Rückblick: Familienfreizeit

Von Seen, Pilzen und „kleinen
Slawen“ –
Familienfreizeit an der Müritz in den Herbstferien

Morgens von Kranichrufen
geweckt werden, Fischadlern bei der Arbeit zuschauen, Pilze sammeln
bis zum Abwinken und unter leuchtenden Sternen Stockbrot am Lagerfeuer
rösten – das alles und noch viel mehr kann man erleben, wenn man
mitten im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg Urlaub macht. Neun
Familien waren mit dabei und haben trotz herbstlichem Wetter eine
schöne Woche erlebt. Eine Kanufahrt durch Seen und Kanäle bis hin
zum großen Müritzsee war einer der Höhepunkte, ebenso ein Besuch
im slawischen Dorf in Neustrelitz. Dort konnte man sich in alten
Handwerkstechniken wie Flechten, Schmieden und Specksteinschleifen
üben und sich in einem nachgebauten Ruderboot fast wie die Wikinger
fühlen. Zum täglichen Programm gehörten auch biblische Mitmachgeschichten
über den Propheten Elia. Beim Nachspielen seiner Erlebnisse ließ
sich entdecken, was es heißt, zu tun und anderen zu sagen, was Gott
will.

Sowohl die Kinder
als auch die Erwachsenen genossen dabei die Ruhe und die gute Gemeinschaft
abseits des Alltagstrotts und hatten viel Spaß miteinander Am Ende
waren sich alle einig: nächstes Jahr muss es wieder eine Familienfreizeit
geben. Wann die sein wird und wo’s dann hingeht, dazu mehr in der
nächsten Ausgabe von „Gemeinde jetzt“!  

Neues von der Orgel

Von der Orgel ist nur noch
das Gehäuse geblieben !!!

Die Orgel der Talkirche gibt’s
nicht mehr!!

Am 30. August
war es soweit. Zwar lange angekündigt, aber kaum vorstellbar: Die
Orgel wurde abgebaut. Was geblieben ist: das denkmalgeschützte Orgelgehäuse.
Der Blick zur Orgelempore ist – wie viele Gottesdienstbesucher bereits
gemerkt haben – schon etwas gewöhnungsbedürftig. Das leere Orgelgehäuse
gleicht einer Ruine.

Leider muss die
Gottesdienstgemeinde nun leider vorerst mit dem Klavier vorlieb
nehmen.

Und trotzdem wird’s
nun erst richtig spannend: Der Bau der neuen Talkirchen-Orgel hat
in der Orgelbauwerkstatt Mebold (Siegen-Breitenbach) bereits begonnen.
Ab Anfang Januar lohnt es sich auch, den fleißigen Orgelbauern in
der Werkstatt einmal über die Schultern zu schauen. Von diesem Angebot
sollten wir alle regen Gebrauch machen, denn kaum eine Gemeinde
hat die Möglichkeit, die Entstehung ihrer Orgel so hautnah in der
Orgelbauwerkstatt verfolgen zu können.

Hier aber noch
einmal eine Kurzzusammenfassung für alle, die die „Orgelgeschichte“
nicht so intensiv verfolgt haben: mit der Einweihung der Kirche
1906 wurde fast zeitgleich eine Orgel der Orgelbaufirma Link aus
Giengen a.d. Brenz fertig gestellt. Dieses, mehr durch romantische
Klangfarben geprägte Instrument entsprach in der Nachkriegszeit
nicht mehr dem schon etablierten neobarocken Klangideal. In den
fünfziger und sechziger Jahren führte die Firma Kemper zwei gravierende
Eingriffe an der alten Link-Orgel durch, die letztendlich dazu führten,
dass das Instrument klanglich seine Geschlossenheit einbüßte und
auch in der Technik ein permanenter Sorgenfall wurde.

