Predigt vom 26.6.2011

 

GOTTESDIENST FÜR DEN ERSTEN
SONNTAG NACH TRINITATIS

Pfr. Dr. Martin Klein
Wenschtkirche,
26.6. 2011
Text: Joh 5,39-47

Das Christentum
ist eine Buchreligion. Mit dem, was wir glauben, berufen wir uns
auf die heilige Schrift, die wir „die Bibel“ – zu Deutsch schlicht:
„das Buch“ nennen. Mit diesem Bibelbuch umgehen zu lernen, ist allerdings
gar nicht so einfach: für alle Lesemuffel sowieso, aber auch für
die wachsende Zahl von Menschen, die nur noch elektronische Medien
gewohnt sind. Und selbst für gewiefte Leseratten hat die Bibel als
gedrucktes Buch so ihre Tücken. Ich merke das immer, wenn ich mit
Konfirmanden Bibelaufschlagen übe. Besonders ein Problem scheint
dabei schier unüberwindlich zu sein: Ich sage zum Beispiel: „Schlagt
mal das Matthäus-Evangelium auf, Kapitel 5, Vers 3!“ Irgendjemand,
der es schnell gefunden hat, ruft dann noch „Seite 7“ in die Runde.
Weil alle die gleiche Bibelausgabe haben, sollte es nun eigentlich
kein Problem mehr sein, die richtige Stelle zu finden. Trotzdem
kann ich sicher sein, dass etliche die Bibel keineswegs bei Matthäus
aufschlagen, sondern im ersten Buch Mose herumblättern. Gemeinerweise
gibt es dort nämlich schon einmal eine Seite 7. In fast allen Bibelausgaben
beginnt die Seitenzählung mit dem Matthäusevangelium noch einmal
von vorn. Das ist deshalb so, weil die Bibel eben nicht ein Buch
ist, sondern zwei: Altes Testament und Neues Testament. Und zwei
Bücher unter einem Buchdeckel, das sind halt auch lesefreudige Konfis
nicht gewohnt – und nicht nur sie.

Das gibt natürlich
Anlass zu der Frage, warum das eigentlich so ist. Warum besteht
die Bibel aus zwei Büchern mit doppelter Seitenzählung, und warum
druckt man sie dann trotzdem für gewöhnlich in einem Band und nicht
in zwei? Anders gesprochen: Warum gelten uns Altes und Neues Testament
zusammen und gleichermaßen als Heilige Schrift?

Für das Neue Testament
ist die Frage leicht zu beantworten: Als Christen glauben wir an
Jesus Christus, den Sohn Gottes, und das Neue Testament enthält
die ältesten und ursprünglichsten Zeugnisse über ihn und den Glauben
an ihn. Ohne dieses Buch wüssten wir nicht aus erster Hand, wer
Jesus ist und was er für uns bedeutet. Nirgendwo sonst kommen wir
ihm so nahe.

Aber warum dann
noch das Alte Testament? Wenn wir aus dem Neuen Testament alles
Notwendige über Jesus erfahren, wozu brauchen wir dann noch ein
Buch in unserer Bibel, in dem Jesus gar nicht vorkommt? Noch dazu
eines, an dem wir vieles befremdlich finden: Es ist ursprünglich
Hebräisch geschrieben und damit in einer Sprache – und einer Denke
–, die nicht unserem Kulturkreis angehört. Es enthält Gebote und
Lebensregeln, Speisegebote zum Beispiel, deren Einhaltung uns unsinnig
vorkäme. Es handelt von Gott, aber es schreibt ihm Eigenschaften
und Handlungsweisen zu, die uns nicht zu ihm zu passen scheinen:
Wut und Eifersucht, Vernichtung von Menschenleben, Bestrafung aller
für die Vergehen einzelner und Bevorzugung eines bestimmten Volkes,
des Volkes Israel, gegenüber allen anderen. Und schließlich ist
unser Altes Testament auch noch die Heilige Schrift einer anderen
Religion, nämlich des Judentums. Kein Wunder, dass es immer wieder
Christen gegeben hat, die gemeint haben: über das Alte Testament
sind wir als Christen längst hinaus. Wir glauben an einen Gott der
Liebe, nicht der Rache, haben sie gesagt. Wir handeln nicht nach
der Maxime „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sondern nach dem Gebot
der Feindesliebe. Und wir glauben, dass Gott nicht nur für ein Volk,
sondern für alle Menschen da ist. Deshalb stehen wir auf einer höheren
Stufe der religiösen Entwicklung. Wir sollten also das Alte Testament
aus unserer Bibel streichen und es getrost den Juden überlassen.

