Fallschirm
von einem Turm zu springen. Also hat schon so mancher gedacht, dass
man diesen Bibelabschnitt getrost ad acta legen kann – ein Stück
Mythologie, uns nicht mehr zugänglich und unerheblich für das tägliche
Christenleben.

Eins allerdings
macht mich nachdenklich: Je mehr die biblische  Versuchungsgeschichte
aus unserer Wirklichkeit verschwindet, desto mehr beschäftigt sie
offenbar unsere Phantasie. Man beachte dazu nur mal die erfolgreichsten
Büchern und Filmen der letzten Jahrzehnte, denn dort begegnet uns
das Thema „Versuchung“ auf Schritt und Tritt: Saurons Ring, der
auch die Stärksten schwach werden lässt und unter seine Herrschaft
zwingt. Darth Vader, der Luke Skywalker auf die „dunkle Seite der
Macht“ ziehen will. Harry Potter, der Lord Voldemort bekämpft, aber
auch ein Stück von dessen Seele in sich trägt. Batman, der Verbrecherjäger
im Fledermauskostüm, der den bösen „Joker“ anscheinend nur besiegen
kann, wenn er ebenso wie er über Leichen geht. In immer neuen Variationen
stehen sie sich hier gegenüber: die guten, aber angefochtenen Helden
und das personifizierte Böse. All diese Geschichten spielen in Phantasie-Welten.
Anscheinend haben sie mit unserem Alltag wenig zu tun. Und doch
fiebern Millionen von Menschen in der ganzen Welt mit, bis das Gute
am Ende den Sieg behält. Offensichtlich sind uns diese fernen Welkten
also doch sehr nah. Wie kommt das?

Es liegt wohl
daran, dass es ein Urinstinkt von uns Menschen ist, mit einer Macht
des Bösen zu rechnen, auch wenn wir sie uns nicht als Person vorstellen.
Und dazu kommt, dass dieser Urinstinkt gerade in den letzten hundert
Jahren reichlich Nahrung erhalten hat. Wir selbst oder unsere Eltern
und Großeltern haben es ja erlebt, dass auch die löblichsten Ziele
und die anständigsten Menschen auf übelste Weise korrumpiert werden.
Was für eine erstrebenswerte Sache wäre zum Beispiel eine klassenlose
Gesellschaft, in der jeder Mensch gleich viel gilt – aber wie viele
Millionen Menschen sind gestorben, um sie herbei zu zwingen! Oder
nehmen wir die Schergen des NS-Regimes: einerseits tierlieb, musik-
und kunstbeflissen, vorbildliche Ehemänner und Familienväter, andererseits
eiskalte und brutale Verbrecher! Es braucht offenbar nicht viel,
um aus einem vernünftigen, zivilisierten Menschen ein Ungeheuer
zu machen, das schlimmer ist als jedes Raubtier. Und wer von uns
kann die Hand dafür ins Feuer legen, dass er gegebenenfalls nicht
auch zu allem fähig ist? Wer kann garantieren, dass er sich nicht
verführen lässt, wenn nur das Angebot verlockend genug ist?

Und deshalb faszinieren
uns all die Beutlins, Potters oder Batmans, all die Buch- und Filmgestalten,
die verführbare Sterbliche sind wie wir selber und es trotzdem schaffen,
den Teufelskreis des Bösen zu durchbrechen und standhaft zu bleiben
gegen alle Versuchungen. Denn so wären wir ja auch gern. Und deshalb
träumen wir uns mit ihrer Hilfe für ein paar Stunden in eine bessere
Welt, in der das Gute über das Böse triumphiert. Doch wenn wir das
Buch zuklappen oder den Kinosaal verlassen, müssen wir enttäuscht
zur Kenntnis nehmen, dass es das alles nur in Mittelerde gibt oder
in einer weit entfernten Galaxie.