Nach eingehender
Beratung mit verschiedenen Orgelsachverständigen – auch die Denkmalpflege
wurde eingeschaltet – konnte es für uns als Gemeinde nur eine Lösung
geben:
„Eine neue Orgel im alten Gehäuse“ unter partieller Verwendung
historischen Pfeifen-Materials. Besonderer Wert wird darauf gelegt,
dem Instrument auch wieder seine alten romantischen Farben zurückzugeben.
Dies schlägt sich in Registernamen wie Geigenprinzipal, Gambe, Salicional,
Vox coelestis (Stimme des Himmels), Violon und Cello nieder. Aber
auch die klassische Orgelmusik soll in dem neuen Instrument ihr
Zuhause finden.

Für
die Orgellandschaft des Siegerlandes und darüber hinaus
wird die neue Talkirchen-Orgel in ihrer Individualität
eine große Bereicherung darstellen. Und für unsere Kirchengemeinde
wird sie mit ihren vielfältigen Möglichkeiten zur lebendigen
Gottesdienstgestaltung beitragen können.

Dank
vieler Initiativen und der enormen Spendenbereitschaft
in unserer Gemeinde und darüber hinaus konnte in verhältnismäßig
kurzer Zeit immerhin so viel Geld gesammelt werden,
dass der Bau nun beginnen konnte. Bis zur Fertigstellung
im nächsten Jahr ist allerdings noch – auch in finanzieller
Hinsicht – ein engagierter Endspurt angesagt.

Pfeifenversteigerung
auf dem Bürgerfest am 12. Oktober und der traditionelle Weihnachtsmarkt
rund um die Talkirche am 2. Advent sollen ein Stück weiter zum Ziel
bringen. Auf Pfeifenpatenschaften können nach wie vor übernommen
werden.

Falls jemand Interesse
an einem Besuch in der Orgelbauwerkstatt hat, so möge er sich doch
mit mir oder den drei Pfarrern unserer Gemeinde in Verbindung setzen.

Andrea Stötzel

Treffen mit dem PGR

Gedankenaustausch

Zu ihrem jährlichen
Gedankenaustausch trafen sich das Presbyterium der Evangelischen
Kirchengemeinde Klafeld und die Pfarrgemeinderäte von St. Joseph
und St. Marien/Wenscht.

Nach einem gemeinsamen
Gebet um Einheit wurde das Treffen im Pfarrheim von St. Joseph mit
einem gemütlichen Imbiß begonnen. Danach gab es einen regen Gedankenaustausch
über die Neustrukturierungen in den jeweiligen Gemeinden. Schließlich
wurden ökumenisch relevante Termine für das Jahr 2009 besprochen.
Noch in diesem Jahr geht es auf ökumenischer Ebene weiter: Vom 17.
– 21. November findet die Ökumenische Bibelwoche zum Johannesevangelium
statt, unterbrochen durch die Teilnahme aller Gemeinden am Buß-
und Bettagsgottesdienst (19.11.).

K-H Köhle

Berichte von der Sondersynode

Diakonie – Strukturen für
die Zukunft

Sonderkreissynode tagt in
der Stadthalle Kreuztal

Sie war nicht
unumstritten, die Sondersynode des Kirchenkreises Siegen zum Thema
Diakonie, die jetzt in der Stadthalle Kreuztal tagte. Etliche Diskussionen
um das Für und Wider hatte es bereits im Vorfeld gegeben. Überfällig
war sie längst, aber warum soll sie jetzt stattfinden? Wisst ihr,
was ihr wollt? Was kann die Synode entscheiden? Diese Fragen hätten
sich viele im Vorfeld gestellt, so die Superintendentin Annette
Kurschus bei ihrer Einführung in die Thematik. Das diakonische Geschehen
im Kirchenkreis Siegen wird zurzeit weitgehend vom Krankenhausverein
und dem Diakonieverein verantwortet. Kirchenkreis und Kirchengemeinden
sahen ihre Einflussmöglichkeiten schwinden. Und auch der Diakoniekonflikt
aus 2005 ist noch nicht wirklich verarbeitet.


