Gemeindekonzeption

Konzeption der Ev.-Ref. Kirchengemeinde
Klafeld

Auf dem Weg zu einer Konzeption

Bereits seit Mitte
der 90er Jahre beschäftigt sich das Presbyterium mit der angespannten
Haushaltslage der Kirchengemeinde und damit verbunden auch mit konzeptionellen
Fragen. So setzte das Presbyterium zunächst einen Arbeitskreis „Zukunft
der Gemeinde“ ein und führte 1999 in Zusammenarbeit mit dem Amt
für Missionarische Dienste eine Gemeindeberatung durch, um ein Leitbild
zu entwickeln. Manche Schritte, die inzwischen umgesetzt worden
sind, wurden damals bereits erwogen. Jedoch fehlten dem Presbyterium
zu dem Zeitpunkt noch der Mut und die nötige Entschlossenheit, um
diese Schritte auch zu wagen. Als ausgesprochen hinderlich erwies
sich dabei das stark ausgeprägte Bezirksdenken.

Trotz einschneidender
Sparmaßnahmen und dem Versuch, das Haushaltsdefizit durch höhere
Einnahmen auszugleichen, zeichnete sich Anfang 2005 ab, dass ein
Haushaltssicherungskonzept nach Art. 67a der Verwaltungsordnung
nicht mehr zu umgehen war. Das Presbyterium beauftragte eine fünfköpfige
Steuerungsgruppe damit, ein Konzept zu erarbeiten. Bereits in ihrer
ersten Sitzung beschäftigte sich die Steuerungsgruppe mit der Frage
nach den Prioritäten der zukünftigen Gemeindearbeit und machte damit
deutlich, dass finanzielle und inhaltliche Aspekte in einem Haushaltssicherungskonzept
nicht voneinander zu trennen sind. Aus diesem Grund wurden die haupt-
und ehrenamtlich Beschäftigten sowie die leitend tätigen Ehrenamtlichen
umgehend zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen und in die Überlegungen
einbezogen.

In einem weiteren
Schritt erarbeitete die Steuerungsgruppe einen Fragebogen für eine
„Kirche von morgen“, der im Sommer 2005 über den Gemeindebrief in
alle Haushalte der Kirchengemeinde verteilt wurde. Das Ergebnis
wurde gemeinsam mit Pfarrer Jürgen Dusza ausgewertet und diente
als Grundlage für einen Studientag im November 2005, an dem neben
den Mitgliedern des Presbyteriums und der Steuerungsgruppe auch
der Gemeindepädagoge und die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung
teilnahmen. Als Schwerpunkte der zukünftigen Gemeindearbeit wurden
der Gottesdienst und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen festgelegt.

Auf dieser Grundlage
erstellte die Steuerungsgruppe in Zusammenarbeit mit der Verwaltung
des Kirchenkreises ein Haushaltssicherungskonzept, das dem Presbyterium
im Februar 2006 erstmals vorgelegt und nach eingehenden Beratungen
im Juni 2006 bei einer Enthaltung beschlossen wurde. Unmittelbar
nach der Entscheidung wurden die Mitarbeitervertretung und die haupt-
und nebenamtlich Beschäftigten über die Beschlüsse informiert und
eine Gemeindeversammlung einberufen.

Um die Umsetzung
der Beschlüsse einzuleiten, tagte das Presbyterium im August 2006
an einem Wochenende in Haus Nordhelle. Arbeitsgruppen wurden damit
beauftragt, die Weiterarbeit zu koordinieren und Konzepte für die
zukünftigen Schwerpunkte der Gemeindearbeit vorzulegen.

Seit September
2006 hat sich die Koordinierungsgruppe mit folgenden Themen beschäftigt:

  • Gottesdienst und Kindergottesdienst
  • Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Konfirmandenarbeit
  • Raumbedarf
  • Umbau Pfarrhaus an der Talkirche
  • Abwicklung Gebäude
  • Tageseinrichtungen für Kinder

Die Ausarbeitung
der inhaltlichen Konzeption wurde z.T. an die jeweiligen Fachausschüsse
des Presbyteriums und an eine neu gebildete Gottesdienstgruppe delegiert.
Bis zu seiner Erkrankung im Juni 2007 begleitete Gemeindepädagoge
Kurt Giesler die Koordinierungsgruppe als Supervisor.
 