Nun behauptet
allerdings die biblische Versuchungsgeschichte, dass es wenigstens
einmal anders war. Dass wenigstens ein Mensch, der in dieser ganz
realen Welt gelebt hat, „versucht war wie wir, doch ohne Sünde“.
Diese Geschichte nimmt, denke ich, nicht für sich in Anspruch, eine
einmalige, wirkliche Begebenheit aus dem Leben Jesu zu schildern.
Aber sie verdichtet in einer kurzen Erzählung, was den Lebensweg
Jesu insgesamt ausgezeichnet hat. Sie versteht sich als das Vorzeichen,
unter dem alles steht, was die Evangelien über Jesus berichten.
Deshalb ist sie eine wahre Geschichte – jedenfalls für alle, die
glauben, dass Jesus tatsächlich Gottes Sohn ist. Und was in ihren
modernen Variationen an Wahrheit steckt, das haben sie von ihr geborgt.
Grund genug, nun doch noch einmal genauer hinzuschauen: Was sagt
denn die Versuchungsgeschichte über die Macht des Bösen, über Jesus
und damit auch über uns?

Zunächst zeigt
sich, dass der Teufel auch bei Jesus genau weiß, wo er ihn packen
muss, wenn er ihn überhaupt zu packen bekommen will: Nicht bei irgendwelchen
Schwächen, sondern gerade bei dem, was ihn stark macht: dass er
Gottes Sohn ist, von Gott gesandt, um der Welt das Heil zu bringen.
Das hat sein Vater im Himmel ihm gerade erst zugesprochen bei der
Taufe im Jordan. Und in diesem Bewusstsein, bewegt vom Geist Gottes,
hat er sich auf den Weg in die Wüste gemacht. Der Teufel weiß das
und nutzt es aus: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine
Brot werden.“

Es geht hier nicht
nur darum, dass Jesus mit seinen göttlichen Fähigkeiten seinen akuten
Hunger stillt. Das wäre billig: Ich zaubere mir ein bisschen Brot,
und schon bin ich satt! Nein, hier sind noch andere Dinge mit im
Spiel: Israel in der Wüste, von Gott mit Brot vom Himmel versorgt.
5000 Menschen, die Jesus satt werden lässt, ausgehend von fünf Broten
und zwei Fischen. Bei Johannes wollen sie ihn dafür zum König machen.
Und genau darin liegt die Versuchung: „Du, Jesus, du, der Sohn Gottes,
du könntest nicht nur deinen eigenen Hunger stillen, sondern den
Hunger von der Erde tilgen. Brot für die Welt – du könntest es wahr
machen, ganz ohne Spendensammlung. Alle werden satt. Alle bekommen,
was sie zum Leben brauchen – und du bist es, der es ihnen gibt.
Sie werden dich lieben dafür, sie werden dich verehren, sie werden
alles tun, was du willst, wenn du nur weiter ihre Bedürfnisse befriedigst:
Mach uns ruhig zu Sklaven, aber mach uns satt! Und dann werden sie
dir bedingungslos folgen, was auch immer du ihnen befiehlst.“

Aber Jesus sagt
nein. So will er nicht Sohn Gottes sein. Denn wer den Menschen auf
seine materiellen Bedürfnisse reduziert, und sei es mit edlem humanitärem
Anstrich, der nimmt ihm seine Würde, seine Freiheit. Er verleugnet,
dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von jedem Wort,
das aus dem Mund Gottes geht. Durch dieses Wort ist der Mensch Gottes
Ebenbild, sein lebendiges Gegenüber. Als solches hat er auch ein
Recht, satt zu werden, das ist wahr. Aber er muss dafür nicht jede
Hand lecken, die ihn füttert. Das ist unter seiner Würde. Diesem
Wort Gottes bleibt Jesus gehorsam, und damit hat der Teufel die
erste Runde verloren.

