Rückblick: ökum. Pfingstgottesdienst

GOTT VERBINDET

40 Jahre Ökumene im Wenscht

40 Jahre ökumenische Gottesdienste
im Wenscht

– das feierten
jetzt zahlreiche evangelische und katholische Christen in der St.
Marien-Kirche. Als besondere Gäste konnten Pfarrer Karl-Hans Köhle
und das ökumenische Vorbereitungsteam um Gemeindereferentin Ulrike
Weber und Pfarrer Frank Boes ehemalige Seelsorger aus dem Wenscht
begrüßen. Von evangelischer Seite waren Pfarrer Hans-Peter Adler,
die heutige Superintendentin Annette Kurschus, Pfarrer Herbert Siemon
und Pfarrer Burkhard Schäfer gekommen, auf katholischer Seite hatten
Pfarrer Herbert Korfmacher, Pater Bernd Hartwig und Vikar Michael
Melcher ihre Teilnahme zugesagt.

„Gott verbindet“
war das Thema des Gottesdienstes. Dass Gott die Konfessionen verbinden
kann, das machte Pastor Korfmacher in einem sehr persönlich gehaltenen
Rückblick auf die Anfänge der Ökumene im Wenscht deutlich. Vor dem
Altar gaben Symbole einen Einblick in lange ökumenische Verbundenheit
der Kirchengemeinden bei verschiedensten Veranstaltungen wie dem
ökumenischem Martinszug und Kinderfest, dem Weltgebetstag der Frauen,
der ökumenischer Bibelwoche, den ökumenischen Gottesdiensten beim
Siedlerfest und zum Buß- und Bettag, den Treffen von Pfarrgemeinderat
und Presbyterium…


Gemeindereferentin
Weber, Pfarrer Köhle, Pfarrer Boes und Mitglieder des Vorbereitungsteams
beim Fürbittengebet

„Bemüht euch,
die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.“
Auf diesen Aufruf des Apostel Paulus im Brief an die Epheser ging
Pfarrer Boes in seiner Predigt ein. Ein ökumenisches Glaubensbekenntnis,
 fürbittendes Gebet und das Vater unser schlossen sich vor
dem Segen an. In einer anschließenden Agapefeier in der Kirche kam
es zum freudigen Austausch unter den Teilnehmern und zur persönlichen
Begegnung mit den ehemaligen Seelsorgern.

Für die St. Marien-Gemeinde
stellte dieses Ereignis einen weiteren Höhepunkt im Jubiläumsjahr
der Kirchweihe dar. Im Oktober wird die Marien-Kirche, übrigens
ein Jahr nach der evangelischen Wenscht-Kirche,  50 Jahre alt.


Bei
der anschließenden Agape

Wir haben uns
darüber sehr gefreut und sind dankbar. Auch über viele positive
Rückmeldungen haben wir uns gefreut. Danke wollen wir aber auch
allen sagen, die durch Salat, Brot, Kuchen, Quiche o. ä. mit dafür
gesorgt haben, dass niemand hungrig wieder gehen musste. Danke auch
denen, die ganz selbstverständlich mit angepackt haben, beim Kaffee
kochen, beim Würstchen erhitzen, Getränke ausgeben oder beim Geschirr
spülen, Aufräumen und, und, und….
Es mutete schon biblisch an,
dass am Ende noch viel übrig blieb, obwohl so viele gegessen hatten.
Allen noch einmal: Herzlichen Dank!

