Predigt vom 16.9.2012

 

GOTTESDIENST
FÜR DEN FÜNFZEHNTEN
SONNTAG NACH TRINITATIS

Pfr. Dr. Martin Klein
Tal-
und Wenschtkirche, 16.9. 2012
Text: Gal 5,25-6,5

Der deutsche Durchschnittsmensch
wird immer mehr zum Einzelgänger. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte
wächst ständig – in vielen Großstädten sind es schon mehr als fünfzig
Prozent. Natürlich geschieht das nicht immer freiwillig, zum Beispiel
bei Witwen und Witwern. Und es ist auch nicht immer auf Dauer, zum
Beispiel bei Studenten. Aber viele empfinden das Single-Dasein auch
als angenehm und wollen gar nicht anders leben. Und davon ab: auch
viele Ehepaare oder Familien leben zwar unter einem Dach, aber jeder
für sich. Man hat seine eigene Arbeit oder Schule, seine eigenen
Freunde und Hobbys, seinen eigenen Computer oder Fernseher. Man
sieht sich beim Kommen oder Gehen, redet nur das Nötigste, und wenn
man doch mal mehr Zeit miteinander verbringt – zu Weihnachten vielleicht
oder im Urlaub – weiß man nicht viel miteinander anzufangen.

Man muss das gar
nicht unbedingt bedauern. Man kann die Zeiten auch glücklich schätzen,
in denen Menschen so frei und ungebunden leben können. Man kann
es durchaus genießen, sein eigener Herr zu sein und auf niemand
Rücksicht nehmen zu müssen. Und wenn man sich anschaut, was für
eine Zwangsveranstaltung das Familienleben früher oft war und manchmal
immer noch ist, dann bekommt man Verständnis für alle, die sich
lieber nicht so fest binden.

Und doch steckt
tief in uns drin wohl immer noch die biblische Weisheit: „Es ist
nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Würden sonst die meisten
Jugendlichen heiraten und Kinder bekommen wollen, auch wenn sie
zu Hause eher Familienverhältnisse zum Abgewöhnen erleben? Gäbe
es sonst immer wieder Filme, in denen überzeugte Singles schließlich
doch im Hafen von Ehe und Familie landen? Gäbe es sonst all die
Kontaktanzeigen in den Zeitungen – spätere Heirat nicht ausgeschlossen?
Klar: da ist oft mehr Sehnsucht als Realitätssinn im Spiel. Aber
diese Sehnsucht ist uns offenbar nicht auszutreiben.

Soweit zum Großen
und Allgemeinen. Und wie sieht es unter uns Christen aus? Auch da
spüren wir erst mal deutlich den Trend der Zeit. Kirchenmitglied
ist man nicht mehr unbedingt lebenslang, sondern nur solange man
es zu brauchen meint – also etwa, solange die Kinder im kirchlichen
Kindergarten sind oder zum Konfirmanden-unterricht gehen. Und wenn
man irgendwo Pate werden soll oder einen Arbeitsplatz bei der Kirche
haben will, dann tritt man halt mal wieder ein. Viele Menschen fühlen
sich nicht mehr als Teil ihrer Kirche oder Gemeinde, sondern als
Konsumenten, die eine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Und geglaubt
wird heute sowieso nur noch ganz individuell. Da bastelt sich jeder
nach den persönlichen Bedürfnissen selber was zurecht und bedient
sich dafür frei auf dem Weltmarkt der Religion oder der Esoterik.
Dass es wichtig sein könnte, sich gemeinsam mit anderen zu einem
bestimmten Glauben zu bekennen, dass leuchtet kaum noch jemandem
ein.

Natürlich hat
auch das seine positiven Aspekte. Auch in Glaubenssachen gab es
ja früher viel unguten Zwang und viele Lippenbekenntnisse ohne echte
Überzeugung – im frommen Siegerland mag es das sogar immer noch
geben, hier und da. Aber wenn es schon nicht gut ist, dass der Mensch
allein sei, dann trifft das für den Christenmenschen erst recht
zu. Ohne Gemeinschaft ist christlicher Glaube gar nicht denkbar.
Und wer meint, dass er auch ohne Kirche, ohne Gemeinde Christ sein
kann, der hat nicht wirklich begriffen, was Christsein heißt.

