Nachruf


Nachruf

Pfarrer i.R. Erich Schmidt (*1.2.1914) verstarb
am 19.12.2005 in Jöllenbeck bei Bielefeld. Vier Wochen später, am
13.1.2006, folgte ihm seine Frau Maria Schmidt geb. Knoche (*24.1.1914)
in den Tod. Das Ehepaar Schmidt konnte noch am 1. Advent vergangenen
Jahres seine Eiserne Hochzeit feiern. Ältere Gemeindeglieder erinnern
sich noch gerne an Pfr. Schmidt und seinen unermüdlichen Einsatz
als Gemeindepfarrer in Geisweid von 1945 bis 1962. Pfr. Schmidt
stammte aus Krombach. Als er zwei Jahre alt war, fiel sein Vater
im Ersten Weltkrieg. Seine Schwester kam am 16.12.1944 beim Bombenangriff
auf Siegen ums Leben. Sein Bruder Adolf war Pfarrer in Dreis-Tiefenbach.
Nach dem Abitur am Realgymnasium in Weidenau studierte er Theologie
in Halle (Saale). Im Jahr 1934 war er dort nicht bereit, auf Adolf
Hitler zu schwören. Darauf hin wurde er exmatrikuliert, d.h. er
musste die Universität verlassen. Unterschlupf fand er in der neu
gegründeten Kirchlichen Hochschule in Wuppertal. Dort nahm er als
studentischer Vertreter an der für den Kirchenkampf äußerst wichtigen
Bekenntnissynode von Barmen teil. Als Vikar der Bekennenden Kirche
kam er zu Pfr. H. Jochums nach Eiserfeld. 1940 legte er bei der
Bekennenden Kirche des Rheinlandes das 2. Theologische Examen ab.
Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft wurde er 1945 in die Kirchengemeinde
Klafeld für den suspendierten Pfr. Pfeil eingewiesen. Erst 1949
konnte er dessen Pfarrstelle rechtmäßig übernehmen. Er war zuständig
für den Klafelder Bezirk mit Birlenbach. Es ist weithin bekannt,
dass Pfr. Schmidt ein außerordentlich fleißiger und ganz engagierter
Gemeindepfarrer war. Er wollte die schmerzlichen – und doch so wichtigen
– Erfahrungen des Kirchenkampfes für den Neuaufbau nach dem Krieg
fruchtbar machen. In seinem Gewissen gebunden an das Evangelium
und an das Reformierte Bekenntnis setzte er sich für ein neues,
demokratisches und soziales Staatswesen ein. In der Gesamtdeutschen
Partei Gustav Heinemanns sah er eine klare politische Chance für
die Wiedervereinigung und für soziale Reformen. Gegen die Wiederbewaffnung
Mitte der 50er Jahre nahm er deutlich Stellung. Für soziale Gerechtigkeit
schlug sein Herz. “Ich bin in armen Verhältnissen aufgewachsen,
das will ich nie vergessen!” war eine Lebensdevise. Er ließ “die
Linke nicht wissen, was die Rechte tat” (Matth. 6, 3) und gab mit
offener Hand, wo er Not sah. Seine Kinder erinnern sich noch, dass
er in den Nachkriegsjahren manchmal die letzte Brotschnitte an der
Haustüre weg gab, ganz zum Leidwesen der Hausfrau. Auf ihren Einwand
hin sagte er “Wer gibt, dem wird gegeben” (Luk. 6,38) – und nicht
selten konnte die Familie eben dies erfahren. Ein bleibendes Verdienst
erwarb sich Pfr. Schmidt beim Aufbau der Wenschtsiedlung. Es war
ihm ein Herzensanliegen, dass menschliche Wohnverhältnisse für die
Arbeiterschaft geschaffen wurden. Hier sah er die einmalige Chance,
große theologische und politische Ideale ganz praktisch umzusetzen.
Mit den Arbeitern des Stahlwerkes zusammen siedelte er selbst im
Wenscht und baute ein Reihenhaus. Zugleich betrieb der im besten
Sinne “Gemeindeaufbau”; in Häusern sammelte der Menschen, in Bibelstunden
und Gemeindekreisen, in Schulräumen begann er eine um fangreiche
Jugendarbeit. Das alles fand schließlich 1958 eine Heimstatt im
neuen evangelischen Gemeindezentrum im Wenscht. Als Pfr. Schmidt
1962 von Geisweid weg ging und in Wülfrat im Rheinland eine neue
Stelle antrat, da haben viele Geisweider ihn sehr vermisst und ihm
nachgetrauert.

Seit 1978 lebte er mit seiner Frau im Ruhe stand
in Eckenhagen im Oberbergischen. Er blieb aber auch im Ruhestand
nicht untätig. In der Kommunalpolitik fand er ein neues Betätigungsfeld.
Gleichzeitig erarbeitete er eine umfangreiche Gemeindechronik seiner
Heimatgemeinde Krombach und Monographien über den Heimatdichter
Adolf Wurmbach. Die letzten Jahre verbrachte das Ehepaar Schmidt
im Paul-Gerhardt-Stift in Jöllenbeck bei Bielefeld in der Nähe derältesten Tochter. Ihre letz te Ruhe fanden
beide im Familiengrab auf dem Krombacher Friedhof. 

Das Ehepaar Schmidt

Als Kirchengemeinde erinnern wir gerne an
Pfr. Schmidt und seine Frau. Wir danken ihnen für ihr ein drucksvolles
und unverwechselbares Christuszeugnis unter uns und werden ihnen
ein gutes Andenken bewahren.