Das Vorbereitungsteam

Rückblick: Frauenradtour

Die erste Frauenradtour der
Kirchengemeinde Klafeld

Bei recht freundlichem
Frühlingswetter ging es los: Elf Frauen zwischen 40 und 74 trafen
sich am Geisweider Bahnhof mit Ihren Fahrrädern und leichtem Gepäck.
Das Bähnlein Richtung Erntebrück sah von außen winzig aus, aber
wir passten dann doch alle rein. In Aue-Wingeshausen stiegen wir
dann aus und jetzt hieß es selber radeln – immer an der Eder entlang,
meistens leicht bergab – und wenn es doch mal etwas steiler bergauf
ging, dann wurde eben geschoben. Unsere erste größere Pause machten
wir in Arfeld, wo uns zwei sehr nette ältere Herren im privat betriebenen
Museum ganz praktisch in die Kunst des Schmiedens einführten. Einer
der beiden geleitete uns dann persönlich zu einem sonnigen Tisch
mit Bänken direkt an der Eder, wo dann alle ihre mitgebrachten Schätze
fürs Picknick aus den Packtaschen holten. Was hatten wir es lecker
und lustig! Als wir wieder einpackten, stellten wir fest, dass wir
noch genug für den nächsten Tag übrig hatten. Frisch gestärkt radelten
wir weiter durch wunderbare Landschaft bis Hatzfeld. Dort schloss
uns eine freundliche Dame aus dem Rathaus das so genannte Ammenhaus
auf, ein kleines aber feines Heimatmuseum, das außerdem noch etwas
über die erste Hebamme des Ortes erzählte. Sie empfahl uns noch
ein Café, wo wir es uns dann gut gehen ließen. Auf zur letzten Etappe
des Tages, die leider an der Straße entlang führte. Zum Glück war
wenig Verkehr. Abends im Hotel „Waidmanns Heil“ trafen wir uns zum
Essen. Die meisten von uns verschwanden recht früh in den Federn,
wussten wir doch, dass der nächste Tag uns die längste Etappe bringen
würde.

Am nächsten Morgen
machten wir uns frohgemut bei bewölktem Himmel und angenehmen Temperaturen
auf. Wir. radelten voll Elan bis kurz vor Frankenberg, wo es plötzlich
einen lauten Knall tat: Ein Schlauch an einem Hinterrad war geplatzt,
aber keine 500m weiter befand sich ein Fahrradgeschäft, wo sofort
wieder ein neuer Schlauch und Mantel aufgezogen wurden. Und so konnten
wir mit funktionstüchtigen Rädern den Berg zur Altstadt raufschwitzen.
Es hat sich gelohnt.

Mittags machten
wir wieder unser Picknick, diesmal an einem Holztisch neben einem
Spielplatz. Und stellten fest, dass unsere mitgebrachten Sachen
auch noch für den letzten Tag reichen… Dialog am Handy nach Hause:
„Na, wie geht’s euch, seid ihr arg nass geworden?“ – „Nein, das
Wetter ist genial. es sieht zwar immer so aus, als ob’s gleich losregnet,
aber bis jetzt ist es trocken.“ – „Also, hier in Siegen regnet’s.
Wartet nur, das bekommt ihr auch noch ab.“ Haben wir aber nicht.
Erst auf dem letzten Kilometer fing es an zu tröpfeln. Da hatten
wir den schönsten Teil der Strecke hinter uns: Dicht am Südufer
des Edersees entlang radelnd wähnten wir uns angesichts einer bebauten
Halbinsel mal an einem norditalienischen See, mal dank des Pinienwaldes
in Südfrankreich. Müde, aber froh und stolz auf die zurückgelegten
70 Tageskilometer kamen wir dann unterhalb der Staumauer beim „Gockel“
an. Dort erwarteten uns Schnitzel in allen Variationen. Helga Vogel
brachte uns „Baptistenskat“ bei, so dass wir doch nicht so früh
in die Betten fielen…

Der letzte Tag
brachte uns Sonnenschein am frisch gewaschenen Himmel. Trotz des
einen oder anderen schmerzenden Hinterteils genossen wir den gut
beschilderten Radweg abseits der Straßen durch blühende Rapsfelder.
Kurz nach unserem letzten Picknick erreichten wir die malerische
Altstadt von Frizlar mit ihrem beeindruckenden Dom. Leider lag sie
wieder auf einem Berg… Jetzt waren es nur noch wenige Kilometer
bis Wabern, wo wir uns vor der Rückfahrt mit der Bahn noch in einem
kultigen, von Senioren betriebenen Café an selbst gemachten Torten
labten. Alle waren wir uns einig: Toll war’s  und lustig –
das müssen wir nächstes Jahr wieder machen!

Stephanie Kafka-Klein

Kurz notiert


 

  • An der A
    45 bei Wilnsdorf wird eine Autobahnkirche gebaut; um das Projekt
    zu planen und die Kirche später zu unterhalten, hat sich ein
    gemeinnütziger Verein gegründet.
     
  • Die Neuzugezogenen
    in unserer Kirchengemeinde werden seit kurzem besucht, sie erhalten
    einen Willkommsbrief, unser Kirchen-ABC und die neuste Ausgabe
    von „Gemeinde jetzt“.
     
  • Die Zahl
    der Pastoralverbünde soll im Erzbistum Paderborn von derzeit
    213 auf 100 verringert werden.
     
  • Erwähnenswert:
    Am 26. April konfirmiert – ab Mai im Wenschter Kindergottesdienst-Team:
    Stina Lautz.
     