Situationsanalyse

Für die Aufgabenkritik,
die für das Haushaltssicherungskonzept zu erstellen war, wurde bereits
eine detaillierte Situationsanalyse erarbeitet, die für die Fortschreibung
in den Haushaltsjahren 2007 und 2008 jeweils aktualisiert wurde.

Derzeit hat die
Kirchengemeinde Klafeld 7987 Gemeindeglieder. Bei Beginn der Haushaltssicherung
im Jahr 2006 waren es noch 8247. Die Tendenz ist weiter rückläufig.

Zum 01.06.2006
wurde die 1. Pfarrstelle der Kirchengemeinde Klafeld aufgehoben.
Da nach Umgliederung der Ortsteile Sohlbach und Buchen sowie der
Kölsbachgrundsiedlung, die vorher zur Kirchengemeinde Buschhütten
gehörten, die Bezirke erst zu Beginn des Jahres 2005 neu eingeteilt
worden waren, wurden die bisherigen vier Bezirke zunächst beibehalten.
Die Aufteilung in drei Pfarrbezirke trat zum 01.01.2008 in Kraft.
Die Zahl der Presbyterinnen und Presbyter wird in der neuen Wahlperiode
angeglichen und von 24 auf 18 reduziert.

Die 1. (vormals
4.) Pfarrstelle wurde nach mehrmonatiger Vakanz und vorübergehender
Versorgung durch ein Pfarrerehepaar mit Beschäftigungsauftrag im
August 2007 wieder besetzt. Die 2. Pfarrstelle ist zurzeit vakant,
da der Stelleninhaber zum 01.02.2008 in den vorgezogenen Ruhestand
gegangen ist. Das Landeskirchenamt hat die Stelle zur Wiederbesetzung
freigegeben. Das Bewerbungsverfahren wurde mit dem Wahlgottesdienst
am 01.04.2008 abgeschlossen.

Am 30.09.2007
wurden die Kirchen in Birlenbach und Setzen, das Paul-Gerhardt-Haus
in Sohlbach und das Lutherhaus in Geisweid gemäß den Beschlüssen
zur Haushaltssicherung stillgelegt. Das Gemeindezentrum Hoher Rain
war bereits im Sommer 2005 aufgegeben und an eine afrikanische Gemeinde
vermietet worden. Die Gemeinde verfügt nun noch über die Talkirche
und das Gemeindezentrum Wenscht, außerdem über einen Gemeinderaum
in der Gerberstraße. Im Pfarrhaus an der Talkirche sind durch Umbau
drei neue Räume für die Gemeindearbeit und eine Küche entstanden.
Das Gemeindebüro ist im Mai 2007 aus dem Pfarrhaus in das benachbarte
Gebäude der Ev. Gemeinschaft umgezogen.

Die Gemeinde unterhält
sechs Tageseinrichtungen für Kinder mit insgesamt 13 Gruppen. Eine
Einrichtung wurde im Einvernehmen mit der Stadt Siegen aufgrund
der demographischen Entwicklung zum 31.07.2007 geschlossen.

Die Gemeinde beschäftigt
einen Gemeindepädagogen in Vollzeit, zwei Kirchenmusikerinnen mit
zusammen 17 Stunden (2006: 5/29,8), einen Küster in Vollzeit, zwei
Küsterinnen mit insgesamt 20,05 Stunden (7/73,6), zwei Raumpflegerinnen
mit 13,25 Stunden (3/14) und zwei Verwaltungsangestellte im Gemeindebüro
mit 37,25 Stunden. In den Tageseinrichtungen für Kinder arbeiten
39 Erzieherinnen mit unterschiedlichen Stundenzahlen, fünf Erzieherinnen
für Sprachförderung, eine Heilerziehungspflegerin, eine Motopädin,
vier Hauswirtschaftskräfte mit zusammen 20,5 Stunden sowie Hauswartinnen
und Hausmeister mit insgesamt 53 Stunden (61).

Der Haushalt 2007
wies einen Fehlbetrag in Höhe von 115.315 € auf. Zuzüglich der Entnahme
aus zweckfreien Rücklagen belief sich der Fehlbetrag auf 228.715
€. Durch die Stilllegung von Kirchen und Gemeindehäusern zum 30.09.2007
wurden Bewirtschaftungskosten sowie Stellen und Personalstunden
in den Bereichen Kirchenmusik und Küsterdienst eingespart. Dadurch
wird sich der Fehlbetrag im Haushalt 2008 deutlich verringern.