 

Die Synodalen
im Kirchenkreis Siegen ließen sich auf einer Sondersynode
über die Strukturen der Diakonie in Südwestfalen und
die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten  informieren.
In ersten Überlegungen wurden Schwerpunkte für die weiteren
Beratungen aufgezeigt. Auf der nächsten regulären Synode
sollen die konkreten Prüfaufträge für den KSV beschlossen
werden

Grund für den
Termin der Sondersynode, so Kurschus, sei der zu erwartende Verbund
des Kreiskrankenhauses mit den drei Diakoniekrankenhäusern gewesen.
Der hätte für die Diakonie eine Zäsur bedeutet. Grund für die Synode,
die Gelegenheit zu nutzen und frühzeitig ihre eigenen Vorstellungen
von Diakonie im Kirchenkreis zu beschreiben und nicht nur auf bereits
Vollzogenes zu reagieren. Dadurch, dass der große Krankenhausverbund
in absehbarer Zeit nun doch nicht zustande komme, könne das Thema
ohne konkreten Handlungsdruck von außen beraten werden. Zu dem erscheine
der Informationsbedarf bei den Synodalen hoch. Die Synode sei das
Forum, um zu informieren, diskutieren und zu erläutern.

Sie nahm den Befürchtungen
den Boden, dass es vielleicht doch geheime innerkirchliche Vorstellungen
gäbe, die nun auf der Synode einem Beschluss zugeführt werden sollten.
Kurschus: „Auf dieser Synode kann alles mögliche ungeschützt gedacht
und gesprochen werden. Die Synode hat keine Entscheidungskompetenz.
Die hat sie vor Jahren an den Krankenhausverein und den Diakonieverein
abgegeben, aus damals sicherlich guten Gründen. In den beiden Vereinen
sind zwar alle Kirchengemeinden und der Kirchenkreis vertreten.
Diese Mitbestimmung funktioniert offensichtlich nicht mehr zufriedenstellend.“
 Zudem ist die solidarische Finanzierung der Diakonie durch
die Kirchengemeinden nicht mehr gesichert. Einige Kirchengemeinden
hatten ihren Austritt erklärt. Daher müssten die Strukturen nach
ihrer Tauglichkeit hin befragt werden. Die Synode sei aufgerufen,
Anregungen, Prüfaufträge und Zielvorstellungen zu geben.

Wie kompliziert
die Vereins- und Gesellschaftsstruktur von Diakonischem Werk, Krankenhausverein
und Diakonie in Südwestfalen ist, machten die Ausführungen von Unternehmensberater
Michael Worschischek deutlich, der gemeinsam mit dem synodalen Diakoniebeauftragten
Pfr. Thomas Weiß die Strukturen und die Verantwortlichkeiten in
der Diakonie erläuterte. Eine Unternehmensberatung war seinerzeit
von der Arbeitsgruppe „Zukunft der Diakonie“ eingeschaltet worden,
um die Struktur des verflochtenen Unternehmens mit Sachkompetenz
von außen zu prüfen.

Nicht nur für
die nach den Presbyteriumswahlen neu entsandten Synodalen waren
die grundlegenden Erläuterungen wichtig. Auch manch langjähriger
Synodaler begreift die Gesellschaftsverschachtelungen nicht wirklich.
Pfr. Christoph Siekermann, seit acht Jahren Gemeindepfarrer im Kirchenkreis
Siegen, traute sich auszusprechen, was vermutlich manch eine und
einer auf der Tagung dachte: „Jetzt bekomme ich so langsam eine
Ahnung von den Strukturen.“

In Arbeitsgruppen
berieten die Synodalen vier Themenschwerpunkte: Diakonisches Profil,
Leistungsprofil der Diakonie, Gestaltung gemeindenaher Diakonie
und den Steuerungsanspruch von Kirchengemeinden. Im Plenum wurden
die Arbeitsergebnisse vorgestellt. Es kristallisierte sich heraus,
dass die Seelsorge in den Krankenhäusern einen hohen Stellenwert
hat. Wichtig war den Arbeitsgruppen, dass die Informationsflüsse
und die Transparenz zwischen den Gemeinden und der überörtlichen
Diakonie deutlich verbessert werden sollten. Die komplizierten Strukturen
sollten schlanker gestaltet werden.  Zudem müssten die Diakoniebeauftragten
in den Kirchengemeinden für ihre Aufgabe besser geschult werden.