  • Presbyterin
    Inge Behm und Presbyter Winfried Krahl haben die von Friedhelm
    Bäcker geführte Diakoniekasse geprüft; es gab erneut keinerlei
    Beanstandungen.
     
  • Alle Spender,
    die sich bisher an der Kirchgeldaktion beteiligt haben, werden
    am 8. Oktober zu einem Dankeschön – Treffen eingeladen.
     
  • Juliane Nies
    stellte in der Presbyteriumssitzung am 24. April als stellv.
    Leiterin die Leistungs- und Strukturbereiche des neuen Familienzentrums
    vor, außerdem referierte sie über  Schwerpunkte, Ziele
    und Zukunftsperspektiven der Einrichtung.
     
  • Beleuchtung:
    Zwischen der Talkirche und dem Gemeindehaus wurde inzwischen
    eine Lichtanlage installiert.
     
  • Neue Gesichter
    bei den Lesungen im Gottesdienst: Annemarie Becker, Stephanie
    Kafka-Klein, Karin Krahl und Ursula Stutte unterstützen ab Mai
    die Mitglieder des Presbyteriums. Dafür herzlichen Dank!
     
  • Am 14. Mai
    hielt Pfr. Dr. Martin Klein im Gemeindezentrum Wenscht einen
    hörenswerten Vortrag über das Thema „Von Genf ins Siegerland
    (und anderswohin) – Calvin und die Folgen“.
     
  • Sehr oft
    beschäftigt sich das Presbyterium in Weidenau derzeit mit Strukturfragen:
    Es geht um die Zukunft der Gebäude, eine Neuorientierung der
    Konfirmandenarbeit, eine neue Satzung und die geografische Orientierung
    nach Wegfall der kleinen Gemeindehäuser. Kommt uns irgendwie
    bekannt vor!
     
  • Nach der
    Berufung von Katrin Breitweiser und Lukas Hermeling ist derzeit
    nur noch eine Stelle in unserem Presbyterium unbesetzt.
     
  • Bitte vormerken:
    Der Gottesdienst zum Sonntag der Diakonie findet am 6. September
    in der Talkirche statt.

Peter – Christian Rose

Förderverein: Vorstand neu gewählt

Vorstand des Fördervereins
neu gewählt

In der Ev.-Ref.
Kirchengemeinde Klafeld in Siegen-Geisweid besteht seit mehr als
zehn Jahren ein Förderverein für die Kinder- und Jugendarbeit. Der
Verein hat zurzeit 75 Mitglieder, die mit ihren Beiträgen die Angebote
für Kinder und Jugendliche finanziell unterstützen. Gefördert werden
z. B. Schulungen für ehrenamtlich Mitarbeitende, Aktionen, Projekte
und Freizeiten aber auch Veranstaltungen wie die Kinderbibelwoche,
das Ökumenische Kinderfest oder der Martinszug im Wenscht. Mit über
8.000 € konnte der Förderverein im zurückliegenden Jahr die Arbeit
mit Kindern und Jugendlichen finanziell unterstützen. Um dies auch
in der Zukunft leisten zu können, ist der Förderverein weiterhin
auf Spenden angewiesen. Wer regelmäßig die Aktivitäten des Vereins
unterstützen will, kann gerne für einen monatlichen Beitrag von
2 € Mitglied werden. Weitere Informationen zum Förderverein sind
erhältlich im Gemeindebüro der Kirchengemeinde. 


Der
neue Vorstand

 

Bei der diesjährigen
Mitgliederversammlung standen die turnusgemäßen Vorstandswahlen
an. Im Vorstand gab es nur geringe Veränderungen. Für weitere vier
Jahre ist Matthias Hess der Vorsitzende des Vereins. Hartmut Heinbach
ist sein Stellvertreter. Schriftführerin bleibt Silke Wittich und
Marliese Weber wurde als Schatzmeisterin wiedergewählt. Pfr. Dr.
Martin Klein und Martina Stötzel fungieren als Beisitzer.

Herzlich verabschiedet
wurde Traute Fries, die dem Vorstand zwölf Jahre angehörte und sich
nicht mehr zur Wahl stellte. Matthias Hess würdigte ihr langjähriges,
verlässliches Engagement für den Verein und dankte ihr, dass sie
sich trotz der vielfältigen Aufgaben an anderen Stellen in Kommune
und Gemeinwesen die Zeit für die gemeinsame Arbeit im Vorstand des
Fördervereins genommen hat.

