Nachruf Pfr. Matthias Hohmann

Nachruf auf Pfarrer Matthias
Hohmann (+ 25.6. 2009)

In
der letzten Ausgabe von „Gemeinde jetzt“ stand im Gottesdienstplan
für den 30.8. in der Talkirche noch Pfarrer Matthias Hohmann. Bei
Redaktionsschluss konnten wir nicht ahnen, dass Pfarrer Hohmann
diesen Gottesdienst nicht mehr würde halten können: Am 25. Juni
ist er an den Folgen eines schweren Herzinfarkts gestorben, den
er eine Woche zuvor erlitten hatte. Er wäre am 13. September fünfzig
Jahre alt geworden.

Als Gemeinde verlieren
wir mit Matthias Hohmann einen engagierten Prediger, einen klugen
und offenen Gesprächspartner und einen sympathischen Menschen und
Mitchristen. Seit er im Jahr 2003 aus seiner Gemeindepfarrstelle
in Dreis-Tiefenbach als Religionslehrer ans Berufskolleg wechselte
und mit seiner Familie nach Geisweid in die Sohlbacher Straße übersiedelte,
war er unserem Presbyterium zugeordnet. Und diese Zuordnung nahm
er auch ernst. In dem Rahmen, der ihm zeitlich und gesundheitlich
möglich war, nahm er als beratendes Mitglied an den Presbyteriumssitzungen
teil und hatte dann immer Bedenkenswertes und Weiterführendes zu
sagen. Zeitweise arbeitete er, der selber ausgebildeter Organist
war, auch am Orgelprojekt in der Talkirche mit. Vor allem war es
ihm aber wichtig, seinen Predigtauftrag in unserer Gemeinde wahrzunehmen
Er predigte gern und theologisch fundiert und sagte selten nein,
wenn wir ihn um einen Dienst gebeten haben.

Wir haben also
allen Grund, Matthias Hohmann zu vermissen und ihn in dankbarer
Erinnerung zu behalten. Aber sehr viel mehr wird er natürlich seiner
Frau und seinen beiden Töchtern fehlen. Wir trauern mit ihnen und
wünschen ihnen Gottes Trost und Beistand.

Predigt vom 19.7.2009

GOTTESDIENST FÜR DEN SECHSTEN
SONNTAG NACH TRINITATIS

Tal- und Wenschtkirche, 19.7.
2009
Pfr. Dr. Martin Klein
Text: Mt 28,16-20

In den Kirchen
hierzulande, bekanntlich auch in unserer Gemeinde, ist vieles in
Bewegung geraten: weniger Menschen, weniger Geld, weniger Verbundenheit
mit der Tradition – darauf muss reagiert werden. Vielen ist inzwischen
klar, dass wir nicht einfach mit ein paar Pfarrern und ein paar
Gemeindehäusern weniger so weiter machen können wie bisher. Wir
müssen uns vielmehr grundsätzliche Gedanken darüber machen, was
eigentlich unser Auftrag ist und wie wir ihn hier und heute am besten
umsetzen. Denn einfach von allem etwas und immer noch ein bisschen
mehr zu machen, das ging früher mal, aber das ist vorbei. Wir müssen
nicht nur überlegen, was wir tun, sondern auch, was wir lassen.

Aber genau an
dem Punkt geht der Streit los. Die einen sagen: „Die Aufgabe der
Kirche ist die Verkündigung des Wortes Gottes. Und wenn man das
unseren Kindergärten, unseren Schulen, unseren Krankenhäusern zu
wenig anmerkt, dann lasst uns doch darauf verzichten!“ Die anderen
sagen: „Jesus hat uns zur Nächstenliebe aufgefordert. Also müssen
wir so nah wie möglich bei den Menschen und ihren Nöten sein. Dazu
brauchen wir keine teuren Orgeln und keine schlecht genutzten Gemeindehäuser
und auch nicht so viele Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen
für immer dieselben paar Leute.“ Unsere Gemeinde hat schon manche
solche Debatte hinter sich, andere haben sie noch vor sich. Patentlösungen,
mit denen alle zufrieden sind, scheint es da nicht zu geben.