Beim zweiten Mal
stellt er es noch schlauer an: „Du bist Gottes Sohn“, sagt er, „aber
alles, was du Gutes sagst und tust, wird nichts helfen, solange
die Menschen dir das nicht abnehmen. Sie glauben nun mal nur, was
sie sehen. Also brauchen sie ein Zeichen, ein Wunder, das man nicht
irgendwie anders erklären kann und das nur der Sohn Gottes vollbringen
kann. Dann bist du „Jesus Christ Superstar“, dann werden sie an
deinen Lippen hängen, dir alles glauben, was du ihnen von Gott erzählst
– und das willst du doch, oder? Also stürz dich ruhig hinunter in
den Tempelhof – vor all den vielen Menschen, die da jeden Tag herumlaufen!
Dein Vater im Himmel wird schon dafür sorgen, dass du heil unten
ankommst.“ Und zum Beweis zitiert nun auch der Teufel die Bibel:
„Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden
dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein
stößt.“ Psalm 91,11 und 12. Ein schöner Vers, zur Zeit der beliebteste
aller Taufsprüche. Aber nicht alles ist immer und überall Wort Gottes,
nur weil es in der Bibel steht. Es kann jederzeit verdreht, missbraucht
und zur Lüge werden und damit dem Bösen dienen. Erschreckend für
alle, die die Bibel lieben und ehren, aber doch nicht zu leugnen!

Jesus weiß das,
und deshalb fällt er nicht darauf herein. Er weiß, dass Gott sich
nicht dazu zwingen lässt, nach unseren Wünschen ins Weltgeschehen
einzugreifen. Er weiß, dass Gott nicht mal eben die Naturgesetze
außer Kraft setzt, um unsere Sensationsgier zu befriedigen. Und
deshalb versucht er es gar nicht erst. Wieder will er den Menschen
die Freiheit des Glaubens lassen, statt sie zu überwältigen und
zum Gehorsam zu zwingen.

Nach zwei Versuchen
muss der Teufel einsehen, dass alle Verschleierungstaktik und Verführungskunst
bei Jesus versagt. Also versucht er es nun direkt und unverhüllt:
„Alle Reiche der Welt will ich dir geben, wenn du niederfällst und
mich anbetest!“ Herrschaft über die Welt – wer das Matthäusevangelium
zum wiederholten Mal liest, der weiß ja, dass es am Ende genauso
kommt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden“, sagt
der auferstandene Christus. Na also, könnte der Teufel sagen, darauf
läuft es doch sowieso hinaus! Warum dann nicht die Abkürzung nehmen?
Warum sich nicht gleich zum Weltherrscher aufschwingen? Warum  nicht
den Vater im Himmel um zwölf Legionen Engel bitten und damit die
römische Armee vernichten? Warum sich von Herodes schikanieren und
von Pilatus kreuzigen lassen statt an ihre Stelle zu treten? Warum
dieser Weg durch Niedrigkeit und Leiden, durch Blut, Schweiß und
Tränen? Warum soll der Sohn Gottes sterben müssen? Er allein von
allen Menschen hätte das doch nicht nötig, wenn es stimmt, dass
er zugleich wahrer Gott ist!

Aber die Geschichte
von der Versuchung will uns deutlich machen: Wenn Jesus diesen Weg
durch Leiden und Tod nicht gegangen wäre, wenn er des Teufels Angebot
angenommen hätte, dann wäre aus ihm vielleicht der größte Herrscher
geworden, den die Welt je gesehen hat. Aber Tod und Sünde hätten
ihre Macht behalten. Die Trennung zwischen Gott und den Menschen
wäre bestehen geblieben. Und selbst wenn er ohne die Kriege und
Verbrechen aller anderen „großen“ Herrscher ausgekommen wäre, würden
wir heute bestenfalls ehrfürchtig sein Grab pflegen. Aber wir hätten
keine Hoffnung, dass wir je Böses mit Gutem überwinden könnten.
Und wir hätten keinen Grund zu dem Glauben, dass Gottes Liebe stärker
ist als der Tod.