Die Situationsanalyse
zeigt, dass sich die Kirchengemeinde Klafeld sowohl strukturell
als auch personell in einem tief greifenden Umbruch befindet.
 

Auftrag und Leitbild

Als Gemeinde Jesu
Christi bezeugen wir mit unserem Glauben, Leben und Handeln die
liebevolle Zuwendung Gottes zu den Menschen.
 

Leitsätze

Wir feiern lebendige Gottesdienste

  1. Wir verkündigen
    die Botschaft von der heilsamen Gnade Gottes zeitgemäß und lebensnah.
  2. Wir machen
    Menschen verschiedener Alters- und Zielgruppen Mut zum Glauben.
  3. Wir achten
    die gottesdienstlichen Traditionen der Gemeinde, suchen aber
    auch nach neuen Formen der Verkündigung.
  4. Wir schaffen
    eine Atmosphäre, die Gemeinschaft und Begegnungen fördert.
  5.  Wir
    gestalten Gottesdienste in Zusammenarbeit mit Haupt- und Ehrenamtlichen
    sowie den Gruppen und Einrichtungen der Gemeinde.

Wir machen jungen Menschen Mut zum Glauben

  1. Wir vermitteln
    Kindern und Jugendlichen biblische Inhalte lebendig und lebensnah.
  2. Wir begleiten,
    stärken und fördern Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen
    Entwicklung.
  3. Wir bieten
    Kindern und Jugendlichen Orientierung und Raum, um sich einzubringen
    mit ihren Fähigkeiten.
  4. Wir tragen
    dazu bei, dass Kinder und Jugendliche Gemeinschaft erleben.
  5. Wir integrieren
    die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit ihren vielfältigen
    Formen in den Gemeindeaufbau.
  6. Wir nutzen
    die Arbeit für generationsübergreifende Begegnungen.
  7. Wir erhalten
    die bestehenden Angebote unter veränderten Rahmenbedingungen.

Wir laden zu aktiver Mitgestaltung und
Beteiligung ein

  1. Wir informieren
    in den Gemeindenachrichten und im Internet über Angebote, Veranstaltungen
    und aktuelle Entwicklungen.
  2. Wir laden
    zu Gemeindeversammlungen ein.
  3. Wir versuchen,
    Menschen mit ihren jeweiligen Gaben für die ehrenamtliche Mitarbeit
    in der Gemeinde zu gewinnen.
  4. Wir begleiten
    Haupt- und Ehrenamtliche in ihrem Dienst.
  5. Wir unterstützen
    die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen.
  6. Wir laden
    zu Mitarbeiterversammlungen ein.

Wir nehmen gesellschaftliche Verantwortung
wahr

  1. Als Träger
    mehrerer Tageseinrichtungen für Kinder nehmen wir Verantwortung
    für Bildung und christliche Erziehung wahr.
  2. In den Tageseinrichtungen
    für Kinder fördern wir die gemeinsame Erziehung behinderter
    und nicht behinderter Kinder sowie das Zusammenleben verschiedener
    Kulturen.
  3. Wir unterstützen
    und begleiten die diakonische Arbeit in der Gemeinde und im
    Kirchenkreis.
  4. Wir fördern
    den fairen Handel.
  5. Wir unterstützen
    Maßnahmen und Aktionen zur Bewahrung der Schöpfung.

Wir begleiten die Menschen

  1. Wir begleiten
    Menschen aller Altersgruppen im persönlichen Gespräch, in Seelsorge
    und Beratung, bei Besuchen und Amtshandlungen.
  2. Wir vermitteln
    Kontakte zu den Beratungsstellen des Kirchenkreises und der
    Diakonie.

Wir fördern die weltweite Ökumene mit anderen
Kirchen

  1. Wir pflegen
    und fördern das Miteinander mit den katholischen Nachbargemeinden.
  2. Wir sind
    mit den Gemeinden und Gemeinschaften, die zur Ev. Allianz gehören,
    geschwisterlich verbunden.
  3. Wir pflegen
    partnerschaftliche Beziehungen zur Ev.-Luth. Gemeinde in Bagamoyo/Tansania.