Kann die Bibel
daran etwas ändern? Kann sie zur Klärung beitragen, uns aus fruchtlosen
Entweder-oder-Debatten befreien? Ich denke ja. Denn alt und vielstimmig
wie sie ist, liefert sie uns zwar keine fertigen Rezepte, aber sie
ist und bleibt unsere gemeinsame Basis. Und gerade weil sie so weit
weg ist von unseren Tagegeschäften, kann sie uns helfen, über den
täglichen Kram hinauszuschauen und das Wesentliche zu entdecken.
Daraus Schlüsse für hier und heute zu ziehen, das ist dann wieder
unsere Sache. Der heutige Predigttext, die letzten fünf Verse des
Matthäusevangeliums, sind dafür ein gutes Beispiel:

 

Aber die elf
Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden
hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige
aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: „Mir
ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und
macht zu Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters
und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie halten alles,
was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage
bis an der Welt Ende.“

 

Wir werden uns
schnell einigen können, dass dies eine der Kernstellen ist, wenn
es um den Auftrag der Kirche geht. Kaum irgendwo sonst in der Bibel
ist er so bündig und wirkmächtig formuliert wie hier. Jedenfalls
wenn man davon ausgeht, dass hier wirklich die ganze Kirche zu allen
Zeiten angesprochen ist und nicht nur die elf Jünger von damals.
So hat man es nämlich lange Zeit ausgelegt und dann den Text für
die eigene Gegenwart nicht so wichtig genommen. Erst als christliche
Missionare wirklich in alle Welt zogen, im 19. Jahrhundert, hat
man ihm die grundlegende Bedeutung zuerkannt, die er schon immer
hatte. Aber, und das ist paradox, gerade das hat dem Text nicht
gut getan. Man hat ihn „Missionsbefehl“ genannt und ihm damit ein
plakatives, aber irreführendes Etikett verpasst. Man hat ihn ehrfürchtig
auf einen Sockel gehoben und gesagt: „Jawohl, das ist es. Das ist
der Auftrag der Kirche.“ Dann hat man wieder nicht mehr so genau
hingeschaut. Befehl ist Befehl, hat man auch beim „Missionsbefehl“
gedacht, und Befehle müssen befolgt werden, mit allen Mitteln, die
zur Verfügung stehen. Die Folgen sind bekannt: In der Weltmission
wurde oft die Verkündigung des Evangeliums mit der Umerziehung zur
angeblich überlegenen europäischen Kultur verwechselt. Letztere
wurde widerspenstigen „Eingeborenen“ dann notfalls mit Gewalt aufgedrückt.
Und bei Missionsveranstaltungen hierzulande ist manche so genannte
„Bekehrung“ auch nur durch psychologischen Druck und nicht durch
den heiligen Geist zustande gekommen. Kein Wunder, dass lange Zeit
kaum noch jemand von Mission reden mochte, auch innerhalb der Kirche
nicht. Erst in den letzten zehn, fünfzehn Jahren hat sich das wieder
geändert. Eine wachsende Zahl von Menschen in unserem Land gehört
gar keiner Glaubensgemeinschaft mehr an. Das hat uns daran erinnert,
dass es zum Wesen der Kirche gehört, missionarisch zu sein. Und
es wurde uns bewusst, dass wir in Sachen Mission zu schnell das
Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben. Es ist also Zeit, den so
genannten „Missionsbefehl“ von seinem letztens etwas eingestaubten
Sockel herunterzuholen und noch mal genauer nachzufragen, was denn
da wirklich steht, und was es für uns heute bedeuten könnte. An
einigen ausgewählten Punkten möchte ich das jetzt tun.

Wenn ich den Text
lese, dann bleibe ich zuerst an einem kurzen Halbsatz hängen: „einige
aber zweifelten“ (V.17b). Das passt nicht ins gewohnte Bild. Befehlsempfänger
haben keine Zweifel – die gehorchen einfach und fragen nicht nach.
Aber die Jünger, die Jesus hier in alle Welt schickt, die haben
Zweifel: „Ist er das wirklich, der auferstandene Christus, oder
bilden wir uns das nur ein? Wie soll das zugehen – wir elf in alle
Welt? Sind wir überhaupt die Richtigen dafür?“ So, kann ich mir
vorstellen, haben sie gedacht. Und ich lerne daraus: Gott braucht
keine Helden für seinen Dienst an der Welt. Es dürfen und sollen
durchaus Menschen sein wie du und ich: Menschen, denen das Glauben
manchmal schwer fällt. Menschen, die sich ab und zu fragen, ob es
noch einen Sinn hat, in der Kirche zu bleiben oder sich gar für
sie einzusetzen. Menschen, die die Wahrheit nicht für sich gepachtet
haben, sondern gemeinsam mit anderen nach ihr fragen. Es sind solche
Menschen, denen, die schönen und kraftvollen Worte gelten, die dann
kommen. Das ist das Erste, und wir sollten es nicht vergessen.