Trotzdem haben
sich die christlichen Kirchen immer wieder dafür entschieden, dass
das Alte Testament zu unserer Bibel gehört, zuletzt die Bekenntnissynode
von Barmen 1934 gegen die so genannten „Deutschen Christen“, die
als überzeugte Nazis alles „Jüdische“ aus der Bibel streichen wollten.
Warum war ihnen allen das Alte Testament so wichtig? Das steht zum
Beispiel im heutigen Predigttext aus dem Johannesevangelium, Kapitel
5. Es ist ein Teil aus einer längeren Rede, die Jesus an die Juden
seiner Zeit richtet. Dort heißt es:

 

Ihr sucht in
der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und
sie ist’s, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen,
dass ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen; aber
ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin
gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn
ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr
annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander-der annehmt,
und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?
Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde;
es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf den ihr hofft. Wenn ihr
Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.
Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen
Worten glauben?

 

Diese Rede hat
Jesus so nie gehalten. Der Evangelist hat sie ihm in den Mund gelegt.
Er wollte damit auszudrücken, wer Jesus für ihn und seine Gemeinde
ist und was das bedeutet für die Auseinandersetzung mit den Juden,
die nicht an Jesus glauben. Dabei geht es ganz entscheidend um die
Frage, wie die Heilige Schrift zu verstehen ist. Zur damaligen Zeit,
als es das Neue Testament noch nicht gab, war die Heilige Schrift
für Juden und Christen die gleiche. Sie bestand aus den fünf Büchern
Mose, den Propheten und den übrigen Schriften, die wir jetzt „Altes
Testament“ nennen. Allerdings wurde diese Heilige Schrift schon
damals von Juden und Christen unterschiedlich gedeutet.

Für die Juden
war und ist das Herzstück der Bibel die Tora, die gute Lebensordnung,
die Gott durch Mose seinem Volk Israel gegeben hat. Die Propheten
und die übrigen Schriften legen nach jüdischem Verständnis diese
Tora aus und wenden sie an. Und wer zu Gottes Volk gehört und sich
an die Tora hält, der gewinnt das Leben.

Die Juden dagegen,
die zum Glauben an Jesus Christus kamen, verstanden ihre Bibel plötzlich
ganz anders. Sie lasen sie von vorn bis hinten als Zeugnis für Jesus
Christus. Die Verheißungen der Propheten galten ihnen als durch
Jesus erfüllt. Die Erzählungen von Gottes Handeln an Israel verstanden
sie als Urbilder seines Handelns in Jesus Christus. Und die Befolgung
der Gebote war für sie im Glauben an Jesus Christus begründet. Deshalb
kann Johannes, der Evangelist, Jesus sagen lassen: Wenn ihr Mose
glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.

Wenn das stimmt,
dann muss das Alte Testament natürlich zur christlichen Bibel gehören.
Denn wenn es von Jesus handelt, dann lässt sich ohne das Alte Testament
auch nicht voll erfassen, wer Jesus ist und was er für uns bedeutet.

Aber stimmt das
denn? Im Alten Testament steht doch nichts über Jesus. Ja, es kann
auch gar nichts über ihn drinstehen. Schließlich ist es lange vor
Jesu Geburt entstanden. Sicher, an einigen Stellen im Alten Testament
wird das Kommen eines Retters und Heilbringers verheißen. Da kann
ich natürlich sagen: damit ist Jesus gemeint. Aber beweisen kann
ich das nicht. Und ein Jude, der seine Bibel ernst nimmt, wird mir
zu Recht vorhalten, dass vieles von diesen Verheißungen doch noch
gar nicht in Erfüllung gegangen ist. Das angekündigte Friedensreich
ist noch nicht verwirklicht, und die verheißene Gerechtigkeit für
alle Menschen auch nicht. Wäre ich da als Christ nicht ziemlich
dreist und überheblich, wenn ich behaupten würde: „Ich verstehe
das Alte Testament richtig, weil ich es als Zeugnis für Jesus lese,
ihr Juden dagegen versteht es falsch?“

Genau das tut
aber das Johannes-Evangelium. Ja, es geht sogar noch weiter: „Ihr
habt Gottes Liebe nicht in euch“, heißt es da über die Juden, „ihr
erkennt Gottes Ehre nicht an, sondern nur eure eigene“ und „Mose
klagt euch an, weil ihr nicht glaubt“.

Dass der Evangelist
und seine Gemeinde so geredet haben, kann ich verstehen. Sie waren
schließlich geborene Juden. Sie mussten ihren Glauben an ihre Heilige
Schrift und den Glauben an Jesus Christus miteinander in Einklang
bringen. Deshalb mussten sie das Alte Testament auf Christus deuten.
Und dafür wurden sie von den anderen Juden verfolgt und verstoßen.
Denn die konnten diese Deutung nicht akzeptieren. Letztlich war
das Ganze damals noch kein Streit zwischen zwei verschiedenen Religionen,
sondern eine Auseinandersetzung innerhalb des Judentums, zwischen
christlichen und nichtchristlichen Juden.