Doch Jesus hat
es getan, er hat das Böse und Tod besiegt, indem er sie erlitten
hat. Und deshalb kann uns doch gelingen, was unseren Buch- und Filmhelden
gelingt – jedenfalls den Normalsterblichen unter ihnen: Wir können
zum Bösen Nein sagen. Wir müssen der Versuchung nicht erliegen,
so verlockend sie uns auch erscheinen vermag. Wir müssen nicht mit
dem Strom schwimmen, wenn wir überzeugt sind, dass er uns und andere
ins Unglück stürzt. Wir können Gott mehr gehorchen als den Menschen,
selbst wenn diese Menschen die Macht haben, uns leiden und sterben
zu lassen. Und wenn es uns in dieser Welt auch nie ganz gelingen
wird, uns von dem Bösen fern zu halten, in das wir mit verstrickt
sind, so können wir doch in dem Bewusstsein leben, dass dieses Böse
längst besiegt ist, dass all seine Angriffe nur noch Rückzugsgefechte
eines geschlagenen Heeres sind. Mit Martin Luther gesprochen: „Der
Fürst dieser Welt, / wie sauer er sich stellt, / tut er uns doch
nichts; / das macht, er ist gericht’t: ein Wörtlein kann ihn fällen.“
Und dieses Wörtlein lautet Jesus Christus – Gottes Sohn, unser Retter.

Amen.

Projekt März / April

Projekt März / April

„Kinderbibelwoche"

Unsere Kirchengemeinde
bietet auch in diesem Jahr wieder die Kinderbibelwoche an, die in
den vergangenen Jahren von weit über 100 Kindern besucht wurde.
Unser Ziel ist es, diese Veranstaltungen auch für Eltern mit einem
geringeren Einkommen zu einem akzeptablen Preis anzubieten. Dies
ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden.

Die Kinderbibelwoche
kostet pro Kind 5 EURO, enthalten ist in diesem Betrag u. a. Bastelmaterial,
Bühnenausstattung und Frühstück. Wir möchten auch in Zukunft den
Kindern solche – für deren soziale Entwicklung wichtigen – Gruppenerlebnisse
bieten, sind aber mehr und mehr auf Ihre finanzielle Mithilfe angewiesen.

Spenden
können auf das Konto der Ev.-Ref. Kirchengemeinde Klafeld,
Kto.-Nr.
30 306 872
bei der Sparkasse Siegen (BLZ 460 500 01)

mit dem Kennwort „KiBiWo 2009" überwiesen werden.

Eine Spendenbescheinigung stellen wir gerne aus.


Hungermarsch 2009

 

Hungermarsch 2009

Start des Hungermarsches ist
am 29. März um 12.45 Uhr in St. Joseph.

Der Tag beginnt
um 9.45 Uhr mit einem gemeinsamen Gottesdienst in St. Joseph, anschließend
lädt der PGR zum KrichCafe ins Pfarrheim ein. Bei einer Tasse Kaffee
können siech die Wanderer schon anmelden. Ab ca. 11.45 Uhr bieten
wir einen Suppe an. Um 12.45 Uhr geht es dann auf die Strecken,
von 5, 10 oder 15 km. Die Rückkehrer werden von der Caritas mit
einem reichhaltigen Kuchenbuffet und Schnittchen bewirtet.

Wir hoffen, dass
die Aktion auch in diesem Jahr wieder viele Teilnehmer findet, die
bei hoffentlich gutem Wetter „Wandern für die Andern!“

>>>>>
weitere Informationen     
(bitte anklicken)


 

Familienzentrum: Kursangebote: Feb. 09

Ev. Familienzentrum Klafeld
Sonnenstr.
33a
57078 Siegen
Tel.: 0271/31316976
E-Mail: ev.familienzentrum@kirche-klafeld.de

Herzliche Einladung in das
Ev. Familienzentrum Klafeld

Mehrere interessante
Informations-, Beratungs- und Kursangebote bietet das Ev. Familienzentrum
Klafeld derzeit an. Zielgruppe sind insbesondere Familien mit Kindern.
Darüber hinaus stehen die Angebote grundsätzlich aber allen Interessierten
offen.

So beginnen in
Kürze folgende Kurse bzw. Infoveranstaltungen, zu denen noch Plätze
frei sind:

  • Offene Sprechstunde
    der Logopädischen Praxis Ebner
  • Feldenkraiskurs
    „Familie in Bewegung“ für Erwachsene, ab 26. Februar 2009, 10
    Abende um 20:15 Uhr in der Ev. Kita Setzen
  • Indische
    Babymassage, Kursbeginn 6. März 2009, 5 Vormittage um 10:30
    Uhr in der Ev. Kita Sohlbach-Buchen

Der Feldenkraiskurs
„Familie in Bewegung“ wird von Diplom-Sportlehrer und Feldenkraislehrer
Lutz Moleski durchgeführt. Die Feldenkraismethode schult die Fähigkeit,
Bewegungen wahrzunehmen und zu differenzieren. Sie eignet sich,
um die eigenen Fähigkeiten kennen zu lernen und sie mit einem Minimum
an Aufwand und einem Maximum an Effizienz zu erweitern.

