Berichte von der Kreis-Synode

„Ich wünsche mir ein neues
Bewusstsein für das Gemeinsame“

Rückblick und Ausblick der
Superintendentin vor der Kreissynode Siegen

Das zu Ende gehende
Kirchenjahr war für den Kirchenkreis Siegen nach Darstellung von
Superintendentin Annette Kurschus in ihrem Bericht vor der Kreissynode
geprägt von weit reichenden Veränderungen und schwer wiegenden Entscheidungen,
von notgedrungenen Abbrüchen und schmerzlichen Abschieden, von wagemutigen
Neuanfängen und hoffnungsvollen Aufbrüchen. Und: Auch bei uns werde
neu nach Gott gefragt.
Ein „Pfund“ des Kirchenkreises Siegen
liegt nach ihrer Einschätzung zweifellos im Bereich der gottesdienstlichen
Aktivitäten. Die tiefe theologische Überzeugung, dass der Gottesdienst
nach wie vor die Mitte des Gemeindelebens bilde, mache die Verantwortlichen
an dieser Stelle besonders erfinderisch und lasse sichtbar und spürbar
Neues wachsen. In fast allen Gemeinden würden inzwischen zusätzlich
zum traditionellen Gottesdienst am Sonntagmorgen weitere Gottesdienst-
und Andachtsformen ausprobiert, die jeweils besondere musikalische,
inhaltliche oder liturgische Akzente setzten und eine Vielzahl von
Menschen ansprächen, teilweise weit über die eigene Gemeinde hinaus.
Der
Blick auf die geringer werdenden Finanzen, so die Superintendentin,
habe inzwischen eine neue Wendung ins Konstruktive genommen. Neue
Finanzierungswege würden beschritten, fantasievolle Spendenmöglichkeiten
eröffnet und Menschen gewonnen, die ihr Geld gezielt für konkrete
Vorhaben der Gemeinde einsetzten. Das Projekt eines freiwilligen
Kirchgeldes unter dem Motto „Meine Kirche – dafür habe ich was übrig“
sei in einigen Gemeinden bereits verheißungsvoll angelaufen und
auf einem guten Weg.
Als Besorgnis erregend schildert sie, dass
es einem guten Drittel der Gemeinden nicht gelungen sei, genügend
Kandidatinnen und Kandidaten für die bevorstehenden Presbyteriumswahlen
zu finden. Presbyterien seien zunehmend mit unliebsamen Aufgaben
konfrontiert. Es müssten Gebäude geschlossen, Mitarbeitende entlassen
und Haushaltssicherungskonzepte erstellt werden. Großen Respekt
habe sie vor denen, die sich diesen Aufgaben seit Jahren stellten.
Menschen, denen ihre Gemeinde etwas bedeute, würden gebraucht.
Als
elementar und unaufgebbar zum Auftrag der Kirche gehörend bezeichnete
Kurschus, dass Kinder und Jugendliche in den Gemeinden ein Zuhause
finden könnten, wo sie willkommen seien, wo sie gefördert und angesprochen
würden, wo sie in lebendigen Kontakt gerieten mit dem christlichen
Glauben und dadurch Orientierung für ihr Leben erhielten. Dies sei
Gemeindeaufbau in seiner ursprünglichen Form. Kurschus: „Arbeit
mit Kindern kostet Zeit und Einsatz und Liebe und – Geld. Arbeit
mit Kindern und Jugendlichen braucht kompetente, gut ausgebildete
Männer und Frauen, die hauptamtlich in unseren Gemeinden tätig sind
und andere dazu ermutigen und befähigen und dabei begleiten können,
ehrenamtlich mitzuarbeiten. Ich beobachte mit Sorge, dass die Kapazitäten
ausgerechnet an dieser Stelle einzubrechen drohen.“ An dieser Stelle
sieht sie den Kirchenkreis in die Pflicht genommen, der die Kirchengemeinden
bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen habe.  
Im
Blick auf die Gesamtheit der Gemeinden wünscht sich die Superintendentin,
dass „unter uns ein neues Bewusstsein wächst für das, was unsere
gemeinsame Sache ist.“ Die Sorge für die eigene Gemeinde dürfe nicht
das einzige Motiv des Handelns sein. Die Kindergärten in evangelischer
Trägerschaft, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder die gemeindenahe
Diakonie gehörten zu den gemeinsamen Aufgaben, bei denen die entscheidende
Frage nicht laute, was die Gemeinden davon hätten, sondern „Wie
wollen wir unsern Auftrag als Kirche für die Menschen in unserer
Region evangeliumsgemäß und glaubwürdig gestalten?“
Sie hebt
hervor, die Bürgermeister und Landräte im Rahmen des Präsesbesuchs
hätten deutlich gemacht, dass sie auf das unverwechselbare Profil
der evangelischen Kindergärten aus inhaltlichen Gründen nicht verzichten
möchten. Deshalb setze der Kirchenkreis derzeit alles daran, die
Arbeit von Kindertageseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft
möglichst flächendeckend zu sichern.
Auch bezogen auf die Arbeit
der hauptamtlichen Jugendreferenten  und Gemeindepädagogen
sieht sie den Kirchenkreis in der Pflicht, diese Arbeitsfelder auf
Kirchenkreisebene anzusiedeln und sie damit zu sichern.
Die Arbeit
der Diakonie, so betonte die leitende Theologin im Kirchenkreis
Siegen, geschehe für alle Kirchengemeinden. Sie werde von den meisten
Menschen als kirchliche Arbeit wahrgenommen und geschätzt.
Die
Bildung des Krankenhausverbundes aus den drei evangelischen Krankenhäusern
und der beiden Häuser des Siegener Kreisklinikums böten die Chance,
das Miteinander als Gemeinde, Diakonie und Kirchenkreis noch einmal
gründlich zu bedenken und möglicherweise hier und da neu zu gestalten.
In den Presbyterien wünsche sie sich eine Diskussion darüber, wie
gemeindenahe Diakonie vor Ort konkret gestaltet werden könne, welche
Beratungs- und Hilfsdienste als unentbehrlich angesehen würden,
welche Aufgaben die Diakonie stellvertretend für die Gemeinden übernehmen
müsse.
Abschließend weist die Superintendentin in ihrem Synodenbericht
dankbar auf die vielen Zeichen im Kirchenkreis Siegen hin, die von
der Verantwortung in der Welt zeugten, von einem Einsatz in ökumenischer
Weite, von gesellschaftspolitischer Parteinahme für die Schwachen
und Benachteiligten, von der Sorge um Frieden und Gerechtigkeit
und von einem empfindlichen Bewusstsein für die Gefährdung der Schöpfung.