Für mich heute
sieht die Sache anders aus. So wie Jesus bei Johannes kann ich nicht
mehr reden. Denn ich bin kein Judenchrist, der von seinen Landsleuten
für seinen Glauben verfolgt wird. Ich gehöre einer heidenchristlichen
Kirche an, die ihrerseits Jahrhunderte lang die Juden verfolgt und
verstoßen hat und die solche und ähnliche Sätze aus dem Neuen Testament
dazu missbraucht hat, um die Judenverfolgung zu rechtfertigen. Damit
stehe ich mit in der Geschichte der Schuld, die Generationen von
Christen den Juden gegenüber auf sich geladen haben. Erst der grauenvolle
Tiefpunkt dieser Geschichte im 20. Jahrhundert hat uns im Nachhinein
sensibel gemacht für die Gefährlichkeit solcher Aussagen.

Sollten wir dann
nicht doch darauf verzichten, das Alte Testament von Jesus Christus
her zu lesen? Jetzt nicht mehr aus Überheblichkeit gegenüber einer
angeblich überholten Religion, sondern aus Respekt vor den Juden
und ihrem Glauben? Ich denke, das können wir nicht, trotz allem.
Denn solange wir glauben, dass der Gott Israels und der Vater Jesu
Christi ein und derselbe sind, muss das Alte Testament Teil der
christlichen Bibel bleiben und deshalb auch aus christlicher Sicht
gelesen werden. Gerade wenn wir das tun, werden unsere Vorurteile
gegenüber dem Alten Testament verschwinden. Denn nicht erst Jesus
hat von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes gesprochen. Davon reden
auch schon die Tora, die Propheten oder die Psalmen. Und andererseits
redet auch das Neue Testament von Gottes Zorn und seiner Gerechtigkeit.
Nicht erst in Jesus ist Gott den Menschen nahe gekommen, sondern
er hat schon Abraham begleitet, Israel durch die Wüste geführt und
in Salomos Tempel seine Wohnung aufgeschlagen. Das Gebot der Nächstenliebe
hat nicht Jesus formuliert, sondern es steht in 3. Mose 19,18. Unverdiente
Gnade ist nicht erst Gottes Handeln in Jesus Christus, sondern schon
die Erwählung Israels. Und vom Heil für alle Völker spricht nicht
erst Paulus, sondern auch schon der zweite Jesaja. Diese Liste könnte
ich noch lange fortsetzen. Auf Schritt und Tritt begegnet uns im
Alten Testament der Vater Jesu Christi. Und deshalb legt es Zeugnis
ab für Jesus Christus: So wie Jesus uns Gott offenbart hat, so ist
er wirklich und so war er schon immer.

Ein jüdischer
Gesprächspartner würde jetzt natürlich sagen: Um das alles zu wissen,
brauche ich Jesus nicht. Das kann ich auch ohne ihn in meiner Bibel
lesen. Oder wie es ein bekannter jüdischer Philosoph formuliert
hat: „Was Christus und seine Kirche in der Welt bedeuten, darüber
sind wir einig: es kommt niemand zum Vater denn durch ihn. Es kommt
niemand zum Vater – anders aber, wenn einer nicht mehr zum Vater
zu kommen braucht, weil er schon bei ihm ist. Und dies ist nun der
Fall des Volkes Israel.“

An diesem Punkt
muss ich allerdings vom Neuen Testament her widersprechen. Für alle,
die dort reden und schreiben, ist klar, dass auch die Juden nur
durch Christus zum Vater kommen. Sie waren ja selber Juden und haben
es so erlebt. Und das wird auch dadurch nicht falsch, dass es heute
kaum noch Judenchristen gibt (einige aber sehr wohl!). So wünschenswert
es ist, dass Juden und Christen miteinander-der im Gespräch bleiben
und dass vor allem wir Christen die Juden besser verstehen lernen:
an diesem Punkt werden wir uns niemals einigen können, ohne zum
Glauben des jeweils anderen überzutreten. Wir müssen es aber auch
nicht. Denn wir warten ja von der Bibel her beide darauf, dass Gott
eines Tages die ganze Wahrheit allen sichtbar offenbaren wird. Dann
wird sich erweisen, ob es stimmt, dass Jesus Christus der Weg, die
Wahrheit und das Leben ist, und ich vertraue darauf, dass es auch
dann noch möglich ist, dass Juden und Nichtjuden dieser Wahrheit
Glauben schenken.

Amen.

 

Klimaschutzförderpreis

 

Klimaschutz zentrale Jahrhundertherausforderung

Kirchengemeinden erhalten
Klimaschutzförderpreis

Für ihre Umwelt-
und Klimaschutzaktivitäten im Zeichen des „Grünen Hahnes“ wurden
jetzt die Evangelischen Kirchengemeinden Klafeld und Kaan-Marienborn
gemeinsam mit dem geteilten zweiten Platz im Rahmen des Klimaschutzförderpreises
der Fachinnung Sanitär-Heizung-Klima im Kreis Siegen-Wittgenstein
und der Stadt Siegen im Haus der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd
ausgezeichnet. Das Preisgeld betrug jeweils 2.000 Euro. Mit dem
Geld sollen auch die Bemühungen um hohe ökologische Standards bei
den geplanten Neubauten unterstützt werden. Das Evangelische Familienzentrum
Sternenzelt und die Evangelische Kirchengemeinde Banfetal erhielten
jeweils einen sozialen/pädagogischen Sonderpreis in Höhe von 1.000
Euro für ihre Klimaschutzaktivitäten und zur Unterstützung weiterer
Projekte.