 

Praktische Umsetzung

Seit Oktober 2007
versammelt sich die Gemeinde zum Gottesdienst in der Talkirche
und im Gemeindezentrum Wenscht. Für Gemeindeglieder aus den Ortsteilen,
in denen Kirchen und Gemeindehäuser stillgelegt wurden, wurde ein
kostenloser Bus- bzw. Taxidienst zur Talkirche eingerichtet.

In der Talkirche
wird sonntags um 9.30 Uhr ein traditioneller Gottesdienst gefeiert.
Nach dem Gottesdienst laden Presbyterinnen und Presbyter regelmäßig
zum Kirchcafé ein.

Der Kindergottesdienst
trifft sich samstags um 18 Uhr. Diese Uhrzeit, die ursprünglich
gewählt wurde, um nicht in andere Räume ausweichen zu müssen, hat
sich gut bewährt und ist darum auch nach Vorverlegung der Gottesdienstzeit
beibehalten worden.

Die Talkirche
wird für Festgottesdienste und sowohl von Gemeindechören, als auch
von weltlichen oder Schulchören gern für Konzerte genutzt. Der Neubau
der Orgel, der ausschließlich aus Spenden finanziert wird, hat begonnen
und soll im Sommer 2009 abgeschlossen sein.

Für den Gottesdienst
in der Wenschtkirche wurde mit 11 Uhr bewusst eine familienfreundliche
Anfangszeit gewählt. In regelmäßigen Abständen finden hier Familiengottesdienste
mit anschließendem Mittagessen statt.

Der Kindergottesdienst
wird parallel zum Gottesdienst gefeiert. Die Mitarbeiterinnen gestalten
den Eingangsteil und gehen dann mit den Kindern in die Gemeinderäume.

Von Oktober bis
März feiern wir am ersten Sonntag im Monat um 18 Uhr in der Wenschtkirche
einen Gottesdienst in anderer Form. Die Guten-Abend-Kirche wird
von einem Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen gestaltet und findet
bei allen Altersgruppen gute Resonanz.

In beiden Kirchen
begrüßen Presbyterinnen und Presbyter die Gottesdienstbesucher und
übernehmen den Lektorendienst. Die Chöre der Gemeinde wirken regelmäßig
in den Gottesdiensten mit. Auch die Tageseinrichtungen für Kinder,
Konfirmandengruppen oder Gemeindekreise gestalten hin und wieder
einen Gottesdienst.

In einer der beiden
Kirchen – manchmal auch in einem Waldgottesdienst – wird jedes Jahr
ein Tag der Schöpfung gefeiert, der vom Ausschuss zur Bewahrung
der Schöpfung vorbereitet wird. Der Diakonie-Ausschuss und der Partnerschafts-Ausschuss
gestalten im jährlichen Wechsel den Sonntag der Diakonie und den
Gemeindetag für Weltmission. Am ersten Sonntag im Monat werden Waren
aus dem Weltladen verkauft.

Einmal im Monat
wird außerdem ein Gottesdienst in der Begegnungsstätte des AWO-Seniorenwohnheims
gefeiert.

Die Kinder-
und Jugendarbeit
ist im vergangenen Jahr vom Lutherhaus in die
Wenschtkirche umgezogen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter wurden durch den Gemeindepädagogen intensiv am Umstrukturierungsprozess
beteiligt und gut auf die neue Situation vorbereitet.

Die bestehenden
Angebote werden auch unter veränderten Rahmenbedingungen erhalten.
Das Kellerfenster ist weiterhin an zwei Tagen in der Woche für die
teiloffene Arbeit geöffnet. Außerdem findet dort nun der Teen-Treff
statt. Das Kinderkino, ein Kinderbibeltag und das Spielkarussell
wurden auch am neuen Standort von Kindern und Familien gut angenommen.

In der Woche nach
Ostern hat die Kinderbibelwoche zum ersten Mal im Gemeindezentrum
Wenscht stattgefunden. Nachdem diese Großveranstaltung über 20 Jahre
im Lutherhaus einen festen Platz hatte, erforderten die veränderten
räumlichen Bedingungen vom Gemeindepädagogen und den zahlreichen
ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon im Vorfeld
viele zusätzliche Überlegungen und Absprachen.