Das zweite, woran
ich hängen bleibe, ist das Wort „zu Jüngern machen“. Ein ungewöhnlicher
Ausdruck, schon in der Bibel. Weil wir den Text so gut kennen, überhören
wir das meistens. Aber was ist denn das Besondere an dem Ausdruck
„Jünger“ – etwa im Vergleich mit „Christen“, „Gläubige“ oder „Kirchenmitglieder“?
Um das herauszubekommen müssten wir eigentlich das ganze Matthäus-Evangelium
noch einmal lesen. Wir müssten nachforschen, wie das Jünger-Sein
dort geschildert wird. Dann würden wir Folgendes feststellen:

Erstens: Jüngerinnen
und Jünger, das sind Menschen, die Jesus zu sich gerufen hat – nicht,
weil sie dafür besonders qualifiziert sind, sondern weil er sie
lieb hat und weil er mit ihnen zusammen sein möchte. Nichts anderes
wird uns in der Taufe zugesprochen: „Ich habe dich bei deinem Namen
gerufen, du bist mein.“ (Jes 43,1)

Zweitens: Jüngerinnen
und Jünger, das sind Menschen, die Jesus nachfolgen, die ihm zuhören
und etwas von ihm lernen möchten. Darin steckt das Entscheidende:
Jüngerinnen und Jünger sind keine fertigen Leute. Das griechische
Wort für sie heißt eigentlich „Schüler“. Und diejenigen, die andere
zu Jüngern machen, sind ja selbst Jünger Jesu. Dann sind sie aber
auch nicht die, die alles wissen und es den anderen nur eintrichtern
müssen. „Zu Jüngern machen“ heißt vielmehr: mit anderen zusammen
auf Jesus hören, mit ihnen gemeinsam immer neu danach fragen, was
er uns zu sagen hat. Deshalb heißt es ja auch nicht: „lehrt sie
alles halten, was ihr über mich wisst“, sondern: „was ich euch befohlen
habe“. Auch dazu müsste man jetzt wieder das ganze Evangelium lesen.
Man müsste zum Beispiel die Bergpredigt noch einmal neu durchbuchstabieren.
Ich denke, dass darin auch für unsere heutige Situation in Kirche
und Gesellschaft viel Stoff zum Nachdenken steckt.

Und drittens:
Jüngerinnen und Jünger sind Leute, die nun selber von Jesus losgeschickt
werden: hin zu den Menschen, denen seine Liebe gilt. Taufen sollen
sie, taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes. Sie sollen den Menschen damit zeichenhaft deutlich machen,
dass sie zu Gott gehören, und zwar zu Gott, wie er sich in Jesus
Christus offenbart hat und uns durch den Heiligen Geist nahe sein
will. Alles, was sie daran hindert, dürfen sie von sich abwaschen
lassen. Und lehren sollen die Jünger durch Wort und Tat: predigen,
aber auch Kranke heilen, von Gott reden, aber auch für die Menschen
da sein. Von beidem wird die Kirche also auch mit knapperen Ressourcen
nicht lassen können – weder in der Gemeindearbeit noch in der Diakonie
noch auf irgendeinem anderen Arbeitsfeld.