Den ersten Preis
erhielt der Verein für Soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen e.V.
und die beiden weiteren Sonderpreise die Einrichtung Kinderzuhause
in Burbach und die Gemeinschaftsgrundschule Eichen.

Die Auszeichnungen
überreichten der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft,
Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen Johannes
Remmel und der Bürgermeister der Stadt Siegen Steffen Mues.

Als eine zentrale
Jahrhundertherausforderung bezeichnete Nordrhein-Westfalens Umweltminister
Johannes Remmel den Klimaschutz. Die Erderwärmung in 40 Jahren um
2 Grad zu senken sei eine gewaltige Aufgabe. Hier seien die kleinen
und mittleren Unternehmen, die Kommunen und die Stadtwerke gefragt.
Mit dem Vorrang der erneuerbaren Energie müsse ernst gemacht werden.

Siegens Bürgermeister
Steffen Mues hob hervor, dass die Stadt in Sachen Klimaschutz anerkanntermaßen
gut aufgestellt sei. Erst kürzlich erhielt die Stadt unter dem Krönchen
die Auszeichnung Europäische Energie- und Klimaschutzkommune. Dies
mache Appetit auf mehr. Mues kündigte an, künftig über einen EnergieVerein
die Informationen und Beratung zum Thema Energetische Sanierung
zu bündeln und zu stärken.

Das Preisgeld
in Höhe von insgesamt 12.000 Euro wurde zu 90 % über den Erfolg
der Kampagne „1000 Pumpen für Siegen“ finanziert. 12 Euro jeder
in Siegen-Wittgenstein verkauften Hocheffizienzpumpe der Marke WILO
kamen dem Förderpreis zugute. Den Rest finanzierten beteiligte Fachgroßhändler
und Installationsbetriebe.

Am 1. September
2010 startete die Kampagne „1000 Pumpen für Siegen“, beworben von
der Stadt Siegen und dem Leistungsverbund der Innung Sanitär-Heizung-Klima
in Siegen-Wittgenstein. Im Zuge der Aktion sollten mindestens 1000
alte Heizungspumpen – häufig der größte „Stromfresser“ im Haushalt
– gegen moderne Hocheffizienzpumpen ausgetauscht werden. Dieses
gesetzte Ziel wurde deutlich überschritten. Insgesamt 1500 neue
Pumpen konnten im Kampagnenzeitraum eingebaut werden. Durch den
Austausch einer alten Heizungspumpe kann soviel Strom (80–90%) eingespart
werden, dass sich der Austausch schon nach zwei bis drei Jahren
rechnet.

kp

Frau Leidel
(Kgm Klafeld) mit Umweltminister Johannes Remmel
und Bürgermeister
Steffen Mues.


 

25 Jahre EFL-Siegen

 

25 Jahre EFL-Siegen

Benefiz-Theater zum Auftakt

Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche
Vorgehensweisen.

Mit einem Benefiz-Theaterstück
eröffnete die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des
Evangelischen Kirchenkreises Siegen jetzt die Veranstaltungen anlässlich
ihres 25-jährigen Bestehens. „Der Kontrabass“, ein Monolog von Patrick
Süskind über die Hassliebe zur Musik und zur unerreichbaren Sängerin
wurde aus dem Stand ein Riesenerfolg. Im Apollo-Theater Siegen schlüpfte
Jan Becker in die Rolle des verbitterten Orchestermusikers zugunsten
der EFL. Ein Teil der Einnahmen kamen der Evangelischen Beratungseinrichtung
zugute.

Solche zusätzlichen
Einnahmen benötigt die Beratungsstelle mit ihren 14 hauptamtlich
Mitarbeitenden, teils in vollen Stellen, teils in Teilzeit, dringend.
Muss sie sich doch seit 2009 zu einem großen Teil selbst finanzieren.
Mit nur noch 26.000 Euro kann der Kirchenkreis seine Einrichtung
finanzieren. Im Herbst 1986 gründete die Synode des Kirchenkreises
Siegen die EFL. Sie sah es als eine Aufgabe der Kirche, „die Menschen
auf ihrem Weg durchs Leben mit ihrer Hilfe zu begleiten.“ Über 20
Jahre lang hat der Kirchenkreis einen großen Teil der verbleibenden
Kosten von bis zu 220.000 Euro pro Jahr übernommen. 170.000 Euro
müssen nun von der Einrichtung und ihren Freunden jährlich selbst
eingeworben werden. Annette Mehlmann, Leiterin der EFL-Siegen: „Das
ist eine schwere zusätzliche Last, die auf den Mitarbeitenden und
dem Förderverein der Beratungsstelle liegt.“ 630.000 Euro gibt die
EFL pro Jahr für Gehälter, Miete, Heizung, Verwaltung oder Sachkosten
aus. 56% der Ausgaben werden durch das Land Nordrhein-Westfalen
refinanziert.