Ergebnis mit Unsicherheiten

Weg offen für Kindertageseinrichtung
auf Kirchenkreisebene

Es war eine lange
und schwere Geburt, die die Kreissynode Siegen jetzt auf ihrer Tagung
in der CVJM-Jugendbildungsstätte Wilgersdorf zu bewerkstelligen
hatte. Zu unterschiedlich waren für eine schnelle Entscheidung die
Einschätzungen der Kirchengemeinden darüber, ob die Trägerschaft
von Kindertageseinrichtungen auf Kirchenkreisebene mehr Nachteile
oder mehr Vorteile bietet. Schlussendlich wurde die Satzung für
die Ev. Kindertageseinrichtungen in der Trägerschaft des Kirchenkreises
Siegen beschlossen und der Weg für eine kreiskirchliche Trägerschaft
frei gemacht. 84 Synodale stimmten dafür, 34 dagegen. Insgesamt
zwar eine Mehrheit, aber bei 181 stimmberechtigten Synodalen wird
in dem Ergebnis die noch bestehende Unsicherheit Vieler deutlich.

Kann es der Kirchenkreis besser als die Gemeinden? Haben die
Gemeinden bei einer Kirchenkreisträgerschaft noch genügend Mitspracherecht?
Was kostet am Ende die Trägerschaft auf Kirchenkreisebene die Gemeinden?
Und, sind die fünf Gemeinden, die keine Kindertrageseinrichtungen
haben, bereit, diese Arbeit solidarisch mit zu finanzieren? Eine
große Unbekannte in der Diskussion war das neue KIBIZ (Kinderbildungsgesetz),
das zum 1. August 2008 in Kraft tritt. Ein Jahr lang sollen die
Kirchengemeinden mit den KIBIZ-Regelungen Erfahrungen sammeln, um
dann zu überlegen, ob es besser ist, die Trägerschaft der Kindertageseinrichtungen
an den Kirchenkreis abzugeben.  Niemand weiß bislang, welche
finanziellen Auswirkungen das Gesetz mit sich bringt. Daher betonte
die Superintendentin Annette Kurschus zu Beginn der Beratungen,
dass auf dieser Synode noch nicht ein Finanzierungsmodell zu beraten
sei. Ziel der Satzung sei, Kindergartenarbeit in kirchlicher Trägerschaft
zu sichern.
Pfr. Stefan König, Nikolaikirchengemeinde Siegen,
brachte die Vorlage ein. Er hoffe, dass das Ergebnis künftig für
eine gute Qualität stehe und dass es gelinge, eine Struktur zu schaffen,
die es erlaubt, einen Grundbestand an ev. Kindertageseinrichtungen
in der Fläche und in den Gemeinden zu erhalten.
Synodalassessor
Hans-Werner Schmidt machte darauf aufmerksam, dass es sich rechnen
könne, ein gemeinsames Finanzierungspaket für die Kindertageseinrichtungen
und die Jugendarbeit zu schnüren. Das könne aber erst auf der nächsten
Synode beraten werden.
Etliche Synodale sahen das neue Trägermodell
skeptisch und nicht losgelöst von der Finanzierung. Pfr. Herbert
Scheckel ist davon überzeugt, dass das Ziel durch die Gemeinden
mit weniger finanziellem Aufwand und Organisationsaufwand erreicht
werden könne. Immer größere Einheiten zu schaffen, hielt Pfr. Christoph
Meyer für die falsche Richtung. Dadurch gehe für die Gemeinden viel
verloren. So mancher Synodale hatte seine Befürchtung, dass durch
die Trägerschaft auf Kirchenkreisebene der Einfluss der Gemeinden