Und dann ist mir
noch ein letztes an diesem Text wichtig: Was der auferstandene Jesus
über den Auftrag seiner Jünger zu sagen hat, beginnt und endet mit
einer Zusage: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden“
und: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Einer Kirche,
die das nicht vergisst, der muss um ihre Zukunft nicht bange sein.
Nur sollte sie sich Gedanken machen, wo denn in ihr etwas von diesem
„ich bin bei euch“ spürbar wird – auch für Menschen, die nicht schon
immer dazu gehören. Dazu kann sie etwas beitragen, durch die Gestaltung
ihrer Gottesdienste oder ihrer Diakonie zum Beispiel, vor allem
aber, indem sie Gottes Zusage beim Wort nimmt und immer wieder um
seine Gegenwart bittet. Wir können darauf vertrauen, dass Gott solche
Bitten nicht enttäuschen wird.

Amen.

Berichte von der Kreissynode

 

Kreissynode Siegen

Diakonie I

Diakonisches Profil in einem
ständigen Prozess weiterentwickeln

Es
ist ein langer und beschwerlicher Weg, aber es zeichnet sich ab,
dass das Miteinander von Kirche und Diakonie im Kirchenkreis Siegen
zunehmend auf einen guten Weg kommt. Auf der Diakoniesynode in Kreuztal
am 18. September 2008 wurde der Theologische Ausschuss des Kirchenkreises
Siegen beauftragt, an einer Begriffsklärung „Evangelisches Profil
diakonischer Arbeit im Kirchenkreis Siegen“ zu arbeiten. Jetzt legte
der Vorsitzende des Ausschusses Rolf Fersterra das Beratungsergebnis
auf der Kreissynode vor, die in der CVJM-Jugendbildungsstätte in
Wilgersdorf tagte.

Diakonie, so das
Papier, wurzelt in der Sendung Jesu Christi und seinem Dienst für
alle Menschen. In dieser Sendung liegt nach dem biblischen Zeugnis
der Auftrag an die Kirche begründet, den Dienst Jesu in Wort und
Tat weiterzutragen. Es ist ein unverzichtbarer Teil der „Missio
Dei“ und ein Wesensmerkmal von Kirche. Als „Diakonische Werte“ werden
Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit und insbesondere
die Option für die Armen benannt. Sie ergeben sich aus dem christlichen
Verständnis vom Menschen, vom Leben, von der Welt und von Gott,
so wie sie im alten und neuen Testament bezeugt sind. Das „Diakonische
Profil“ kommt durch die Orientierung am diakonischen Auftrag und
durch die Gestaltung der Arbeit nach den diakonischen Werten zustande.
Durch ihr Profil ist die Einrichtung erkennbar und unterscheidbar
von Einrichtungen anderer Träger. Ein solches Profil wird von der
Kreissynode eingefordert und   muss erkennbar etwas Besonderes
sein.

Herausgearbeitet
wurde in der Stellungnahme des Theologischen Ausschusses, dass der
diakonische Auftrag in unterschiedlichen Strukturen zur Geltung
kommen kann.  Aus theologischen Kriterien lässt sich nicht
zwingend eine bestimmte Struktur von Diakonie wie etwa eine Vereinsstruktur
oder die Trägerschaft durch den Kirchenkreis ableiten. Diakonisches
Profil, so der Ausschuss, muss in einem ständigen Prozess weiterentwickelt
werden und kann nicht in einer ein für allemal „richtigen“ Struktur
„eingefangen“ werden. Die Kreissynode als Gemeinschaft aller Kirchengemeinden
muss sich dauerhaft engagieren, wenn sie diakonisches Profil mitgestalten
will. Dazu bedarf es der institutionellen und strukturellen Verankerung
der Kreissynode.

Diakonisches Profil
ist kein Selbstzweck und darf seine Begründung nicht ausschließlich
in Gründen des besseren Marketings diakonischer Einrichtungen finden
oder für den Bestand oder die Sicherung von Kirche instrumentalisiert
werden. Die Begründung des Engagements der Kirche auf dem sozial-diakonischen
Markt liegt alleine darin, dass die Orientierung an diakonischen
Werten zu einer Verbesserung, Vertiefung und Ergänzung sozial-pflegerischer
und medizinischer Hilfe führt, die dem Menschen zugute kommt.

Der Theologische
Ausschuss rät dazu, „Geistlich-diakonische“ Fortbildung zu institutionalisieren
und eine „diakonische Akademie“ zu bilden. Diakonie braucht die
Gemeinde, um ihre diakonische Identität und Kultur zu bewahren.
Die Gemeinde wiederum braucht die Diakonie, um den auch an sie gerichteten
Auftrag zu erfüllen. Im Zuge der bevorstehenden Neustrukturierung
sollten möglichst viele dauerhafte Kooperationen zwischen Kirche
und Diakonie verabredet und eingerichtet werden.