Ein besonderer
Dank Mehlmanns gilt dem Förderverein der EFL, der unter der Leitung
von Prof. Dr. Hans-Heinrich Goßmann nun verstärkt zur Finanzierung
der Beratungsstelle beiträgt. Über weitere Mitglieder freut sich
der Verein. Soll doch die Beratungsstelle auch weitere 25 Jahre
den Rat suchenden Menschen aus der Region kompetent zur Seite stehen.

Vormerken können
sich Interessierte schon den 21. September. Dann bietet um 20 Uhr
die EFL den Vortrag des Buchautoren Eckhard Schiffer an: „Warum
Huckleberry Finn nicht süchtig wurde – Gesunde Entwicklung in Kindheit
“.

Ein Festgottesdienst
zum EFL-Jubiläum mit Superintendentin Annette Kurschus findet am
22. September, 17 Uhr, statt.

kp

Schauspieler
Jan Becker inmitten der Mitarbeitenden und Unterstützer
der EFL
im Apollo-Theater Siegen.


 Prof.
Dr. Hans-Heinrich Goßmann, Annette Mehlmann und Jan
Becker freuen sich über die gelungene Benefizveranstaltung

im Apollo-Theater Siegen.


 

Freude am Ehrenamt! – ZeitPaten

 

Freude am Ehrenamt! – ZeitPaten
– mehr Zeit für Kinder!

Dank vieler engagierter
Frauen und Männer besteht das Projekt „ZeitPaten“ der Siegerländer
Frauenhilfen seit mehr als drei Jahren im Kirchenkreis Siegen.  Die
Arbeit wächst kontinuierlich.

Das Projekt wurde
für den Salzkorn Preis der EKvW vorgeschlagen. Zwei Mitglieder de
Jury informierten sich jetzt vor Ort über die wertvolle Arbeit.

Dankbar berichten
die Verantwortlichen über 25 bestehende Patenschaften, weitere 15
Kinder sind im Projekt angemeldet. Um jeweils passende Tandems zu
bilden, werden dringend ehrenamtliche Frauen und Männer gesucht,
die bereit sind, eine außergewöhnliche Freundschaft zu pflegen.

Willkommen sind
Erwachsene aller Altersgruppen, die offen und neugierig auf Heranwachsende
(2 bis 14 Jahre) zugehen und an ihrer Entwicklung teilnehmen möchten.
Kinder brauchen Menschen, die ihnen zuhören, sie ermutigen und ihnen
Anregungen geben. Etwa einmal in der Woche treffen sich die Paten
mit „ihrem“ Patenkind, um mit ihm gemeinsam Freizeit zu verbringen.
Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. In Ordnung ist alles,
was beiden Freude macht: Spielen, Sport, Basteln, Kochen, Erkundungen
in der Natur usw. . Kinder zu fördern, das Miteinander der Generationen
zu stärken, Verlässlichkeit und Vertrauen zu schenken – das ist
das Ziel von ZeitPaten.

Zeitpaten stehen
ihrer Aufgabe nicht allein gegenüber. Sie werden unterstützt durch
die Koordinatorin Marianne Müller, durch Supervision und Fortbildung.

Weitere Informationen
können telefonisch bei Marianne Müller (02737-592496) oder info@zeitpaten.de
erfragt werden.

Kontakt: Erika
Spreckelmeyer, Bezirksverband der Siegerländer Frauenhilfen e.V.
e.spreckelmeyer@siegerlaender-frauenhilfe.de

www.siegerlaender-frauenhilfe.de


Zeitpaten und
ihre Patenkinder erlebten auf Einladung der Burbacher Unternehmerin
Annette Hering einen erlebnisreichen Abenteuertag im Kletterpark
von Stift Keppel. Angeleitet von Rothaarscouts und gesichert durch
die Gruppe kletterte Groß und Klein im Seilgarten, ließ sich in
luftige Baumkronen hinaufziehen und erprobten bei Gruppenspielen
Vertrauen und Teamgeist.

ZeitPaten ist
ein Projekt der Siegerländer Frauenhilfe, bei dem Erwachsene Kindern
regelmäßig Zeit schenken, in der sie gemeinsam etwas unternehmen,
was beiden Freude macht. 25 Patenschaften bestehen zurzeit, aber
rund 15 Kinder warten noch auf einen männlichen oder weiblichen
Paten. Wer gerne seine Zeit mit Kindern verbringt, kann sich unter
www.zeitpaten.de
informieren und dort auch Kontakt aufnehmen.