auf die Kindergartenarbeit zu gering werde.
Wie eng das Finanzbudget
mittlerweile bei den Gemeinden ist, machten die Kirchengemeinde
Burbach und die Erlöser-Kirchengemeinde deutlich. Die Kirchensteuerzuweisungen
für die Erlöser-Kirchengemeinde in Siegen, so Pfarrer Armin Pulfrich,
betrügen 130.000 Euro. Davon müssten 90.000 Euro für die Kindergärten
aufgegeben werden. Ohne kreiskirchliche Trägerschaft seien ihre
Kindertageseinrichtung in evangelischer Trägerschaft nicht zu halten.

Sichergestellt werden müsse allerdings, da waren sich die Synodalen
einig, dass sich die Kirche gegenüber Stadt und Kreis als ein verlässlicher
Verhandlungspartner erweist.


Verhaltene Zuversicht

Haushaltsplan 2008 beschlossen

Mit einer verhaltenen
Zuversicht beschlossen jetzt die Synodalen des Kirchenkreises Siegen
auf der Herbstsynode den kreiskirchlichen Haushaltsplan für das
kommende Jahr. Rund 14 Mio. Euro stehen dem Kirchenkreis und den
Gemeinden für die vielfältigen Aufgaben zur Verfügung. Pro Gemeindeglied
erhalten die Gemeinden im nächsten Jahr 38 Euro. Drei Euro mehr,
als noch auf der Sommersynode angekündigt. Und sie brauchen keine
Verwaltungskosten mehr abzuführen, was rechnerisch einen Wert von
1,31 Euro pro Gemeindeglied ausmacht.  Im vergangenen Jahr
erhielten die Gemeinden allerdings noch 44 Euro pro Gemeindeglied.
Friedhelm Knipp, Vorsitzender des Finanzausschusses des Kirchenkreises
Siegen, freute sich, dass in 2008 der Haushalt wieder ausgeglichen
werden konnte und auch in 2007 die 1,345 Mio. Euro Mehreinnahmen
in die vorgeschriebenen Rücklagen fließen, dank der sich zurzeit
positiv entwickelnden Kirchensteuereinnahmen. Grundsätzliche Entwarnung
konnte Knipp allerdings nicht geben. Die längerfristigen Prognosen
zeigen auf, dass die geschnürten Sparpakete geschnürt bleiben müssen.
Die
Kirchengemeinden, die so genannte Überhanggruppen in ihren Kindertageseinrichtungen
unterhalten, erhalten pro Gruppe eine Förderung von 5.000 Euro.
Das macht für die insgesamt 48 Gruppen 240.000 Euro zusätzliche
Fördermittel aus, die der Kirchenkreis zur Verfügung stellt. Ab
1.8.2008 tritt das neue KIBIZ (Kinderbildungsgesetz) in Kraft. Dann
muss die Gesamtfinanzierung der Kindertageseinrichtung neu überprüft
werden.  
Bereits für 2008 wird ein geringer Einnahmerückgang
gegenüber 2007 erwartet. Für die weiteren Jahre ab 2010 wird allein
aus demographischer Entwicklung eine Abwärtsbewegung von 1,5% jährlich
prognostiziert.
Die derzeitigen Mehreinnahmen werden im Wesentlichen
auf Landeskirchenebene für Einzahlungen in die Versorgungskasse
für die Pfarrer und Kirchenbeamte verwendet. Heute kommen in den
drei Landeskirchen in NRW (Lippe, Westfalen und Rheinland) auf 5200
aktive Theologen 4080 Versorgungsempfänger. Im Jahre 2030 werden
bei dann nur noch 1500 aktive Theologen rund 6200 Versorgungsempfänger
zu finanzieren sein.