 

Diakonie II

Schon viel erreicht

Superintendentin gibt Zwischenbericht
zur Neustrukturierung der Diakonie

Die
Herbstsynode am 26. November 2008 hatte den Kreissynodalvorstand
beauftragt, bis zur Sommersynode 2009 neue Diakoniestrukturen zu
entwickeln. Die Superintendentin Annette Kurschus gab auf der Kreissynode
einen Zwischenbericht über den Stand der Arbeit. Das gesteckte Zeitziel
habe man trotz intensiver Bemühungen nicht einhalten können. „Bei
den Beratungen haben wir auf Schritt und Tritt gemerkt, wie uns
die Vergangenheit mit ihren gegenseitigen Verletzungen und Missverständnissen
immer wieder einholt und zurückwirft“, so Kurschus in Anspielung
auf den Konflikt zwischen Diakonie und Kirchenkreis im Jahre 2005.
„Das bislang Erreichte mag vielleicht wenig erscheinen, es ist aber
viel.“

Entwickelt worden
seien bislang deutliche Zielvorstellungen, über die sich die Arbeitsgruppe
einig sei. So solle das operative Geschäft und einige Immobilien
des Diakonischen Werkes in die Diakonie in Südwestfalen übertragen
werden. Dies wende eine Insolvenz des Diakonischen Werkes ab, schaffe
Synergien und sichere die Dienstleistungsbereiche des Diakonischen
Werkes nachhaltig. Das Diakonische Werk könne sich dadurch auf seine
verbands-, wohlfahrts- und kirchenpolitischen Aufgaben ebenso konzentrieren
wie auf Fragen der grundsätzlichen Ausrichtung der diakonischen
Arbeit im Kirchenkreis.

Angestrebt werde,
so die Superintendentin weiter, eine vertragliche Regelung, nach
der in der Gesellschafterversammlung das Diakonische Werk und der
Krankenhausverein „mit einer Stimme sprechen“.

Die zurzeit strukturell
gegebene Majorisierung des Diakonischen Werkes durch den Krankenhausverein
soll aufgehoben werden. Auf längere Sicht sei zu prüfen, ob der
Krankenhausverein und die Mitgliederversammlung des Diakonischen
Werkes zusammengelegt werden könnten. Zudem sollen die Satzungen
bzw. der Gesellschaftervertrag so angepasst werden, dass der Kirchenkreis
– wie es im Diakoniegesetz vorgeschrieben ist – seine Leitungsaufgabe
umfänglich und angemessen wahrnehmen kann. Da die Superintendentin
nicht an allen Gremien der Diakonie selbst teilnehmen kann, soll
eine klare Vertretungsregelung geschaffen werden.

Zur Schärfung
und Stärkung des diakonischen Profils wolle die Diakonie in Südwestfalen
einen „Theologischen Direktor“ einstellen. Bei der Auswahl einer
geeigneten Person werde der Kirchenkreis maßgeblich beteiligt sein.

Arbeitskreismitglied
Pfarrer Günter Jochum kritisierte, dass seines Erachtens nicht gründlich
geprüft werde, ob die Vereinsstruktur heute noch zeitgemäß, effektiv
und notwendig sei. Er hält es für erforderlich, grundsätzlich die
Vor- und Nachteile unterschiedlicher Rechts- und Organisationsstrukturen
zu prüfen und sich nicht jetzt schon auf die Beibehaltung der Vereinsstruktur
festzulegen.

Der synodale Ausschuss
für Gemeindeaufbau, so dessen Vorsitzender Pfarrer Michael Junk,
wolle das Anliegen, Diakonie und Mission wieder zusammenzubringen,
aktiv unterstützen. Der Ausschuss hält es daher für dringend erforderlich,
dass bei der  Neukonzeption der diakonischen Arbeit im Kirchenkreis
Siegen, der diakonische und der missionarische Auftrag der Kirche
deutlicher als bisher aufeinander bezogen werden. Auf diesen Gesichtspunkt
solle bei der Besetzung der Stelle des Theologischen Direktors in
der Diakonie in Südwestfalen geachtet werden. Diakonisches und missionarisches
Engagement bedingten einander und ergäben nur gemeinsam ein glaubwürdiges
Zeugnis für das Evangelium.
 