Der Kurs für indische
Babymassage richtet sich an Kinder ab dem 3. Lebensmonat. Eltern
und ihre Babys lernen eine sanfte Babymassage kennen, denn Neugeborene
brauchen viel Berührung und körperliche Wärme für eine positive
Entwicklung. Durch die Massage werden das Körperbewusstsein und
die Eltern/Kind-Beziehung gefördert.

Nähere Informationen
zu den Veranstaltungen sind unter der Telefonnummer 0271/31316976
erhältlich. Dort und in einer der sechs Kindertageseinrichtungen
des Ev. Familienzentrums Klafeld werden die Anmeldungen entgegengenommen.

Herzlichen Dank, mit freundlichen Grüßen

Katrin Osterburg,
Leiterin des Ev. Familienzentrums
Klafeld
 


Predigt vom 15.2.2009

GOTTESDIENST FÜR DEN SONNTAG
SEXAGESIMAE

Talkirche, 15.2. 2009
Pfr. Dr. Martin Klein
Text:
Lk 8,4-8

Als nun eine
große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu Jesus eilten,
redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen
Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten,
und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und einiges fiel auf
den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit
hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen
gingen mit auf und erstickten’s. Und einiges fiel auf gutes Land;
und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief
er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

In unseren Zeiten,
wo so viel von „Effizienz“  und „Nachhaltigkeit“ die Rede ist,
kann man über einen solchen Bauern nur den Kopf schütteln. Was für
eine Vergeudung von wertvollem Saatgut! Es wird zwar nicht gerade
gesagt, dass drei Viertel der Saat verloren gehen, aber auf jeden
Fall gewinnt man den Eindruck, dass mehr verloren geht als Frucht
bringt. Einem Bauern, der so unwirtschaftlich arbeitet, würde selbst
die EU sofort die Subventionen streichen.

Aber wenn wir
das Gleichnis so verstehen, haben wir noch nicht richtig hingehört.
Bei näherer Betrachtung erweist sich die verschwenderische Aussaat
nämlich als hochgradig wirksam: Der Same, der auf gutes Land fällt,
geht auf und bringt hundertfache Frucht! Auf ein Saatkorn kommen
also hundert Getreidekörner bei der Ernte. Zur Zeit Jesu galt ein
siebenfacher Ertrag als normal und ein zehnfacher als gut. Hundert
Körner hatte man vielleicht mal in einzelnen Ähren, aber ein hundertfacher
Gesamtertrag wäre eine absolute Rekordernte gewesen. Da hätte man
den Verlust von so viel Saatgut problemlos verschmerzen können.

Jesus hat diese
Geschichte wohl als Trost für sich und seine Jünger erzählt. Denn
er hat zwar nach den Evangelien ständig vor großen Menschenmengen
gepredigt; aber diejenigen, die ihm tatsächlich nachgefolgt sind,
waren ein kleines Häuflein. Nüchtern betrachtet, war das nicht gerade
überwältigend. Erst recht nicht, wenn man wie Jesus davon ausging,
dass der Anbruch des Reiches Gottes unmittelbar bevorstand. Aber
Jesus ließ sich nicht entmutigen. Er sah in den kleinen Anfängen
schon die große Zukunft: in der aufsprießenden Saat schon die hundertfache
Frucht, im winzigen Senfkorn schon den Baum, in dem die Vögel Nester
bauen, in der kleinen Schar seiner Anhänger schon die Menschenmassen,
die aus allen Himmelsrichtungen ins Reich Gottes strömen.