„Auf dem Weg in die Irre ist
Rückschritt Fortschritt“

Ausschussarbeit neu organisiert

Mit großer Mehrheit
beschloss die Kreissynode eine neue Kreissatzung und eine neue Geschäftsordnung.
Damit wurde der bei Vielen unliebsamen Fachbereichssatzung ein Ende
bereitet. In ihrem Bericht war Superintendentin Annette Kurschus
bereits auf die Neuregelung eingegangen. „Auf dem Weg in die Irre
ist Rückschritt Fortschritt“, zitierte sie den österreichischen
Schriftsteller Josef Viktor Stummer. Die Fachbereichssatzung war
mit einem enormen zeitlichen, kräftemäßigen und finanziellen Aufwand
entwickelt worden. Dennoch erwies sie sich zwar nicht als ein Weg
in die Irre, aber doch als wenig tauglich im Blick auf das angestrebte
Ziel, nämlich eine Vereinfachung der Kooperation in den jeweiligen
Arbeitsbereichen sowie eine Entlastung des Kreissynodalvorstandes
und der Superintendentin herbeizuführen. Die Entscheidungswege seien
komplizierter geworden, so die Superintendentin.

Der Kreissynodalvorstand
hatte eine kleine Arbeitsgruppe eingerichtet, die eine neue Kreissatzung
und Geschäftsordnung erarbeiten sollte. Bis Mitte nächsten Jahres
hatte man das Zeitkontingent gesetzt, bis deutlich wurde, dass die
Presbyterwahlen im Februar 2008 ein sehr viel schnelleres Handeln
erforderten. Zwar gründlich, aber doch mit heißer Nadel musste das
Satzungswerk gestrickt werden.

Herausgekommen
ist eine Struktur mit Aufgabenbereichen, für die synodale Ausschüsse
zu bilden sind. Die Zuständigkeit der Ausschüsse wurde in Ansätzen
deutlich gestärkt, was zu den angestrebten Entlastungen führen kann.

In seiner Einbringungsrede
machte Rechnungsprüfer Hans-Joachim  Behm deutlich, dass noch
eine Zuständigkeitsordnung ausstehe, in der konkret die Entscheidungs-
und Beratungszuständigkeiten der Ausschüsse festzuschreiben sind.
Erst dadurch kann die angestrebte entlastende Funktionsfähigkeit
des gesamten Regelwerks herbeigeführt werden. Durch Einwirkung von
Pfarrer Günter Jochum wurde eine Regelung aufgenommen, dass der
Kreissynodalvorstand Ressorts einrichten kann, um die Kommunikation
weiter zu optimieren.

Neu ist auch,
dass die Synodalbeauftragten künftig einem Ausschuss zugeordnet
sind.