 

 

Predigt vom 19.6.2011

 

 

 

GOTTESDIENST ZUR GOLDENEN
KONFIRMATION

Talkirche, 19.6. 2011
Pfr. Dr. Martin Klein
Text: Lk 17,5-6

Nun sind also fünfzig Jahre vergangen, seit Sie
hier in der Talkirche oder im Wenscht konfirmiert wurden. Im
Rückblick kommt es einem ja immer viel kürzer vor, aber trotzdem
sind fünfzig Jahre eine lange Zeit. Die Welt sah noch sehr anders
aus, als Sie damals von Pastor Biederbeck, Fricke, Flick oder
Schmidt mit Gottes Segen ins mündige Christenleben geschickt wurden.
Sie gehörten zu den ersten Jahrgängen, die nach dem Krieg geboren
wurden und aufwuchsen und von friedlichen Verhältnissen und
wachsendem Wohlstand profitieren konnten. Und sie durften damit
rechnen, dass es nach der Schule für Sie einen Ausbildungsplatz oder
zumindest Arbeit geben würde, von der man später mal eine Familie
ernähren konnte. Aber 1961, das war auch die Hochzeit des „Kalten
Krieges“: Im Frühjahr schossen die Russen den ersten Menschen in die
Erdumlaufbahn, was die Amis mächtig wurmte. Im August wurde in
Berlin die Mauer gebaut. Und im Jahr darauf hätte die Kuba-Krise
fast den dritten Weltkrieg ausgelöst. Wahrscheinlich haben diese
Dinge Sie damals noch nicht so sehr beschäftigt. Aber eine diffuse
Angst vor „den Russen“ oder „der Bombe“, die war wohl auch bei
Kindern und Jugendlichen verbreitet.
In diesen Zeiten also haben Ihre Pastoren damals zu vermitteln
versucht, was für Christen Glauben heißt und was dieser Glaube für
Sie persönlich bedeuten könnte. Sie haben dafür gern die Worte des
Heidelberger Katechismus benutzt: „Wahrer Glaube ist nicht allein
die sichere Erkenntnis, in der ich alles für wahr halte, was uns
Gott in seinem Wort offenbart hat, sondern auch ein herzliches
Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt,
dass nicht allein andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden,
ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt ist aus lauter
Gnade, allein um des Verdienstes Christi willen.“ Wie ich aus den
Unterlagen weiß, die Pastor Fricke mir freundlicherweise zur
Verfügung gestellt hat, haben jedenfalls seine Konfirmanden diese
Worte damals im Konfirmationsgottesdienst gemeinsam gesprochen, und
auswendig lernen mussten Sie die „Frage 21“ sicher alle. Aber ob Sie
auch verstanden haben, worum es geht in diesem komplizierten Satz
mit seinen vielen gewichtigen Wörtern? Ob Sie mit dem Glauben, wie
er dort beschrieben wird, etwas anfangen konnten? Ob er Ihnen ein
Halt war beim Erwachseneren und in all der Zeit, die seitdem
vergangen ist? Das können Sie nur selber wissen und beurteilen. Aber
ich denke, schon damals war es für Vierzehnjährige schwer, eine so
dicht gedrängte Definition des Glaubens zu erfassen. Und heute
versuchen wir erst gar nicht mehr, unsere Konfis einen solchen Satz
auswendig lernen zu lassen. Denn was hülfe es einem Menschen, wenn
er den ganzen Katechismus und das halbe Gesangbuch auswendig wüsste
und könnte kein Wort davon wirklich mit Leben füllen? Er würde ja
doch alles wieder vergessen und wäre dem Glauben keinen Schritt
näher gekommen.
Wenn ich also heute noch einmal nach dem Glauben frage und gemeinsam
mit Ihnen darüber nachdenken will, welchen Platz er in Ihrem Leben
einnimmt, dann knüpfe ich lieber an die schlichten und doch nicht
weniger gehaltvollen Worte Jesu an, über die Pastor Fricke damals
gepredigt hat. Sie stehen in Lukas 17, Verse 5 und 6:

Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: „Stärke uns den Glauben!“
Der Herr aber sprach: „Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein
Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich
aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.“