Mit dem neuen
Konfirmandenjahrgang wurde im August 2007 ein verändertes Konzept
für den kirchlichen Unterricht eingeführt. Da die Geschwister-Scholl-Schule
auf Ganztagsunterricht umgestellt hat und auch die Gymnasien die
Unterrichtsstunden aufgrund der verkürzten Schulzeit immer mehr
in den Nachmittag ausdehnen, findet die Konfirmandenarbeit nun einmal
monatlich samstags statt. Die Blocktage, an denen sich die Konfirmandinnen
und Konfirmanden aus allen Bezirken im Gemeindezentrum Wenscht treffen,
werden durch die Arbeit in kleinen Projektgruppen ergänzt. Ein Team
von Haupt- und Ehrenamtlichen bereitet die Blocktage vor und begleitet
die Projektgruppen. Die Eltern beteiligen sich, indem sie an den
Blocktagen für Frühstück oder Mittagessen sorgen.

Die Tageseinrichtungen
für Kinder, die im Rahmen des Qualitätsmanagements je eigene Konzeptionen
entwickelt haben, bewerben sich derzeit gemeinsam um die Anerkennung
als Familienzentrum.

Durch die Stilllegung
von Kirchen und Gemeindehäusern konzentriert sich die Gemeinde-
und Gruppenarbeit
nun auf die Räume im Pfarrhaus an der Talkirche,
das Gemeindezentrum Wenscht und den Gemeinderaum in der Gerberstrasse.
Für die Frauenhilfen aus Setzen und Sohlbach/Buchen wurden vor Ort
Räume angemietet.

Im Januar 2008
hat die Koordinierungsgruppe Vertreter aller Gruppen und Chöre sowie
Küster und Hausmeister zu einem ersten Erfahrungsaustausch eingeladen.
Die Gruppen fühlen sich in den neuen Räumen wohl, auch wenn an der
Ausstattung hier und da noch etwas zu verbessern ist. Einige Anregungen
wurden inzwischen aufgegriffen und umgesetzt.

In den neu gestalteten
Räumen des Pfarrhauses an der Talkirche ist an zwei Sonntagen im
Monat nachmittags ein Café geöffnet, in dem Gruppen und Chöre aus
allen Bezirken reihum die anfallenden Arbeiten übernehmen.

 

Weitere Schritte

Durch die Stilllegung
von Kirchen und Gemeindehäusern ist die Gemeinde zwar zusammengerückt,
aber noch nicht zusammengewachsen. Das Presbyterium wird über geeignete
Maßnahmen nachdenken müssen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu
stärken und besonders den Gemeindegliedern, die ihre Kirche oder
ihr Gemeindehaus noch schmerzlich vermissen, wieder ein Zuhause
zu geben.

Die Koordinierungsgruppe
führt im Auftrag des Presbyteriums Gespräche und Verhandlungen,
um die stillgelegten Gebäude zu verkaufen oder langfristig zu vermieten.
Mit dem Erlös bzw. den Einnahmen soll einerseits der Haushalt konsolidiert
und andererseits ein neues Zentrum an der Talkirche errichtet werden.

Da das Haushaltsicherungskonzept
für das vergangene Jahr bereits eine Reihe einschneidender Maßnahmen
vorsah, hat das Presbyterium bisher auf die Einführung des Kirchgeldes
verzichtet. Inzwischen sind ein Kirchgeld-Beauftragter benannt und
erste Gespräche geführt worden, so dass der Termin für die Einführung
bald festgelegt werden kann.

Siegen-Geisweid, den 10. April 2008

Der neue Pfarrer…….

Der neue Pfarrer und seine
Familie stellen sich vor

Ich, liebe Gemeinde,
bin der Neue. Mein Name ist Frank Boes und dies ist meine Familie:
meine Frau Charlotte, meine Tochter Elisabeth  und mein Sohn
Johannes.

Ab Sommer werden
ich und meine Familie hier wohnen und ich meinen Dienst in Ihrer
Gemeinde antreten. Ich bin seit 15 Jahren mit Freude Gemeindepfarrer.
Wenn ich mal nicht im Dienst bin, fahre ich gern Rad und singe.
In den Chören der Gemeinde werde ich zu letzterem sicher reichlich
Gelegenheit haben.
Ich freue mich darauf, Sie kennen zu lernen
und zu hören, was Sie im Glauben bewegt.