Reformierter Bund

Stärkung des Wortes in einer
bilderversoffenen Zeit

Der Generalsekretär
des Reformierten Bundes Pfarrer Jörg Schmidt erläuterte auf der
Kreissynode die Arbeit und den Nutzwert der reformierten Vereinigung
innerhalb des protestantischen Lagers. Auch im Kirchenkreis Siegen,
einem der wenigen reformiert geprägten Kirchenkreisen, überlegen
derzeit immer wieder Kirchengemeinden, aus dem Reformierten Bund
auszutreten, um die Mitgliedsbeiträge zu sparen. Dadurch wird die
reformierte Stimme schwächer. Schmidt machte deutlich, dass es nötig
sei, in einer bilderversoffenen Zeit das reformierte Gottesdienstverständnis
mit dem gebetenen, gesungenen, gelesenen und ausgelegten Wort zu
stärken. Das Nachdenken, Hören und Reflektieren des Gotteswortes
sei wichtiger den je. Dem entsprechend seien auch die reformierten
Kirchenräume gestaltet, die nur dazu da seien, das sich die Gemeinde
dort versammle. Die besondere Prägung des Reformierten mache der
Glaubensgehorsam aus, der sich auch in der Verantwortung gegenüber
Gottes Schöpfung ausdrücke.
Um das reformierte Profil zu schärfen,
und die reformierte Tradition zu verlebendigen, biete der Reformierte
Bund Tagungen für Presbyter und Theologen an. Dabei gehe es auch
um Themen wie Gemeindeverständnis, Frömmigkeitsverständnis und Gemeindeleitung.
Auf der Internetseite www.reformiert-info.de
seien Materialien für die Gemeindearbeit zur Verfügung gestellt.

Zu der Finanzierung des Reformierten Bundes merkt er an, dass
die Personalausstattung mit einem Generalsekretär und Bürokraft
auf dem absoluten Funktionsminimum liege.

Karlfried Petri


Wahlen spielten
auf der Herbstsynode des Kirchenkreises Siegen in der CVJM-Jugendbildungsstätte
in Wilgersdorf nur eine Rolle am Rande. Zum zweiten stellvertretenden
Synodalassessor wurde Pfr. Martin Eckey, Kirchengemeinde Olpe, gewählt.
Die Stelle war durch den Wechsel von Pfr. Ernst-Otto Menn zur Berliner
Stadtmission vakant.

Pfr. Martin Albrecht
vertritt den Kirchenkreis Siegen künftig in der Arbeitsgemeinschaft
Christlicher Kirchen (ACK) Südwestfalen.


Sternsinger Aktion 2008

Sternsingeraktion 2008

Sternsinger –  für die
Eine Welt

Festlich gekleidet
und mit einem Stern vorneweg sind die Sternsinger der evangelischen
und katholischen Kirchengemeinde am Samstag, 5. Januar 2008 ab ca.
11.00 Uhr wieder in den Straßen des Wenscht unterwegs.
 

Mit dem Kreidezeichen „20*C+M+B+08“ bringen
sie als die Heiligen Drei Könige den Segen „Christus segne dieses
Haus“ zu den Menschen und sammeln für Not leidende Kinder in aller
Welt.

Zum 50. Mal findet in diesem Jahr die Aktion
Dreikönigssingen statt. Das Jubiläum wird zum Anlass genommen, die
Idee „Kinder in Deutschland sammeln für die Kinder in aller Welt“
in den Mittelpunkt der Aktion zu stellen.

Wie bereits in den letzten Jahren ist der
Erlös der Sternsingeraktion für die Arbeit der Hiltruper Missionare
im Kindererholungsheim „Katilandia“ in Trujillo (Peru) bestimmt.

Möchten auch Sie von den Sternsingern besucht
werden, melden Sie sich bitte bei Frau Stötzel-Ditsche, Tel. 8 59
74 oder E-Mail stoedi@online.de.

Die Ankleidung der Sternsinger erfolgt am
Donnerstag, den 3. Januar 2008 ab 15.00 Uhr in der Krypta der kath.
Kirche, Auszählung der Sammeldosen ist am Sonntag, den 13. Januar
2008 nach dem Familiengottesdienst im Gemeindehaus.

Christiane Stötzel-Ditsche

Kirchenwahl 2008

Ein evangelisches Markenzeichen

„Aufkreuzen für
die Gemeinde“ lautet das Motto der Kirchenwahlen, die am 24. Februar
2008 in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) stattfinden.
Aufkreuzen und Ankreuzen: Alle vier Jahre stehen die Presbyterien,
die Leitungsgremien der örtlichen Kirchengemeinden, zur Wahl. Damit
eine Wahl zustande kommt, braucht es möglichst viele Kandidatinnen
und Kandidaten: Alle volljährigen Frauen und Männer, die zur Gemeinde
gehören, können sich zur Wahl stellen.