 
Das
Tagungsbüro sorgte für eine reibungslose Synodenorganisation.
Im
Bild von links. Jan Siegismund, Synodalvikar Michael Weber und Pfr.
Volker Schubert.

 

Kirchenkreis trat Allianz
für den freien Sonntag bei

An lokalen Aktionen
wie der Demonstration für den freien Sonntag hatte sich der Kirchenkreis
Siegen bereits beteiligt. Jetzt beschloss die Synode auf Anregung
der Kirchengemeinde Weidenau, sich der bundesweiten Kampagne „Allianz
für den freien Sonntag“ anzuschließen.

Die Synode beauftragte
zudem den Ausschuss für Wirtschaft und Soziales, sich weiter mit
der Thematik zu befassen. Die Kirchengemeinden sind gebeten, eine
eigene Beteiligung an der Kampagne zu beraten.

Ziel der Kampagne
ist es, so Pfr. Martin Eerenstein, der den Antrag einbrachte, auf
die Länder und Kommunen Einfluss zu nehmen, damit möglichst keine
Ladenöffnung an Sonntagen genehmigt wird. Außerdem wird eine neue
bundesweite Regelung zur Sonntagsarbeit und Sonntagsruhe angestrebt.

 

 

Satzung für hauptamtliche
Kinder- und Jugendarbeit
im Kirchenkreis Siegen beschlossen

Referat für Jugend und Gemeindepädagogik
gebildet

Es war eine lange
Geburtsvorbereitung. Auch jetzt ist das Neugeborene  noch nicht
da. Aber man einigte sich darauf, unter welchen Bedingungen es leben
könnte. Nein, nicht mit einem richtigen menschlichen Baby beschäftigte
sich die Kreissynode Siegen jetzt in Wilgersdorf, sondern mit einer
neuen Gestaltung der hauptamtlichen kirchlichen Jugendarbeit. Im
Mai 2008 wurde nach langen Vorbereitungen der Beschluss gefasst,
die hauptamtliche Jugendarbeit im Kirchenkreis Siegen zu erhalten
und solidarisch zu finanzieren. Wie das im Einzelnen geschehen kann,
hat ein Arbeitskreis seitdem überlegt. Das Ergebnis wurde jetzt
auf der Synode beraten und erfuhr schon im Vorfeld Gegenwind. So
ganz einfach ist die Organisation von hauptamtlicher Jugendarbeit
nicht. Geht es doch um den Kirchenkreis, die Regionen, die Gemeinden
und den CVJM, um Dienst- und Fachaufsicht, um Anbindung und Verantwortung
und natürlich um Kinder- und Jugendarbeit sowie auch um die gemeindepädagogische
Arbeit. Letztere wurde auch in die Satzung mit aufgenommen.

Zwei grundsätzlich
unterschiedliche Modelle lagen der Kreissynode vor. Der kreiskirchliche
Arbeitskreis hatte eine Satzung vorbereitet, die für die kreiskirchlich
angestellten Mitarbeitenden die Dienstaufsicht, also die Zuständigkeit
für die personalrechtlichen Belange, bei der Superintendentin ansiedelt.
Die Fachaufsicht, also die Zuständigkeit für die fachliche Ausgestaltung
der Arbeit vor Ort, wird der Leitung des Referates für Jugend- und
Gemeindepädagogik zugewiesen. Verwaltungsleiter Hartmut Menzel erläuterte
den Satzungsentwurf.

Auf die Gestaltung
und Organisation ihrer Jugendarbeit will die Kirchengemeinde Deuz
auch künftig selbst stärker Einfluss nehmen und die Formen der Zusammenarbeit
in der Region in eigener Regie regeln. Insbesondere die Fachaufsicht
möchte die Kirchengemeinde Deuz nicht aus den Händen der Gemeinden
genommen sehen, in denen die Hauptamtlichen tätig sind. Sie hatte
daher einen eigenen Satzungsentwurf vorgelegt, den der  Synodale
Christoph Flache vorstellte.