Nun muss ich das
wahrscheinlich hier und heute keinem erzählen. Denn Ihnen allen
ist die Gemeinschaft der Christen ja offensichtlich noch etwas wert,
sonst wären Sie heute nicht zum Gottesdienst gekommen. Doch wie
sie genau aussieht, diese Gemeinschaft, und wie sie funktionieren
kann, darüber sollten auch wir uns immer wieder Gedanken machen.
Am meisten können wir dazu immer noch beim Apostel Paulus erfahren.
Denn zu seiner Zeit war die Gemeinde Jesu Christi ja erst im Entstehen.
Da war viel Aufbruch und Begeisterung, aber noch wenig auf Dauer
Tragfähiges. Deshalb musste Paulus einen Großteil seiner Briefe
darauf verwenden, die Gemeinschaft der Gläubigen zu beschreiben
und zu festigen. Er tut das auch im heutigen Predigttext, im 5.
und 6. Kapitel des Galaterbriefes:

 

Wenn wir im Geist
leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach
eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.
Liebe Geschwister, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt
wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die
ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch
versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das
Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl
er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe
sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst
haben und nicht gegenüber einem andern. Denn ein jeder wird seine
eigene Last tragen.

 

Das wichtigste
wird gleich am Anfang deutlich Wir sind als Christen nicht deshalb
zusammen, weil wir uns alle so nett finden. Wir gehören auch nicht
deshalb dazu, weil wir in eine christliche Familie hineingeboren
sind. Und erst recht nicht deshalb, weil wir einen Mitgliedsbeitrag
zahlen. Sondern „wir leben im Geist“, sagt Paulus. Das heißt: Wir
bilden eine Gemeinschaft und gehören dazu, weil Gott es so wollte.
Er hat uns den Glauben geschenkt. Er hat das Vertrauen zu ihm in
uns wachsen lassen. Er hat uns mit der Taufe seine Liebe zugesprochen
und alles Trennende zwischen uns beseitigt. Er schließt uns durch
den heiligen Geist mit allen Glaubenden zu einer Gemeinschaft zusammen,
die in Jesus Christus ihren Mittelpunkt hat. Und wenn er das einmal
getan hat, dann kann nichts und niemand es noch rückgängig machen.
„Ihr lebt im Geist, ihr seid geistlich“, sagt Paulus. Und das heißt
nichts anderes als: ihr gehört zu Gott und damit zueinander, ein
für alle Mal.

Die Frage ist
nur, ob und welchen Gebrauch wir davon machen. „Wenn wir im Geist
leben“, sagt Paulus, „dann lasst uns auch im Geist wandeln.“ Sei,
was du bist, heißt das knapp formuliert. Halte fest an dem, was
Gott dir mit dem Glauben geschenkt hat. Und dann führe dein Leben
so, dass es Gottes Geist entspricht, auch im Umgang mit deinen Mitmenschen
und Mitchristen. Wenn wir das nicht tun, wenn wir einfach so vor
uns hin leben, als ob es Gott nicht gäbe, dann nimmt Gott uns zwar
sein Geschenk nicht wieder weg. Aber es wäre doch schade, wenn es
bloß in der Ecke läge und weder wir selber noch andere etwas davon
hätten, oder?

Also lasst uns
anfangen, wenn wir es noch nicht getan haben, so zu leben, wie Gott
will. Nicht nur jeder für sich, sondern auch als Gemeinschaft der
Glaubenden. Wir müssen diese Gemeinschaft, wie gesagt, nicht erst
herstellen. Aber es ist unsere Aufgabe, sie zu pflegen und zu stärken,
damit wir alle etwas davon haben. Wie das gehen kann? Paulus sagt
es so: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi
erfüllen.“

Ich finde, das
ist erfreulich nüchtern formuliert. Es ist mir viel lieber, als
wenn da stünde: „Habt einander lieb!“ Das steht zwar auch in der
Bibel, aber man kann es leicht missverstehen. Gott verlangt nicht
von uns, dass wir für unsere Mitchristen liebevolle Gefühle entwickeln,
erst recht nicht, dass wir welche heucheln. Wenn wir unsere Geschwister
im Herrn nicht ausstehen können oder sie uns auf die Nerven gehen,
dann ist das halt so. Da kann und muss keiner aus seiner Haut. Trotzdem
können wir einer des anderen Last tragen. Wir können auch einem
ungeliebten Mitchristen beistehen, wenn er Hilfe braucht, können
ihm abnehmen, was ihm Leib und Seele niederdrückt – durch verständnisvolles
Zuhören, durch Worte, die Mut machen, durch tatkräftige Unterstützung.
Mag sein, dass wir uns anschließend auch besser leiden können. Aber
wir müssen nicht die dicksten Freunde werden.