Während der Sondersynode
reichte die Zeit nicht, um die Arbeitsaufträge im Detail zu beraten
und auszuformulieren. Daher beauftragte die Synode den KSV, bis
zur nächsten Herbstsynode einen Beschlussvorschlag aus den Ergebnissen
der Arbeitsgruppen zu entwickeln, der konkrete Arbeitsaufträge enthält,
die Themen benennt, die bearbeitet werden müssen und einen detaillierten
Zeitplan angibt.

 

Abgespeckter Krankenhausverbund
innerhalb der Diakonie steht

Der Geschäftsführer
der Diakonie Südwestfalen Dr. Josef Rosenbauer informierte die Kreissynode
über den Stand des Krankenhausverbundes. Das Kreisklinikum und die
drei Diakoniekrankenhäuser, so der Kreis Siegen-Wittgenstein und
die Diakonie Südwestfalen, sollten in einem Verbund zu einem Krankenhaus
verschmelzen, um in Zukunft auf dem hart umkämpften Gesundheitsmarkt
finanziell sicher aufgestellt zu sein. 700 der 2100 Kliniken in
Deutschland schreiben derzeit rote Zahlen, berichtete Rosenbauer
den Synodalen
.

Dr.
Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie Südwestfalen,
(hier im Gespräch mit Verwaltungsleiter Hartmut Menzel)
informierte die Synodalen über den Krankenhausverbund.
Er wünscht sich, dass nun Ruhe einkehrt in die Diakonie.

Eine deutliche Kostenreduzierung
versprach man sich von dem Verbund und eine bessere medizinische
Versorgung. 51% der Gesellschafteranteile sollten bei der Diakonie
verbleiben, 49% beim Kreis Siegen-Wittgenstein. Rosenbauer: "Die
Diakonie Südwestfalen hatte ihre Hausaufgaben erledigt." Dennoch
kommt der große Verbund in absehbarer Zeit nicht zustande. Die Kosten
der Pensionsrückstellungen in die Zusatzversorgungskasse für die
Mitarbeitenden machen dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.
Über 50 Mio. Euro muss der Kreis Siegen-Wittgenstein zusätzlich
finanzieren, um seine  Krankenhausmitarbeitenden in das Diakoniesystem
übernehmen zu lassen. Dennoch, so Rosenbauer, gibt es nun einen
Verbund mit den drei Diakoniekrankenhäuser: Jung-Stilling-Krankenhaus
Siegen, Bernhard-Weiss-Klinik, Kredenbach, und Haus Bethesda, Freudenberg.
Alle drei Häuser haben nun eine gemeinsames Budget. Synergieeffekte
werden sich bemerkbar machen.

Davon profitieren
in erster Linie die beiden kleineren Krankenhäuser in Freudenberg
und Kredenbach, die wirtschaftlich ansonsten schlecht dastehen.
 Die kleinen Häuser haben ähnlich große Fixkosten wie ein großes
Krankenhaus, aber deutlich geringere Einnahmen. Verzichten will
man auf sie nicht, da sie für die Versorgung in der Fläche wichtig
sind. Rosenbauer ist stolz darauf, dass der kleine Verbund innerhalb
von drei Wochen zustande kam. Seit dem 28. August liegt der Feststellungsbescheid
vor. Seit 17. September ist der neue Krankenhausverbund eingetragen.
Nun können die ersten medizinischen Schritte gegangen werden.

Für das Haus Kredenbach,
das wirtschaftlich schwere Zeiten hinter sich hat, bringt der Verbund
die Einrichtung einer Geriatrie-Abteilung.

Zum Schluss zeigte
Rosenbauer auf, dass es bei aller Anstrengung Spaß mache, in den
Diakonie-Unternehmen zu arbeiten. Die 2.800 Mitarbeitenden prägten
jeden Tag das diakonische Profil der Einrichtungen.

Er wünschte sich
sehr, dass jetzt Ruhe einkehrt in die Diakonie. Auf die Vereine
sei in der Vergangenheit Verlass gewesen. Er wünschte sich, dass
auch künftig verlässliche Gremien und Strukturen eine gute Basis
für die diakonische Arbeit bieten.