Wenn schon Jesus
bei seinen Predigten so große „Streuverluste“ hinnehmen musste,
dann ging es den christlichen Verkündigern nach Ostern natürlich
erst recht so: Nur ein kleiner Teil ihrer jüdischen Landsleute ließ
sich für den Glauben an Jesus Christus gewinnen. Die meisten dagegen
lehnten diesen Glauben strikt ab. Es sah so aus, als ob Gott selber
ihnen den Weg zum Verstehen verbauen würde. Und die Gleichnisse
Jesu wirkten nicht mehr als Verstehenshilfen, sondern als Verschlüsselungen,
in deren Geheimnisse nur wenige Einblick erhielten. Bei Lukas liest
sich das dann so:

Es fragten ihn
aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch
ist’s gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen,
den andern aber in Gleichnissen, damit sie es nicht sehen, auch
wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören.

Noch eine Generation
weiter stellte sich das Problem schon wieder anders dar. Jetzt hatte
man nicht mehr nur die Gläubigen und die Ungläubigen im Blick, sondern
auch die, deren Glaube nach guten Anfangen wieder verloren ging,
die sich für eine Weile zur christlichen Gemeinde hielten, aber
dann wieder wegblieben. Nun sah man auch ihr Schicksal im Gleichnis
Jesu angesprochen und gab ihm deshalb folgende Deutung:

Das Gleichnis
aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem
Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt
das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.
Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das
Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang
glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber
unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und
ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens
und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind die,
die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und
bringen Frucht in Geduld.

Es ist gut, dass
diese Deutung im Evangelium steht. Denn sie liest zwar mehr in die
Worte Jesu hinein als ursprünglich damit gemeint war, aber dafür
spricht sie die Situation an, die sich seitdem nicht mehr grundlegend
geändert hat. Sie weiß darum, wie schwierig das mit dem Glauben
ist: dass er bei sehr vielen erst gar nicht zustande kommt, dass
er bei vielen nur ein Strohfeuer bleibt, dass er bei vielen weiteren
von anderen Dingen erstickt wird und dass er nur bei wenigen echte
Früchte trägt. Um das bestätigt zu finden, muss man sich nur ein
wenig in der eigenen Gemeinde umschauen oder auch einen Blick in
die kirchlichen Umfragen und Statistiken werfen.

Eins allerdings
wird in der alten Deutung des Gleichnisses noch nicht so klar. Dort
wird das Schicksal der Samenkörner des Wortes Gottes verschiedenen
Menschentypen zugeordnet: es gibt Weg-Typen, Fels-Typen, Dornen-Typen
und Guter-Boden-Typen. Aber ich glaube, so einfach geht das nicht.
Das menschliche Ich ist viel zu kompliziert und vielschichtig, als
dass man es einfach in eine von vier Schubladen stecken könnte.
Deshalb glaube ich, dass alle vier Typen in jedem von uns stecken
– vielleicht in unterschiedlichem Mischungsverhältnis, vielleicht
auch so, dass der eine oder andere Typ nur in uns schlummert und
noch nicht aktiviert worden ist, aber auf jeden Fall so, dass jeder
von uns mal Weg, mal Fels, mal Dornen und mal guter Boden sein kann.
Trotzdem möchte ich Ihnen diese Typen so  vorstellen, als wären
es einzelne Individuen. Sie mögen dann selber entscheiden, in welchen
Anteilen sie bei Ihnen vorkommen – oder auch nicht.

Da sind also zum
einen die Weg-Typen. Für mich sind das die, die alles, was sie hören
und sehen, erst einmal kritisch durchdenken müssen – auch das, was
sie über den christlichen Glauben erfahren. Das ist ja auch gut
und richtig so. Nur wenn es dabei bleibt, dann wird aus dem kritischen
Verstand so eine Art Teflon-Schicht. An der perlt alles ab, was
in das Innerste gelangen möchte. Weg-Typen können deshalb über die
christliche Religion bestens Bescheid wissen. Sie können die Bibel
für großartige Literatur halten, fasziniert sein von der Kirchen-
und Theologiegeschichte, mit Begeisterung kunsthistorisch wertvolle
Kirchen besichtigen und doch nie ein einziges Wort Gottes in ihr
Herz gelassen haben. Vielleicht stehen Theologen sogar in der größten
Gefahr, solche Weg-Typen zu sein. Deshalb sage ich mir und allen
von Ihnen, die diesen Typ bei sich entdecken: Der Glaube will und
soll unser Denken und Wissen erfassen, aber er ist mehr als das.
Er will uns ganz durchdringen und verändern. Erst dann kann er wachsen
und Frucht bringen.