Ich denke, wir stehen nicht in der Gefahr, Jesus allzu wörtlich zu
nehmen. Wozu sollte man auch einen Maulbeerbaum ins Meer versetzen –
oder einen Berg, wie es bei Matthäus heißt? Im übertragenen Sinne
allerdings trauen auch wir einem starken Glauben viel zu. „Glaube
versetzt Berge“ – in dieser Form haben wir das Jesus-Wort zum
Sprichwort gemacht. Und Menschen, die mit ihrem Glauben viel bewegen
oder um ihres Glaubens willen vieles auf sich nehmen, die haben
unsere Bewunderung sicher. Martin Luther, Albert Schweitzer,
Dietrich Bonhoeffer, Mutter Teresa – sie alle sind dafür bekannt,
dass sie ihre christliche Überzeugung mit aller Konsequenz in die
Tat umgesetzt zu haben, dass sie bereit waren, für ihren Glauben
auch Nachteile in Kauf zu nehmen, bis hin zum Verlust des eigenen
Lebens.
Aber wenn wir sie bewundern und verehren, dann ist das wohl auch
immer mit dem Eingeständnis verbunden: Solch einen Glauben habe ich
nicht! Ich könnte das nicht, allein vor Kaiser und Fürsten hintreten
und sagen: „Hier stehe ich und kann nicht anders!“ Ich brächte es
nicht über mich, Heimat und Besitz aufzugeben, um irgendwo in Afrika
ein Krankenhaus aufzumachen oder mich in Kalkutta um die Ärmsten der
Armen zu kümmern. Ich würde den Mut nicht aufbringen, im Namen Jesu
Widerstand zu leisten gegen Diktatur und Gewaltherrschaft. Wohl aber
würde ich das alles gern können, wenn’s drauf ankommt. Und deshalb
ist es wohl unser aller Wunsch, den die Apostel dem Herrn vortragen:
„Stärke unseren Glauben!“ Verleih uns solchen Glauben, der wirklich
etwas bewegt in dieser Welt und der jedem Druck standhält!
Ich wiederhole noch mal Jesu Erwiderung auf die Bitte der Apostel:
„Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr
zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins
Meer!, und er würde euch gehorchen.“ Ist das überhaupt eine Antwort?
Und wenn ja, was will Jesus damit eigentlich sagen? Das winzige
Senfkorn war damals sprichwörtlich für die kleinstmögliche Menge –
soviel ist klar. Also besagen Jesu Worte, positiv formuliert: Schon
das kleinste bisschen Glauben reicht aus, um damit schlicht-weg
alles zu bewegen. Aber Jesus formuliert es ja anders: „Wenn ihr
Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn …“ So steht es in der
Lutherbibel, und so wird es auch meistens verstanden. Das wäre dann
aber eine komplette Abfuhr: „Ihr wollt, dass ich euren Glauben
stärke? Völlig falsche Frage! Denn wenn ihr auch nur die winzigste
Kleinigkeit an Glauben hättet, dann hätte er gar keine Stärkung
nötig. Da ihr aber keinen habt, gibt’s da auch nichts zu stärken!“
Also: Glaube versetzt entweder Berge oder er ist gar nicht da. Das
wären dann allerdings finstere Aussichten für uns
Otto-Normalchristen in Geisweid und anderswo.
Zum Glück muss man den Satz aber wohl anders lesen. Denn wörtlich
steht da: „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann hättet ihr
zu diesem Maulbeerbaum sagen können: Entwurzele dich und pflanz dich
ins Meer, und er hätte euch gehorcht.“ So klingt das schon anders.
Denn so ist das mit dem Baum zwar ein irreales Bei-spiel – macht ja,
wie gesagt, auch keinen Sinn –, aber der Senfkorn-Glaube ist eine
reale Möglichkeit. So einen Glauben kann jeder haben, und mehr
Glauben braucht keiner, denn diesem Glauben sind alle Dinge möglich.
Die Frage ist nur: Wie komme ich zu solchem Glauben? Reicht es
dafür, wenn ich christlich erzogen, getauft und konfirmiert bin und
das ganz okay finde? Kann ich mir einfach vornehmen: „So, ab jetzt
glaube ich“? Muss ich eine persönliche Entscheidung für Jesus
Christus treffen, um zum Glauben zu kommen? Ist der Glaube ein
Gefühl, das mal da und mal weg ist, das man aber auch durch
bestimmte Reize hervorrufen kann? Muss ich alle Zweifel verbannen?
Muss ich ein religiöser Typ sein, um glauben zu können? Braucht man
dazu ein bestimmtes Gen, das der eine hat und die andere nicht?
Nein, ich glaube, das alles kratzt höchstens ein bisschen an der
Außenseite. Es trifft nicht das, was christlicher Glaube wirklich
ist. Glaube ist – und jetzt bemühe ich doch noch mal den
Heidelberger Katechismus – ein herzliches Vertrauensverhältnis
zwischen mir und Gott. Glaube, das ist meine Antwort darauf, dass
Gott mich bei der Hand nimmt, mich beim Namen ruft und mir zusagt:
Du gehörst zu mir, weil ich dich lieb habe. Glaube ist, wenn mir
aufgeht, dass Gott da ist und mir seine Liebe schenkt, und mein Ja
dazu ist dann eine Selbstverständlichkeit. So wie bei einem Kind,
für das es überhaupt nicht in Frage käme, das Päckchen, das man ihm
in die Hand drückt, nicht auszupacken. Ich sage Ja zu Gott, weil er