Matthias Hess


Herzlichen
Dank an Traute Fries

PREDIGT FÜR DEN PFINGSTSONNTAG

GOTTESDIENST FÜR DEN PFINGSTSONNTAG

Talkirche, 31.5. 2009
Pfr.
Dr. Martin Klein
Text: Barmer Theologische Erklärung

Zu Pfingsten hat die Kirche Geburtstag. Von
jenem ersten Pfingstfest in Jerusalem an gerechnet wird sie heute
wahrscheinlich 1979 Jahre alt – kein rundes Jubiläum, aber doch
wie jedes Jahr ein Grund zum Feiern. Und zum Staunen. Denn auf ein
so langes Erdenleben war sie ja nicht angelegt. Die ersten Christen
rechneten allenfalls mit ein paar Jahren bis zu Jesu Wiederkunft.
Um trotzdem so alt zu werden, musste die Kirche sich vielfältig
wandeln und den jeweiligen Zeiten und Orten anpassen, sie musste
sich aber auch immer wieder auf ihr Wesen, auf den Kern ihres Glaubens
besinnen, um sich nicht in der Welt und an die Welt zu verlieren.

Ein solches Ereignis jährt sich genau heute
zum 75. Mal: Am 31. Mai 1934 wurde auf der ersten Bekenntnissynode
der Deutschen Evangelischen Kirche in Barmen-Gemarke die Barmer
Theologische Erklärung verabschiedet. Gegen die Irrlehre der Deutschen
Christen bekannten sich erstmals reformierte, lutherische und unierte
Christen gemeinsam zu Kernaussagen ihres Glaubens. Der Stellenwert
dieses „Bekenntnisses“ war bald schon wieder umstritten, besonders
bei den Lutheranern. Und doch war den evangelischen Kirchen in Deutschland
damit ein neuer Weg gewiesen, der sie zu ihrer ureigenen Sache rief
und schließlich, Jahrzehnte später, die Trennungen der Reformationszeit
überwand.

Wir sollten uns noch mal vor Augen führen,
wie es dazu kam:

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler
und machte sich sofort daran, alle Bereiche des gesellschaftlichen
Lebens mit seiner Ideologie der „Volksgemeinschaft“ zu durchdringen.
Alle noch unabhängigen Organisationen sollten mit Staat und Partei
„gleichgeschaltet“ und straff nach dem „Führerprinzip“ organisiert
werden. In den evangelischen Kirchen schien Hitler damit leichtes
Spiel zu haben, denn die meisten ihrer Pfarrer und führenden Persönlichkeiten
waren stramm national und hatten die so genannte „Machtergreifung“
ausdrücklich begrüßt. Sie hielten es von sich aus für das Gebot
der Stunde, die Zersplitterung des deutschen Protestantismus zu
überwinden und eine einheitliche „Reichskirche“ zu schaffen, mit
einem lutherischen „Reichsbischof“ an der Spitze.

Diese Chance zur Gleichschaltung der evangelischen
Kirchen ergriffen die Nazis mit Hilfe der so genannten „Deutschen
Christen“. Die hielten Christentum und Nationalsozialismus für bestens
miteinander vereinbar und betrachteten Adolf Hitler als Werkzeug
Gottes zur Rettung des deutschen Volkes. Bei den ersten deutschlandweiten
Kirchenwahlen im Juli 1933 wurden sie von der NS-Propaganda massiv
unterstützt und errangen so 75 % der Sitze in den Presbyterien und
Synoden. Mit dieser überwältigenden Mehrheit wählten sie Hitlers
„Bevollmächtigten in Kirchenfragen“, den Königsberger Wehrkreispfarrer
Ludwig Müller zum Reichsbischof. Der machte sich sogleich rücksichts-
und charakterlos an das Werk der „Gleichschaltung“: Handstreichartig
wurden Landeskirchen unter deutschchristlicher Führung in die Reichskirche
eingegliedert, die evangelische Jugendarbeit wurde der HJ zum Fraß
vorgeworfen, und Pfarrer jüdischer Herkunft wurden schikaniert und
aus dem Dienst entfernt. Selbst von den radikalsten Äußerungen seiner
Leute, die die Abschaffung des Alten Testaments und die Predigt
eines „arischen Christus“ forderten, distanzierte sich Müller höchstens
halbherzig.