 

Die diakonische Landschaft
in Westfalen

Pfr. Güntehr Barenhoff,
hauptamtlicher Vorstand des neuen Spitzenvereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe,
in formiert auf der Diakoniesynode des Kirchenkreises Siegen

Pfarrer
Günther Barenhoff, hauptamtlicher Vorstand des neuen
Spitzenvereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, erläuterte,
wie es zu den Vereinsstrukturen der Diakonie gekommen
ist, welche Entwicklungstendenzen zu sehen sind und
gab Kirchenkreis und Diakonie Ratschläge für die weiteren
Überlegungen mit auf den Weg.

Pfr. Günther Barenhoff,
hauptamtlicher Vorstand des neuen Spitzenvereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe,
 nahm die Synodalen in seinem Vortrag gedanklich mit in die
Entwicklung der Diakonie in Westfalen.

Von den Anfängen
des Christentums bis in die Gegenwart – das belegen auch alle aktuelle
Umfragen und Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen – haben die diakonischen
Aktivitäten das Ansehen und die Stellung der Kirche in der Gesellschaft
gestärkt.

Dafür nannte er
ein Beispiel aus den Anfängen der Diakonie im 18. Jahrhundert, dem
Entstehen der Inneren Mission. Die vom Evangelium angetriebenen
und bewegten Männer und Frauen hätten die neuen Nöte durch die aufkommende
Industrialisierung – zum Beispiel die Not der Jugendlichen in den
großen Städten – wahrgenommen. Die Vertreter der Verfassten Kirche
seien damals offensichtlich nicht bereit und in der Lage gewesen,
sich intensiv auch um diese neuen Nöte zu kümmern. Für Wichern zum
Beispiel waren dies nicht nur äußere Nöte. Und da er sehr schnell
erkannte, dass man die Botschaft des Evangeliums nicht vermitteln
kann, wenn man die Not der Menschen nicht wirklich ernst nimmt,
gründete er seine Aktivitäten außerhalb der Struktur der Verfassten
Kirche.

In dieser Zeit
entstand das bis heute an vielen Stellen noch praktizierte Modell
des Vereinswesens.

Heute findet Diakonie
im Wesentlichen in den großen diakonischen Unternehmungen, den kreiskirchlichen
Diakonischen Werken und in der Gemeindediakonie statt. Alle diese
Teile  sind Mitglieder im Diakonischen Werk der Evangelischen
Kirche von Westfalen, das laut Satzung die besondere Aufgabe hat,
die Interessen dieser meist selbstständigen Rechtsträger zu vertreten
gegenüber Politik, Öffentlichkeit, Kostenträgern und Ähnlichem und
zugleich den Zusammenhalt aller Träger zum Zwecke einer einheitlichen
Durchführung der gemeinsamen Aufgaben und gegenseitiger Unterstützung
zu fördern.

Zu den großen
traditionellen Unternehmungen der westfälischen Diakonie gehören:
Die v. Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel, das Ev. Johanneswerk,
die Diakonische Stiftung Wittekindshof, die Ev. Stiftung Volmarstein
und das Ev. Perthes-Werk in Münster.

Bei den kreiskirchlichen
Diakonischen Werken hätten, so Barenhoff, in den letzten fünfzehn
Jahren die größten Veränderungsprozesse stattgefunden. Viele der
diakonischen Aufgaben, die früher wie selbstverständlich auch bis
in die personelle Verantwortungsstruktur Aufgaben der Gemeinden
waren, seien in den kreiskirchlichen Diakonischen Werken zusammengeführt
worden. Heute sind alle kreiskirchlichen Diakonischen Werke – bis
auf Lüdenscheid/Plettenberg – in einer selbstständigen Rechtsstruktur,
überwiegend in der Vereinsstruktur organisiert.

Zunehmend bildeten
sich größere Einheiten, die über die Kirchenkreise hinausgehen.

So haben sich
zum Beispiel die Diakonischen Werke der Kirchenkreise Hamm, Unna,
Soest und Arnsberg inzwischen zu einem Diakonischen Werk Ruhr-Hellweg
zusammengeschlossen.