Als betroffener
hauptamtlicher Jugendreferent und Interessenvertreter der Berufsgruppe
für die Synode hielt Arnd Kretzer ein Plädoyer für den Kirchenkreisentwurf,
das seine Wirkung nicht verfehlte. Er warb um Vertrauen, um Gestaltungsfreiräume,
um ein gedeihliches Miteinander und um den Mut, die neue Struktur
mit Leben zu füllen.

Die Synode ließ
sich darauf ein und beschloss den Satzungsentwurf des Kirchenkreises.
Die evangelische Kinder-, Jugend- und gemeindepädagogische Arbeit
im Kirchenkreis Siegen wird nunmehr durch den synodalen Koordinierungsausschuss
in Zusammenwirken mit regionalen Koordinierungsausschüssen begleitet,
beraten und organisiert. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zu stärken
und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den verschiedenen
Ebenen zu ermöglichen. Beabsichtigt ist dabei, die inhaltliche Arbeit
in den Regionen weitestgehend selbstständig zu gestalten. Fragen
der Dienst- und Fachaufsicht sollen in enger Abstimmung mit den
zuständigen Organen verantwortet werden.

Durch die neue
Satzung ist das alte Jugendreferat Vergangenheit. Das neue Referat
erhielt die Bezeichnung: Referat für Jugend und Gemeindepädagogik.

Ob das beschlossene
Modell in der Wirklichkeit funktioniert, wird in den nächsten Jahren
zu erproben sein. Änderungen nicht ausgeschlossen. Die Sicherung
der hauptamtlichen Jugendarbeit im Kirchenkreis Siegen ist einen
großen Schritt vorangekommen.  

 

Evangelisches Gymnasium wird
erweitert

Man
spürte förmlich das Aufatmen der Schulleiterin des Evangelischen
Gymnasiums Dorothea Woydack und ihres Stellvertreters Hartmut Abrell,
als die Kreissynode auf Vorschlag des Arbeitskreises „Baumaßnahme
Ev. Gymnasium Siegen“ beschloss, den notwendigen Erweiterungsbau
des Evangelischen Gymnasiums mit 350.000 Euro zu bezuschussen.
Seit
einiger Zeit bemüht sich die evangelische Schule in kirchlicher
Trägerschaft um einen Erweiterungsbau. Erste Planungen für einen
Mensabereich und eine Bibliothek mit Selbstlernzentrum ergaben ein
Kostenvolumen von 1,4 Mio. Euro. Schnell wurde jedoch  deutlich,
dass eine Baumaßnahme in dieser Größenordnung vom Kirchenkreis nicht
zu realisieren ist. Eine Reduzierung der Planungen, so Synodalälteste
Doris Thieme auf der Synode, sieht nun eine Mensa für 120 Schüler
und eine Bibliothek mit Selbstlernzentrum für 50 Schüler vor. 187.000
Euro hat der Förderverein der Schule mit dem Slogan „Evau baut Zukunft“
schon gesammelt. Einen Zuschuss in Höhe von 100.000 Euro gewährt
das Land NRW. Der Förderverein und die Schule müssen nun erneut
die Ärmel hochkrempeln und weitere 163.000 Euro an Spenden sammeln.
Der Synodenbeschluss gibt hierzu einen kräftigen Motivationsschub.

kp

Anmeldung zum Konfirmandenunterricht

Anmeldung zum Konfirmandenunterricht

am 30. August um 10.45 Uhr im Gemeindezentrum
Wenscht

Nach den Sommerferien beginnt der kirchliche
Unterricht für alle Jungen und Mädchen, die im Frühjahr 2011 konfirmiert
werden möchten. Angemeldet werden in der Regel die Kinder, die 12
Jahre alt sind und nach den Ferien die 7. Klasse besuchen.

Begrüßt werden die neuen Konfirmandinnen und
Konfirmanden aus allen Bezirken im Gottesdienst am Sonntag, dem
30. August, um 10.45 Uhr im Gemeindezentrum Wenscht. Bei der anschließenden
Anmeldung werden wir Eltern und Kinder über das Konzept der Konfirmandenarbeit
informieren und Absprachen für das erste Unterrichtsjahr treffen.