Das ging nun aber vielen zu weit – selbst
solchen, die politisch gegen das Nazi-Regime nichts einzuwenden
hatten. In der Kirche der altpreußischen Union, deren offizielle
Organe fest in der Hand der „Deutschen Christen“ waren, bildeten
sich freie Synoden, die ungeschmälert an Schrift und Bekenntnis
als Grundlage der Kirche festhalten wollten. Gemeinsam mit den noch
nicht gleichgeschalteten süddeutschen Landeskirchen erhoben sie
den Anspruch, die wahre „Deutsche Evangelische Kirche“ zu sein.
Um diesem Anspruch eine solide theologische und juristische Grundlage
zu verleihen, berief man für den 29. Mai eine Reichs-Bekenntnissynode
nach Barmen ein. 139 Delegierte aus fast allen deutschen Landeskirchen
kamen dort zusammen, darunter immerhin 55 Nichttheologen, allerdings
nur eine einzige Frau. Der Text der „Theologischen Erklärung“ stammte
hauptsächlich von dem reformierten Theologen Karl Barth, war aber
sorgfältig mit den beiden Lutheranern Hans Asmussen und Thomas Breit
abgestimmt. Trotzdem wurde auf der Synode noch viel darüber diskutiert
und am Wortlaut gefeilt. Am Ende nahmen die Delegierten die Erklärung
aber einstimmig an.

Es ging ihnen dabei ausdrücklich um eine innerkirchliche
Auseinandersetzung und nicht um politischen Widerstand. Auch die
Gestapo sah es so und ließ die Synode deshalb gewähren. Mancher
hätte sich auch schon damals und im Rückblick erst recht deutlichere
Worte gegen die Judenverfolgung gewünscht (nur das Problem der „nichtarischen“
Pfarrer tauchte mal am Rande auf). Aber immerhin war es eine klare
und deutliche Absage an die Deutschen Christen und dadurch auch
eine Absage an den totalitären Staat. „Wir verwerfen die falsche
Lehre“, heißt es in der 5. These, „als solle und könne der Staat
über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung
menschlichen Lebens werden“. Christ und zugleich überzeugter Nazi
zu sein, das ging auf der Basis der Barmer Erklärung nicht mehr.

Nun kann man sich freilich fragen, was uns
das alles noch angeht. Die Hitlerei ist längst zu Ende und die „Deutschen
Christen“ sind zu Recht in der Versenkung verschwunden. Trotzdem
gehören die Barmer Thesen immer noch zu den Bekenntnisgrundlagen
der meisten evangelischen Landeskirchen, und das ist gut. Denn so,
wie sie formuliert sind, in enger Anlehnung an Worte der Bibel,
weisen sie über die konkrete Situation von damals hinaus und können
auch für uns wichtige Orientierung bieten. An ein paar Beispielen
möchte ich das noch kurz erläutern.

„Jesus Christus, wie er uns in der heiligen
Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören,
dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“
So lautet die grundlegende erste Barmer These unter Berufung auf
Johannes 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand
kommt zum Vater denn durch mich.“ Und sie fügt hinzu: „Wir verwerfen
die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer
Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch
andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes
Offenbarung anerkennen.“

Hochaktuell ist die Frage, was das eigentlich
für unseren Dialog mit anderen Religionen bedeutet. Um es vorweg
zu sagen: Ich halte es für dringend notwendig, dass wir diesen Dialog
führen – friedlich, gleichberechtigt und offen für das, was wir
über andere und von anderen lernen können. Aber wir sollten dabei
nicht hinter dem Berg halten, wo das Herz unseres christlichen Glaubens
schlägt, was und wer für uns die Wahrheit und das Leben ist. Natürlich
werden Juden oder Muslime daran Kritik üben – sonst müssten sie
ja Christen werden – , aber wenn wir uns ihnen gegenüber nicht klar
und deutlich zu Jesus Christus als dem einen Wort Gottes bekennen,
wie sollen sie uns dann ernst nehmen und wissen, wofür wir stehen?