Die Gemeindediakonie
bildet neben Kindergärten und Kindertagesstätten insbesondere das
Feld der zahlreichen ehrenamtlichen Diakonie in Besuchsgruppen und
Initiativen unterschiedlicher Art. Barenhoff: „Und wenn wir in der
Diakonie oft sehr stolz von den ehrenamtlichen Mitarbeitenden –
auch in den beiden anderen Säulen, die ich bereits dargestellt habe,
– sprechen, hier haben sie ihren Ort, ihre Prägung und in der Regel
ihre Motivation für ihr Engagement gefunden.“

Für die Ursache
der Veränderungsprozesse nennt der Diakonieexperte "Mehr Markt
und Wettbewerb und Aufgabe des Selbstkostendeckungsprinzip".
Alle diakonischen Träger, insbesondere die kreiskirchlichen Diakonischen
Werke haben sich entschieden, ein möglichst breites Angebot diakonischer
Dienstleistungen zu erbringen. Dies bringt veränderte Finanzierungen
mit sich. Die kirchensteuerfinanzierten Aufgaben sind zurückgegangen.

Aus seiner Sicht
stellt sich für die Mitglieder der Kreissynode und natürlich für
die Mitglieder der beiden bestehenden Vereine sowie für die Organe
der Diakonie in Südwestfalen folgende Herausforderung:

Im Kirchenkreis
Siegen seien rechtlich – und das entspreche der Verfassungswirklichkeit
in der Evangelischen Kirche – letztlich die Kirchengemeinden die
Träger der Diakonie. Die seien sowohl Mitglieder im Krankenhausverein
als auch Mitglieder im

Diakonischen Werk
und sie bilden zugleich die Gemeinschaft der Kirchengemeinden im
Kirchenkreis.

Seine Vermutung
und zum Teil auch Kenntnis sei, dass jeweils unterschiedliche Personen
aus Kirchengemeinden diese im Krankenhausverein, in der Kreissynode
und im Diakonischen Werk repräsentieren und vertreten. Daraus könnten
Abstimmungsdefizite untereinander entstehen.

Barenhoff vermutet,
dass die einzelnen Personen eher von der Eigendynamik der jeweiligen
unterschiedlichen Vereine und der Kreissynode stärker bestimmt werden
und somit im Ergebnis das, was eigentlich rechtlich ganz eng zusammengehört,
eher starke Tendenzen zur Verselbstständigung entwickelt hat.

Er sehe für die
Synode und die Kirchengemeinden die Aufgabe, zu überlegen, welche
diakonischen Aufgaben und Angebote in den Kirchengemeinden und im
Kirchenkreis in  Zukunft auftragsgemäß angeboten werden sollen
und wie viele Kirchensteuermittel und Spenden für diese Aufgaben
mit eingebracht werden sollen? Dann sei zu überlegen, welche Strukturen
für die optimale Aufgabenwahrnehmung am ehesten geeignet seien und
welche Personen zur Wahrnehmung des diakonischen Auftrages in Siegen
ausgewählt würden.

Barenhoff zitierte
am Schluss den Landeskirchenrat Dr. Hans-Tjabert Conring mit den
Worten: „Diakonie als Dimension der Kirche kann nicht auswandern,
aber auch nicht allumfassend von der überwiegend ehrenamtlich verantworteten
Organisationseinheit Kirchengemeinde geleistet werden.

Kirchengemeinde
ist die Keimzelle der Diakonie, dort wo sie an ihre Grenzen stößt,
können andere kirchlich organisierte oder rechtlich verselbstständigte
Träger diakonische Aufgaben wahrnehmen.

Auch große selbstständige
Träger sind auf die gemeindliche Bodenhaftung und die dort ehrenamtlich
verantwortete Initiativkraft angewiesen."

kp

(Fotos: Karlfried
Petri)

Woche der Diakonie im Kirchenkreis

Woche   der   Diakonie
  im   Kirchenkreis   Siegen

Vom
18.- 25. September findet im Kirchenkreis Siegen die
„Woche der Diakonie“ statt. Im „Wichernjahr 2008“ erinnert
die Veranstaltungsreihe an Johann Hinrich Wichern (1808
– 1881), den Gründer der modernen Diakonie und Wegbereiter
des Sozialstaates.