Falls Sie keine schriftliche Einladung erhalten
haben, melden Sie sich bitte bei Pfarrerin Almuth Schwichow (Tel.:
81325) oder im Gemeindebüro (Tel.: 83554).

Auf ein Wort…..

Packen Sie gerade
für den Urlaub? Dann machen Sie’s bestimmt wie ich: Alles, was der
Erholung dient, muss mit – alles, was Stress und Sorgen macht, bleibt
zu Hause und wird mal eine Weile vergessen. Manchmal klappt das.
Aber sehr oft geht es schief. Da macht man mit dem Stress im Urlaub
weiter, indem man von Besichtigung zu Besichtigung hetzt. Oder das
ungewohnt enge Zusammensein der Familie löst Streit aus. Oder man
strengt sich so an, sich bloß keinen Stress zu machen, dass das
auch schon wieder stressig ist. Aber selbst wenn uns das Abschalten
gelingt und der Urlaub wunderbar und harmonisch verläuft, stellen
wir beim Heimkommen fest, dass die Sorgen noch genau da liegen,
wo wir sie vor zwei, drei Wochen hinterlassen haben.

Menschen früherer
Zeiten hatten diese Probleme nicht. Die meisten von ihnen betrieben
tagaus, tagein ihr Handwerk oder ihre Landwirtschaft, ruhten sich
nach Feierabend oder am Sonntag und wären nie darauf gekommen, Urlaub
zu brauchen. Sie blieben im Lande, nährten sich redlich und betrachteten
fahrendes Volk aller Art mit großem Argwohn. Ihr Leben war anstrengender
als unseres, aber wohl trotzdem stressfreier.

Wer damals reiste,
tat es, weil er musste: Nomaden mussten Weide für ihr Vieh finden.
Fahrende Gesellen mussten Arbeit suchen. Händler reisten mit ihrer
Ware, See- und Fuhrleute transportierten sie. Soldaten wurden in
den Krieg geschickt. Und nicht nur für die war Reisen lebensgefährlich.
Man konnte verdursten oder ertrinken. Man konnte von Räubern erschlagen
werden oder an unbekannten Krankheiten sterben. Und auch Hab und
Gut waren nicht sicher – weder unterwegs noch inzwischen zu Hause.
Zwar geschehen auch heute noch schlimme Dinge auf Reisen: Busse
verunglücken, Flugzeuge stürzen ab, Touristen werden entführt oder
ausgeraubt. Aber obwohl das dann groß in der Zeitung steht, hält
es kaum einen vom Reisen ab. Es passiert wohl selten genug, um von
der Annahme auszugehen, dass es einen selber nicht treffen wird.

Trotzdem bleibt
es für alle Reisenden empfehlenswert, sich an die bekannten Worte
von Psalm 37 zu halten: „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe
auf ihn; er wird’s wohl machen.“ Denn wohin wir auch reisen – Gott
ist schon da und wir sind in seiner Hand: im Flugzeug, im Auto,
auf dem Schiff, am Strand, in den Bergen oder beim Sightseeing.
Und deshalb gibt es auch keinen Ort auf Erden, wo Gott nicht seine
Leute hat. Für mich gehört es darum auch zum Urlaub, in die Kirche
zu gehen – nicht nur zum Besichtigen, sondern auch zum Gottesdienst.
Man lernt dabei immer wieder nette und interessante Glaubensgeschwister
kennen und erfährt etwas von der Vielfalt der weltweiten Christenheit.
Auch das ist für mich ein Stück Erholung.

Noch wichtiger
ist allerdings, dass Gott auch da ist, wenn ich wieder nach Hause
komme. Dass da nicht nur die Sorgen und der Ärger auf mich warten,
sondern auch der, der sie mir tragen hilft. Ich muss mich also nicht
den ganzen Urlaub vor diesem Moment fürchten, sondern kann unverzagt
wieder an meine Arbeit gehen. Denn nicht nur der Urlaub, sondern
meine ganze Lebensreise liegt in Gottes Hand. In diesem Sinne wünsche
ich Ihnen einen guten und erholsamen Sommer – sei’s im Urlaub oder
sei’s zu Hause!

Ihr Pastor Klein