Ein anderes Beispiel: „Die christliche Kirche“,
so lautet die dritte These, „ist die Gemeinde von Brüdern („Geschwistern“,
würden wir heute sagen), in der Jesus Christus in Wort und Sakrament
durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat
mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie
mit ihrer Ordnung … zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist.
… Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt
ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel
der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen
überlassen.“

Niemand wird heute noch eine evangelische
Kirche nach dem „Führerprinzip“ organisieren wollen. Aber trotzdem
stehen wir immer wieder in der Gefahr, die Form der Verkündigung
oder der Kirchenordnung als bloße Verpackung zu sehen und sie unbedacht
dem jeweiligen Zeitgeist anzupassen. Wir leben in einer Zeit, in
der die Wirtschaft das Maß aller Dinge ist? Dann muss auch die Kirche
mit Management-Methoden auf Vordermann gebracht werden. Wir leben
in einer Spaß- und Erlebnisgesellschaft? Dann muss auch Kirche „Event-Charakter“
haben, um für den besonderen Kick zu sorgen. Wir leben in einer
Zeit des Individualismus, in der sich verbindliche Gemeinschaften
immer mehr auflösen und wo auch der Glaube zu einer diffusen Privatsache
verkümmert? Dann darf auch die Kirche keinem mehr zu nahe treten
mit unbequemen Ansprüchen und Forderungen. Sonst treten die Leute
womöglich aus, und uns fehlt die Kirchensteuer – da liegen unsere
Gleichschaltungs-Gefahren!

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich
bin froh über die Vielfalt unserer Kirche und will aus ihr keine
„Christliche Versammlung“ machen, bei der alles streng nach dem
Wortlaut (nicht unbedingt nach dem Geist) der Bibel reguliert ist.
Aber wenn wir immer nur kopf- und geistlos dem Zeitgeist hinterher
hecheln, sind wir nur noch peinlich. Eine Kirche, die den Leuten
nach dem Mund redet und ihnen keinerlei (Denk)Anstoß mehr bietet,
ist wird nicht mehr gebraucht. Abgesehen davon ist es ja noch nicht
mal das, was die Leute von uns wollen. Sie wollen wissen, wofür
wir stehen, sie suchen Orientierung, sie wollen, dass wir klare
Positionen beziehen, und sei es, um sich darüber ärgern zu können.
Mit dem ganzen Reichtum der biblischen Überlieferung hätten wir
ihnen dabei eine Menge zu bieten. Wir sollten es ihnen nicht vorenthalten.

Und noch ein letztes Beispiel: „Die Schrift
sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat,
in der noch nicht erlösten Welt … nach dem Maß menschlicher Einsicht
und menschlichen Vermögens … für Recht und Frieden zu sorgen. Die
Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser
seiner Anordnungen an. Sie erinnert an Gottes Reich, Gottes Gebot
und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden
und Regierten.“ Das sagt die fünfte Barmer These angesichts einer
Diktatur, deren totalitärer, menschenverachtender Charakter schon
erkennbar war. Ob man damals mehr und anderes hätte sagen müssen,
darüber kann man streiten. Nicht bestreiten kann man, dass wir heute
viel mehr Grund haben, so zu reden. Wir leben in einem freien und
friedlichen Land mit einer demokratischen Verfassung und einer verlässlichen
Rechtsordnung. Wo wir trotzdem etwas zu kritisieren haben, dürfen
wir das tun, ohne um Leib und Leben fürchten zu müssen. Und wenn
wir etwas verändern wollen, haben wir viele Möglichkeiten, uns dafür
einzusetzen. Beste Bedingungen also, um als evangelische Kirche
die Regierenden an Gottes Gebot zu erinnern. Dann, so finde ich,
sollten wir das aber nicht nur den Hubers oder Käßmanns überlassen,
die das ja im Großen und Ganzen ordentlich machen, sondern auch
selber in Wort und Tat Stellung beziehen, wo es nötig ist. Kein
Christ muss zum Beispiel sonntags einkaufen. Keiner muss mit umweltbewusstem
Handeln warten, bis es entsprechende Gesetze und Vorschriften gibt.
Keiner muss Produkte kaufen, die von indischen Kindern oder südamerikanischen
Bauern für Hungerlöhne hergestellt wurden. Und wir müssen auch nicht
in das billige Genörgel über „die da oben“ einstimmen, wenn wir
selbst nicht bereit sind, es besser zu machen.

Wir merken schon: Das, was die Barmer Theologische
Erklärung von der Bibel her zu sagen hat, ist auch nach 75 Jahren
nicht überholt. Wir dürfen getrost annehmen, dass der Heilige Geist
am Werk war, als 139 sehr verschieden geprägte evangelische Christen
sich darüber einig wurden und sie einstimmig verabschiedeten – fast
so ein Sprachenwunder wie zu Pfingsten in Jerusalem. Möge der frische
Geisteswind von damals auch zu uns herüberwehen und uns dorthin
treiben, wo Menschen unser Bekenntnis brauchen – in Wort und Tat.

Amen.