Als Pfarrer möchte
ich Ihnen nahe sein, gerade weil die Bedingungen in der Gemeinde
durch die enormen Umbrüche immer schwieriger werden. Freude und
lebensnahe Verkündigung möchte ich dem entgegensetzen. Aufbrechen
statt zerbrechen.
Ob mit den Kindern unserer Kindergärten oder
mit den alten Menschen, die vielleicht ihre Kirche vermissen: lassen
Sie uns den Weg gemeinsam gehen. Ich bin mir sicher: Gott ist an
unserer Seite.

Pfr. Frank Boes

„offenBar“: eröffnet

‚offenBar’

– Kirchenladen Oberstadt  –
eröffnet! –


Kirchenkreis unterhält
Ladenlokal mit (Wieder)- Eintrittstelle

Kölnerstraße 8,
57072 Siegen, zwischen Tatooladen und Schuhgeschäft, das ist die
neue Adresse des Kirchenladens ‚offenBar’ in der Siegener Oberstadt,
der am 29.02.2008 offiziell eröffnet wurde. Und wohlgemerkt, es
ist kein innerstädtisches Projekt, sondern der gesamte Kirchenkreis
soll davon profitieren. Etwa 20 Ehrenamtliche Frauen und Männer
haben es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Ladenlokal zu einem Ort
der Gast- und Menschenfreundlichkeit zu gestalten. Hier soll Kirche
niederschwellig bei den Menschen präsent sein mitten im städtischen
Getriebe. Genau zwei Jahre hat es gedauert von der ersten Idee bis
zur Eröffnung. Neue Mitarbeitende aus dem Umland sind dabei herzlich
willkommen.

Was will der Kirchenladen
erreichen und was bietet er an? Nun, in erster Linie möchte die
„offenBar“ nichts verkaufen, sondern etwas verschenken: Zuhörbereitschaft,
Information und Freundlichkeit. Hier kann man sich über alle Zweige
der Ev. Kirche im Siegerland informieren, hier wird man kompetent
an die entsprechenden Stellen weitervermittelt, hier wird zugehört
bei einer Tasse Cappuccino, oder man kann eine geschmackvolle Spruchkarte,
ausgewählte Literatur oder Weltladenprodukte erwerben. Ein Literaturregal
ermöglicht ein Buch auszuwählen, wenn man denn ein gutes Buch, was
man selbst schon gelesen hat, dafür hinstellt. („Nimm eins, bring
eins!“). Wir wollen Menschen, die die Nähe zur Kirche verloren haben,
neugierig machen. Und so kann man dann folgerichtig, wenn man sich
in einer bestimmten Lebensphase von der Kirche distanziert hatte,
hier auch niederschwellig ein- bzw. wieder-eintreten. Die Gemeindebriefe
aller Gemeinden sollen im Laden ausliegen, so dass die neuen Gemeindeglieder
gleich über die Aktivitäten der eigenen Gemeinde informiert werden
können. Vielleicht sind auch Sie neugierig geworden? Dann schauen
Sie doch einfach einmal vorbei!

Sie
erreichen uns unter der Telefonnummer: 0271/2319836.
Oder Sie
nehmen Kontakt auf unter folgender e-mail-Adresse:
offenBar@kirche-siegen.de.

Die Öffnungszeiten:
Di. – Fr. von 13.00-18.00 Uhr
Sa.
von 10.00-13.00 Uhr.


Förderverein KiGa Sohlbach-Buchen


Unser Freundes-
und Förderverein des Ev. Kindergartens Sohlbach-Buchen e.V. wurde
1998 als gemeinnütziger Verein von Eltern gegründet, die den Kindergarten
ideell und finanziell fördern und unterstützen wollten. Das Budget
der Kindergärten reicht oft nicht aus, um neue Lernmaterialien,
Spiele oder Geräte in ausreichendem Maße anzuschaffen. Unser Verein
konnte durch Beiträge, Aktionen und Spenden dem Kindergarten Sohlbach-Buchen
z.B. Turnmatten, Bücher, Kaufladenzubehör, zwei Sofas und im letzten
Jahr ein Außenklettergerüst schenken. Wir gestalten dadurch den
Kindergarten mit, in dem unsere Kinder spielen, lernen, Freunde
finden und sich allmählich auf die Schule vorbereiten, gemäß unserem
Motto:


„ Der Kindergarten fördert
unsere Kinder.