Das Presbyterium
ist verantwortlich für die Gestaltung des Gemeindelebens, kümmert
sich um Mitarbeitende und Finanzen: Es vertritt die Gemeinde im
rechtlichen Sinne, trägt also auch Verantwortung für den Haushalt
und als Arbeitgeber. Das Presbyterium bestimmt den Kurs der evangelischen
Kirche vor Ort, setzt Schwerpunkte und Akzente, trifft in bewegten
Zeiten weitreichende Entscheidungen. Vielerlei Gaben, Fähigkeiten
und Kompetenzen sind gefragt – ob Pädagogik, Kreativität und Fantasie,
Organisationsentwicklung, Bauwesen oder Finanzen.

Neu ist, dass
eine Wahlperiode ab jetzt nur noch vier statt bisher acht Jahre
dauert. Das bedeutet: Die Amtszeit der Mitglieder des Presbyteriums,
die vor acht Jahren gewählt wurden, endet 2008. Die Amtszeit der
vor vier Jahren Gewählten dauert letztmals acht Jahre.

„Presbyteriumswahlen
sind ein evangelisches Markenzeichen. Unsere Evangelische Kirche
von Westfalen wird von Presbyterien und Synoden geleitet und nicht
von Pfarrern und Bischöfen“, erklärt Präses Alfred Buß, leitender
Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen: „Die Wahlen zum
Presbyterium sind ein Kernstück der Ordnung, die sich unsere Kirche
gegeben hat. Sie baut sich von ‚unten’ her auf, von den Gemeinden.“
Gewählt wird am 24. Februar in ganz Nordrhein-Westfalen. Die Kirchenordnung
fußt auf dem ehrenamtlichen Engagement der Presbyterien.

Die Frist zur
Abgabe der Wahlvorschläge geht bis 10. November. Ein Vorschlag
muss von mindestens zehn Gemeindemitgliedern per Unterschrift unterstützt
werden.

Informationen über die Kirchenwahl
in Klafeld:
Gemeindebüro: Telefon: 0271/ 8 35 54
e-mail:
gemeindebuero@kirche-klafeld.de

Öffentliche Gemeindeversammlung
am
29. Oktober um 19.30 Uhr
im Gemeindezentrum Wenscht

Wahlvorschläge werden im Gemeindebüro,

Im Ruhrstgarten 3, 57078 Siegen
angenommen.

Allgemein zur Wahl in der EKvW:
Pressestelle im Landeskirchenamt:
Telefon 0521/594-313


Rückblick: Reformierte Konferenz

Du bist mein Gott, den ich
suche

Mit den Psalmen im Alltag
der Kirche leben

Was für einen
reichen Schatz die Psalmen der Bibel bieten, erfuhren jetzt die
Teilnehmenden der Reformierten Konferenz in der Friedenskirche in
Kreuztal-Fellinghausen. Der Trägerkreis der Reformierten Konferenz
Südwestfalen hatte zu der Tagung eingeladen, bei der Theorie und
Praxis gleichermaßen ihren Raum hatten. Prof. Dr. Thomas Naumann,
Alttestamentler an der Universität Siegen, und Kirchenmusikdirektor
Ulrich Stötzel, Kantor des Kirchenkreises Siegen, hatten sich zusammengetan,
um die biblischen Psalmen und die damit in der reformierten Tradition
verbundenen Psalmgesänge lebendig werden zu lassen im Hören und
im Singen. Der in Siegen bekannte Prof. Ingo Baldermann, Fachmann
für die biblischen Psalmen, hat sie als ein Haus bezeichnet, das
zum Wohnen einlädt. Diese Einladung überbrachten Naumann und Stötzel
gleichermaßen.

Welchen Lebensbezug
die Psalmen haben können, hat Rainer Maria Rilke für sich entdeckt:
„Ich habe die Nacht einsam hingebracht und ich habe schließlich
die Psalmen gelesen, eines der wenigen Bücher, in denen man sich
restlos unterbringt, mag man noch so zerstreut und ungeordnet und
angefochten sein.“  

Die Psalmen, so
Naumann, sind das Gebetbuch Israels. Sie werden  im Gottesdienst
und in Familien gebetetAls Gebete der jüdischen Menschen in der
Nachfolge Jesu wurden die Psalmen auch Gebete der christlichen Tradition.
. .