Ja zu mir sagt. Das ist das Senfkorn. Alles andere kann und wird
daraus wachsen.
Mehr als dieses Senfkorn hat übrigens keiner, auch kein Pastor,
sei’s von heute, sei’s von damals, auch all die großen Gestalten
nicht, die ich vorhin erwähnt habe. Im Gegenteil: Je intensiver sie
ihren Glauben lebten, desto mehr wurde ihnen seine Winzigkeit
bewusst, desto stärker waren sie von Zweifeln und Anfechtungen
geplagt, desto mehr zerrann ihnen alle Gewissheit zwischen den
Fingern. Für Martin Luther blieb als letzter Nothaken oft nur noch
die Tatsache, dass er getauft war und damit zu Gott gehörte. „Dein
bin ich, o Gott!“ – mit diesen Worten schrieb auch Dietrich
Bonhoeffer gegen die Angst und die innere Leere im Tegeler Gefängnis
an. Und aus Mutter Teresas Tagebüchern weiß man inzwischen, dass sie
über die längste Zeit ihres Wirkens keinen Glauben und keine Liebe
in sich spürte. „Wofür arbeite ich?“ schrieb sie. „Wenn es keinen
Gott gibt – kann es auch keine Seele geben. – Wenn es keine Seele
gibt, dann, Jesus – bist auch Du nicht wahr.“ Sie kam sich wie eine
Lügnerin vor, die der Welt etwas vorspielt. Aber Gott blieb doch für
sie Wirklichkeit, auch wenn sie ihn als abwesend erlebte. Christus
blieb ihr Auftraggeber, obwohl sie sich von ihm verlassen fühlte.
Das war ihr Senfkorn, ihr Strohhalm, an dem sie sich festhielt und
der sie nicht aufgeben ließ. Und wer wollte bezweifeln, dass dieses
Senfkorn unheimlich viel bewegt hat?
Ob sie es damit verdient hat, heilig gesprochen zu werden, das ist
ein Problem der katholischen Kirche. Aus evangelischer Sicht kann
man nur sagen: Sie ist heilig, weil sie zu Gott gehört – so wie
alle, denen das Senfkorn des Glaubens zu teil wird. Die Zweifel, das
Gefühl, von Gott verlassen zu sein, die können daran nichts ändern –
so wenig wie bei Martin Luther oder Dietrich Bonhoeffer, so wenig
wie bei uns kleinen Glaubenslichtern hier und heute. Schließlich
starb auch Jesus mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast
du mich verlassen?“ – und ließ mit seinem Tod den Berg unserer
Schuld und Gottverlassenheit im Meer versinken! Sollte er da mit
unserem kleinen Glauben nicht große Dinge tun können?
Wenn ich Ihnen also heute etwas wünschen soll zu Ihrer Goldenen
Konfirmation, dann ist es dieses kleine Senfkorn Glaube. Vielleicht
tragen Sie es längst in sich, schon seit damals vor fünfzig Jahren
oder noch länger. Vielleicht haben Sie irgendwann später Ihr kleines
Ja zu Gottes großem Ja gesprochen. Dann freuen Sie sich weiter daran
und halten Sie Ihr Glaubenssenfkorn fest als das kostbarste
Geschenk, das Sie je bekommen haben. Haben Sie keine Angst, dass Ihr
Glaube zu schwach sein könnte für das, was das Alter an Lasten für
Leib und Seele mit sich bringen mag. Gott, der Ihnen dieses Geschenk
gemacht hat, der wird es Ihnen auch erhalten bis an Ihr Lebensende –
auch wenn Sie vielleicht zuzeiten das Gefühl beschleicht, dass sie
es verloren haben.
Vielleicht gehören Sie aber auch zu denen, die zwar manches vom
Glauben gehört und mitbekommen haben, aber doch immer auf Distanz
geblieben sind. Dann bitte ich Sie, doch einmal zu prüfen, ob sich
diese Distanz nicht an den falschen Dingen festmacht. Vielleicht
sind es schlechte Erfahrungen mit Eltern, Pastoren und anderen
Gläubigen, die Sie vom Glauben abhalten. Vielleicht sind es die
hohen Glaubenshürden, die irgendjemand vor Ihnen aufgebaut hat: „Als
Christ musst du aber dieses und jenes glauben, du musst und so und
so handeln und darfst dies und das nicht tun“. Oder es ist der
gerade im Siegerland verbreitete Irrtum, dass es letztlich an mir
hängt, ob ich glaube oder nicht – an meiner Entscheidung, an meiner
inneren Gewissheit, an meinem glaubensgemäßen Handeln. Dann lassen
Sie es sich noch mal gesagt sein: Es kommt beim Glauben auf nichts
anderes an als auf das „herzliche Vertrauen“ zwischen Gott und mir.
Da gehört nichts dazwischen, keine schlechte Erfahrung, keine
Vorschrift und keine Eigenleistung meinerseits. Und es ist niemand
anderes als Gott, der dieses Vertrauensverhältnis stiftet. Von
seiner Seite aus ist das Vertrauen längst hergestellt: begründet in
Tod und Auferstehung Jesu Christi, Ihnen persönlich zugesagt mit der
Taufe und noch mal bestätigt mit der Konfirmation. Und Sie können
jederzeit schlicht und einfach Ja dazu sagen, wann auch immer Ihnen
aufgeht, dass das wahr ist. Möge aus dem Samenkorn, das Gott dabei
in Sie hineinpflanzt, ein guter Baum, eine schöne Blume in Gottes
Garten werden, so wie wir es eben mit den Worten Paul Gerhardts
gesungen haben. Und möge der Friede Gottes, der höher ist als alle
Vernunft, unser aller Herzen und Sinne bewahren in Jesus Christus.“

Amen.