Wir fördern den Kindergarten.“

Über ihre finanzielle
Unterstützung unserer Arbeit würden wir uns sehr freuen. Spenden
können auf das Konto des Freundes- und Fördervereins des Ev. Kiga
Sohlbach-Buchen e.V., Kto-Nr. 303 76 131, bei der Sparkasse Siegen
(BLZ 460 500 01) überwiesen werden.

Sylvia Andrick – Vorstand

Rückblick: Reformierte Konferenz

OKR Dr. Thorsten Latzel in Bad Laasphe

Heute Entscheidungen treffen

für die missionarische Kirche von morgen

Selbst Orkantief
„Emma“ konnte etliche Gemeindeglieder aus den Kirchenkreisen Siegen
und Wittgenstein nicht davon abhalten, an der Reformierten Konferenz
Südwestfalen im evangelischen Gemeindehaus Bad Laasphe teilzunehmen.
„Missionarische Gemeinde  – heute! Chancen und Aufgaben im
Wandel kirchlicher Wirklichkeit“ lautete das Thema, das dem Referenten
OKR Dr. Thorsten Latzel, EKD Hannover und gebürtiger Wittgensteiner,
gestellt war.

Dass
die beiden großen Volkskirchen zu Beginn des dritten
Jahrtausends besonderen Herausforderungen gegenüber
stehen, ist kein Geheimnis. Demographie, Überalterung
der Gesellschaft und zurück gehende Kirchenbindung machen
der evangelischen Kirche noch etwas mehr zu schaffen
als der katholischen Kirche. Jedes  Jahr verliert
die evangelische Kirche 285.000 Menschen. Also fast
genau so viele, wie die Einwohnerzahl des Kreises Siegen-Wittgenstein.
„Die Menschen in unserem Land entdecken neu die Religion
– und – die Kirchenmitglieder werden weniger, älter
und sozial begrenzter“, skizziert der Referent die Wirklichkeit.

Der
Rückgang der Kirchenmitglieder ist zu zwei Drittel bedingt
durch demographische Entwicklung. Die Volkskirche ist
überaltert. Jede zweite Amtshandlung ist heute eine
Trauerfeier. Hinzu kommen die nicht gering zu achtenden
Kirchenaustritte, die zumeist in Wellenbewegungen erfolgen,
wie beispielsweise Ende der 60er Jahre und nach der
Wiedervereinigung. Dem gegenüber treten etwa 65.000
Menschen jährlich in die evangelische Kirche ein oder
wieder ein.

Dr.
Thorsten Latzel zeigte in Bad Laasphe auf, was es heute
heißen kann, missionarisch Kirche zu sein.

Foto: Karlfried
Petr
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Kirchenmitgliedschaft
wird heute nicht mehr sozial vererbt, sondern im Laufe eines Lebens
zu einer bewussten Entscheidung. Kirchenaustritte sind heute kein
Tabu-Thema mehr, weiß der Oberkirchenrat aus Hannover. Latzel: „Meines
Erachtens befinden wir uns gegenwärtig in einer Art „Schlüssel-Zeit“,
in der sich entscheidet, ob sich die Kirchenaustritte zu dauerhafter
Konfessionslosigkeit verfestigen und so im negativen Sinne sozial
weiter gegeben werden – oder ob es gelingt, Menschen neu einen Weg
zu ihrer Kirche zu eröffnen“. Wenn man davon ausgehe, dass die beiden
großen Austrittswellen in den vergangenen 35 Jahren entstanden seien,
so hätten diese geschätzten 5 Millionen Menschen noch einen lebensbiographischen
Bezug zur Kirche durch Taufe, Konfirmation oder kirchliche Trauung.
Diese Menschen böten ein Wachstumspotential, wenn es gelänge, ihnen
einen neuen Zugang zur Kirche zu eröffnen, bevor sich die Konfessionslosigkeit
verfestigt habe.  