Man findet sie
als Anhang der Einzelausgaben des Neuen Testaments ebenso wie im
Evangelischen Gesangbuch, das auch als Gebets- und Andachtsbuch
dient. Die Psalmen lohnen so gelesen zu werden, dass sie ins Herz
dringen. Sie sind keine theologische Lehre oder amtliche Verlautbarung,
sondern spiegeln persönliche, lebendige und vielgestaltige Lebenserfahrung.
Sie sind ein einziger großer Lobpreis des Gottes Israels.

Über die Sprache
der Psalmen, von ihrer Lyrik voller Metapher und Symbole, von dem
Sinn hinter dem Sinn und der vieldeutigen Uneindeutigkeit erzählte
der Theologieprofessor beispielhaft. Durch ihre sprachliche Offenheit,
also nicht auf ein konkretes Ereignis zugespitzt, lassen sie sich
in unsere Lebenswelt ziehen.

In den 150 Psalmen
kommt die Sprache der Angst und der Gewalterfahrung ebenso zur Geltung
wie die Sprache der Dankbarkeit und des Vertrauens auf erfahrene
Gottesnähe sowie die Sprache der Freude, des Lobes und der Anbetung.
 

Prof. Naumann
drückte sich nicht vor den schweren, dunklen Teilen der Psalmen,
den Feindklagen und Rachegedanken. Sie erscheinen uns fremd, ekelhaft
und als Zumutung. Im Gesangbuch sind diese Stellen weggelassen.
Rachsucht bewirkt nichts Gutes. Was haben also solche Gedanken in
unseren Gebeten zu suchen? Solche Vergeltungswünsche muss man nicht
teilen, aber man kann versuchen, sie zu verstehen, so der Theologieprofessor.
Hier gehe es um die Lebensangst der Beter, es gehe um Leben und
Tod. Der Wunsch nach eigener Lebensenergie drücke sich in diesen
Stellen  aus. Es seien die Schrei der Opfer von Gewalt und
Ungerechtigkeit. Wer selbst Gewalt in seinem Leben erfahren habe,
könne sich in dieses Denken einfinden.


Psalmen
und Psalmgesänge in Theorie und Praxis waren das Thema der Reformierten
Konferenz Südwestfalen in dr Friedenskirche in Kreuztal Fellinghausen.
Prof. Dr. Thomas Naumann (links)
bot eine Fülle hilfreicher
und interessanter Informationen zu den Psalmen. KMD Ulrich Stötzel
(rechts) übte ausgewählte Psalmgesänge ein.

Auch einen praktischen
Tipp hat Prof. Naumann parat. Er empfiehlt den Zuhörenden den Tag
am Morgen mit Einkehr, Andacht und Besinnung zu beginnen, sich morgens
mit dem eigenen Leben in die Arme Gottes zu werfen und so in Gott
geborgen in den Tag zu gehen.

Kirchenmusikdirektor
Ulrich Stötzel zog die Theorie in die Praxis. A capella wurden Psalmen
aus dem Evangelischen Gesangbuch ebenso gesungen wie mit Klavier-
oder Orgelbegleitung. Darunter nicht nur Texte aus dem für die reformierte
Tradition typischen Genfer Psalter aus der Mitte des 16. Jahrhunderts,
sondern auch neuere Texte und Melodien. Sogar eine für die reformierte
Tradition fremd anmutende Antiphon, ein Wechselgesang, wie er in
Klöstern gepflegt wird, übte Stötzel. Der versierte Musiker wusste
in humorvoller Art zu den Tonsätzen die nötigen Hinweise zum Verständnis
zu geben. Die Psalmlieder, so erfuhren die Gemeindeglieder, Presbyter
und Pfarrer, wurden zur Zeit der Reformation einstimmig gesungen
und zunächst nicht auf der Orgel, sondern auf Blasinstrumenten begleitet.

Der Beifall der
Konferenzteilnehmenden aus den Kirchengemeinden machte deutlich,
dass Referent und Kantor die Zuhörenden erreicht hatten.

kp