Dann sind da die
Fels-Typen. Für mich sind die so ziemlich das Gegenteil von den
Weg-Typen. Denn bei ihnen kommt der Glaube gerade nicht über den
Verstand, sondern über das Gefühl. Fels-Typen wollen den Glauben
nicht durchdenken, sondern erleben. Sie sind begeistert von meditativer
Musik und Kerzenschein, von Kirchentagen und Taizé-Wallfahrten.
Von solchen Erlebnissen kommen sie beschwingt und voller Enthusiasmus
zurück und zehren auch noch eine Weile davon, aber die Hitze des
Alltags lässt ihr frisches Glaubensgrün rasch verdorren. Entweder
kommen sie dann zu dem Schluss, dass der Glaube für den Alltag nichts
taugt, oder sie hetzen von einem Glaubens-Event zum nächsten, müssen
die Dosis ständig steigern und verlieren allmählich den Kontakt
zur Wirklichkeit. Auch ein solcher Glaube bringt keine Früchte,
die wirklich nahrhaft sind.

Am weitesten verbreitet
sind wohl heutzutage die Dornen-Typen. Sie entstammen dem so genannten
christlichen Abendland, sind getauft, konfirmiert und kirchlich
getraut, gehen hier und da auch mal zum Gottesdienst. All das hat
durchaus ein kleines Glaubenspflänzchen in ihnen wachsen lassen.
Aber es führt ein kümmerliches Schattendasein. Denn da gibt es ja
so vieles, was wichtiger ist. Der Beruf, die Familie, die Altersvorsorge
– das sowieso. Aber dann will man ja auch noch etwas für die Gesundheit
tun und etwas von der Welt sehen und das Leben genießen, und man
tut das so, als hätte Gott mit alledem gar nichts zu tun. Also wird
das Glaubenspflänzchen zwar ab und zu gegossen – zu Weihnachten
oder auch öfter – und man käme nie auf die Idee, es einfach auszureißen
und wegzuwerfen. Aber es welkt vor sich hin und gedeiht nicht wirklich.
Dabei könnte es all die anderen Lebensinhalte befördern und befruchten,
wenn man es nur ließe. Es könnte Kraft für die täglichen Pflichten
geben, Entscheidungshilfe leisten, Lebensfreude vertiefen und manches
mehr. Aber dazu brauchte es Platz zum Wachsen, und den bekommt es
nicht – schade!

Und dann sind
da noch die Typen, die es eigentlich gar nicht gibt: die Gutes-Land-Typen.
Es gibt sie deshalb nicht, weil der gute Bogen anders als beim Acker
nicht einfach da ist. Gott muss diesen Boden überhaupt erst in uns
schaffen. Aber das will er tun, und zwar bei jedem von uns. Bei
uns allen kann das Wort Gottes auf gutes Land fallen, wachsen und
Frucht bringen, wenn wir es nur lassen. Dann kann unser Glaubenspflänzchen
in unseren Gefühlen tiefe Wurzeln schlagen, die niemand mehr herausreißen
kann. Es kann aber auch die nötige Festigkeit und Biegsamkeit entwickeln,
indem wir unseren Glauben immer neu durchdenken und ihn immer besser
verstehen lernen. Und es kann schließlich hundertfache Frucht bringen,
wenn wir erkennen, dass der Glaube nicht in eine Ecke unseres Lebens
gehört, sondern mitten hinein. Er kann und will in der lästigen
Pflicht genauso zu Hause sein wie im reinen Vergnügen. Er trägt
uns durch frohe und durch schwere Stunden. Und am Ende werden wir
staunen über die große Ernte, die wir mit unserem Glaubensleben
eingefahren haben. Auf das Erntedankfest, das Gott dann mit uns
feiern wird, dürfen wir uns jetzt schon freuen.

Amen.