 

Zu folgenden Veranstaltungen
wird herzlich eingeladen:

18.
Sept. – 15 Uhr – Stadthalle Kreuztal, Zum Erbstollen 7:

Sondersynode
„Diakonie“ mit Impulsreferat von Pfr. Günther Barenhoff, Vorstand
Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e. V., Münster

19. Sept.
– 19 Uhr – GZ Christuskirche, Siegen, Obenstruthstr. 8:
„Wichern
Kirche und Diakonie in unserer Region“ – Auf  Spurensuche mit
Pfr. i. R. Ulrich Weiß: Wo und wie prägte der Gründer der Diakonie
das reformierte Siegerland?

20. Sept.
– 14 Uhr – Mehrgenerationenhaus, Siegen, St.-Johann-Str. 7:
„Alter
und Armut – Altersarmut in unserer Stadt“: Rundgang durch Siegen
mit Jens Reppahn (Diakonisches Werk Siegen) und Günter Hensch (Institut
für Kirche und Gesellschaft). Anmeldung erwünscht: +49271 5003-201
(Frau Kramp)

21. Sept.
– 10.30 Uhr – Martinikirche Siegen, Grabenstr. 22:

Gottesdienst
zur Woche der Diakonie im Wichernjahr 2008 mit Superintendentin
Annette Kurschus, mit dem Diakonie-Beauftragten des Kirchenkreises
Siegen, Pfr. Thomas Weiß, und dem Projektchor der Diakonie in Südwestfalen

22. Sept.
– 18 Uhr – Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus, Wichernstr. 40:

„Entscheidungsfindung
am Lebensende“ – Hubert Becher (Geschäftsführer des Ev. Jung-Stilling-Krankenhauses)
diskutiert dieses kontroverse Thema mit Theologen, Medizinern, Juristen
und Angehörigen

23. Sept.
– 10 Uhr – Hermann-Reuter-Haus, Weidenau, Ludwigstr. 4:

Frühstück
und Begegnung für Seniorinnen und Senioren in Kooperation mit dem
Bezirksverband der Siegerländer Frauenhilfe und der Männerarbeit
im Kirchenkreis Siegen. Anmeldung notwendig: +49271 5003-201 (Frau
Kramp)

23. Sept.
– 17 Uhr – Diakonie in der City, Siegen, Friedrichstr. 27:

„Anwalt
und Dienstleister – Diakonie als Mitgestalterin des Sozialstaates“:
Vertreter aus der Freien Wohlfahrtspflege und aus der Kommunalpolitik
diskutieren ihre Verantwortung in einem modernen Sozialstaat mit
Prof. Dr. Johannes Eurich (Uni Heidelberg/EFH Bochum)


24.
Sept. – 19.30 Uhr – Bismarckhalle, Weidenau, Bismarckstr. 45:

„Wichern
live“ – Der Festabend. Begegnung, Unterhaltung, nette Leute, leckerer
Imbiss – Benefizveranstaltung zugunsten diakonischer Projekte in
unserer Region mit Live-Musik der Band „Die Drei“. Tickets erhältlich:
+49271 5003-201 (Frau Kramp)

25. Sept.
– 19.30 Uhr – Ev. GZ, Rödgen, Rödgener Str. 109a:

„Kirche
und Diakonie im Spannungsfeld von Initiative, Institution und Organisation“:
Was kann Diakonie von Kirche lernen, und umgekehrt?“ – Diskussion
mit Prof. Eberhard Hauschildt (Uni Bonn), Superintendentin Annette
Kurschus, Dr. Josef Rosenbauer (Geschäftsführer der Diakonie in
Südwestfalen), Fritz Koblenzer (Diakonie-Stiftung Kreuztal) und
Juliane Kahm (Pflegekreis Wilnsdorf). Moderation: Dieter Sobotka
(Chefredakteur der Siegener Zeitung)