Deutlich machte
der Pfarrer, dass die evangelische Kirche in einem Bildungsdilemma
stecke. Die Kirche sei auf Bildung angewiesen, die Gebildeten kehrten
ihr aber den Rücken. Dies habe unlängst die vierte Kirchenmitgliedschaftsstudie
der EKD gezeigt. Um die Einstellungen der Kirchenmitglieder besser
begreifen zu können, erhebt die EKD im Abstand von 10 Jahren jeweils
sehr eingehend das, was die Menschen innerhalb wie außerhalb über
Kirche, Glaube und Gott denken. Herausgebildet wurden sechs Typen
von Lebensstilen, die unterschiedlich in die Kirche eingebunden
sind: hochkulturell, einfach-bürgerlich, jugendkulturell, liberal-urban,
praktisch-gesellig und gering gesellschaftlich integriert. Am stärksten
ausgeprägt ist eine Austrittsneigung bei den jugendkulturell ausgerichteten
jungen Menschen. Latzels Fazit anhand der Untersuchungsergebnisse:
Bestimmte Milieus und Lebensstile haben schon jetzt fast keinen
Raum mehr in der Kirche. Ihnen sollte sich die Kirche besonders
zuwenden.

Anhand von Leitthesen
zeigte der Referent auf, vor welchen Herausforderungen  gegenwärtig
missionarische Arbeit auf Gemeindeebene steht. Alle diese Thesen
setzen ein Vertrauen voraus, dass das Leben, Reden und Tun der Kirche,
sich gründet auf Gottes Geist, der die Gemeinde Jesus Christi beruft,
sammelt, begabt und bis an das Ende der Zeiten erhält. Dies entbinde
die Gemeinden jedoch nicht davon, die Einladung zum Glauben und
zur Teilnahme am Leben der Kirche zu fördern und zu entfalten.

In diesem Vertrauen,
so Latzel, müssten heute die Menschen in jeweiligen sozialen Milieus
offen wahrgenommen werden. Es gelte, das Evangelium einladend zu
bezeugen und biblische Texte sowie  kirchliche Traditionen
verstärkt im Horizont der Gegenwart und auf klar verständliche Weise
neu zu vermitteln. Die  „Sprachfähigkeit des Glaubens“, die
von der Hoffnung des eigenen Lebens zu erzählen wisse, müsse gefördert
werden. Zu den überzeugendsten Botschaften des Evangeliums gehöre
das Leben der Glaubenden und der Gemeinde, geprägt vom befreiten,
glaubwürdigen Umgang mit eigenen Stärken und Schwächen sowie der
unbedingten Annahme Gottes. Dem Gottesdienst komme für den Zuspruch
des Evangeliums eine besondere Bedeutung zu. In den Amtshandlungen
erführen Menschen in „Schlüsselzeiten“ ihres Lebens kirchliche Begleitung.
Die Mitarbeitenden gehörten zu dem größten Schatz, den die Gemeinden
besäßen. Sie würden künftig noch stärker an der Vermittlung des
christlichen Glaubens beteiligt sein. Dafür bedürfe es jedoch einer
Kultur der Anerkennung, Wertschätzung und Förderung.

Zum Schluss gab
Thorsten Latzel einige konkrete Hinweise zu verändertem kirchlichen
Handeln. Häufig orientiere man sich in der Kirche an der „gefühlten
Situation“ und damit an der Binnensicht derjenigen Menschen, die
die so genannte Kerngemeinde bildeten. Hier gelte es einen Perspektivenwechsel
zu vollziehen und Kirche einmal aus der Sicht der 90 Prozent der
Kirchenmitglieder zu sehen, die nicht in der Kerngemeinde auftauchen.

Ein Pfarrer habe
das bei einer Visitation einmal so ausgedrückt: Ich arbeite in einer
Stadt mit 10.000 Einwohnern, 3000 gehören davon der evangelischen
Kirche an, ca. 150 Menschen tauchen davon im engeren Kreis der Gemeinde
auf, und 10 Menschen legen dann ausgerichtet an den 150 Menschen
fest, was die Ziele sind. Aber eigentlich müssten wir doch auf die
10.000 zielen.

Latzel: „Wer die
eigene Wahrnehmung verändert und über die Ziele der eigenen Arbeit
klar wird, der steht damit dann irgendwann vor der Notwendigkeit,
Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen darüber, was wir als Kirche
tun wollen – und ebenso wichtig: was wir als Kirche zukünftig lassen
wollen. Dabei gilt es zu fragen, wie Sie sich in 20, 30 Jahren die
Kirche unter den veränderten Rahmenbedingungen wünschen und vorstellen.
Und was müssen Sie heute tun, um in Zukunft so oder noch besser
dazustehen?“

kp