Und dann ist noch
das Stichwort „einander“ wichtig. Niemand muss sich zum Lastenpackesel
für die ganze Gemeinde machen und irgendwann darunter zusammenbrechen.
Und wer seine Lasten immer gern anderen aufbürdet ohne an Gegenleistung
zu denken, der sollte den letzten Satz des Abschnitts beachten:
Vor Gott wird jeder doch seine eigene Last tragen – sprich: sein
ganz persönliches Urteil bekommen, wenn Gott Gericht hält. Und wer
immer nur nimmt und nie gibt, auf den wird dann manche Last zurückfallen.

Aber es gibt noch
etwas anderes neben dem Lastentragen, womit wir die Gemeinschaft
der Christen fördern können, und das ist realistische Selbsteinschätzung.
Vor „eitler Ehre“ warnt Paulus, vor Selbstbetrug und provozierender
Prahlerei. Und er fordert uns zur Selbstprüfung auf – gerade dann,
wenn wir Fehltritte bei anderen entdecken; denn wir sind ja selbst
nie weit davon entfernt. Ich glaube, wir können das gar nicht ernst
genug nehmen. Denn im Prinzip ist uns zwar bewusst, dass kein Mensch
unfehlbar ist, alles kann und immer recht hat. Nur fällt es uns
in der Praxis unglaublich schwer, dieses Prinzip auf uns selber
anzuwenden. Da sind dann doch immer die anderen schuld, in jedem
Konflikt liegt das Recht natürlich auf meiner Seite, und alles würde
viel besser laufen, auch in der Kirche, wenn alle endlich täten,
was ich für richtig halte. Besonders schlimm wird es für die Gemeinschaft
der Glaubenden, wenn jemand seine Rechthaberei auch noch direkt
aus der Bibel herleitet. Denn das ist die sicherste Methode, Gemeinden
zerbrechen zu lassen und Kirchen zu spalten.

Also, mit Paulus
gesprochen: „Ein jeder prüfe sein eigenes Werk!“ Und wenn ich das
tue, sollte ich mir zum Beispiel folgende Fragen stellen: Bin ich
über die Fehler anderer Leute wirklich so erhaben, dass ich mich
darüber entrüsten dürfte? Liegt das Recht in dieser oder jener Sache
wirklich ganz auf meiner Seite, oder haben die an-deren vielleicht
genauso recht, wenn ich mal in ihre Lage versetze? Muss Kirche unbedingt
so sein, wie ich sie mir vorstelle, oder kann ich anderen Vorstellungen
ihren Platz lassen, auch wenn sie mir nicht gefallen? Ist meine
Meinung in dieser oder jener Glaubensfrage wirklich biblisch fundiert
oder hängt sie doch nur an Tradition und Gewohnheit? Denken Sie
mal an diese Fragen, wenn sie sich das nächste Mal über ihre Glaubensgeschwister
und Mitmenschen aufregen! Vielleicht legt sie sich die Aufregung
dann ganz ohne Beruhigungspillen.

„Tragt einander
die Lasten und prüft euch selbst“: das könnte also ein Ansatz sein,
wie Gemeinschaft unter Christen bewusst gelebt werden kann – mit
dem heiligen Geist und im Sinne Jesu Christi. Das mag anstrengender
sein, als wenn jeder allein vor sich hin glaubt. Es mag mehr Mühe
machen als Kirchensteuer zu zahlen und bei Bedarf kirchlichen Service
in Anspruch zu nehmen. Aber es lohnt sich. Denn ich bin überzeugt:
Was wir in diese Gemeinschaft investieren, der wir durch Glaube
und Taufe angehören, das werden wir vielfältig zurückbekommen: in
Form von Halt und Sinn, von Hilfe und Anregung, von Bestätigung
und Zufriedenheit, von Lust und Lebens-freude. Und das ist noch
nicht alles, was Gott für uns bereit hält. Wer trotzdem lieber Solochrist
und Einzelgänger bleibt, der verpasst was.  Und das kann doch
keiner wollen, oder?

Amen.

 

Projekt September / Oktober

 

Projekt September / Oktober

“Gemeinde jetzt”

In einigen Straßen
und Bezirken bitten die Austräger des Gemeindebriefes “Gemeinde
jetzt” einmal im Jahr um eine Spende für den sonst kostenlos zugestellten
Gemeindebrief. Dieser erscheint in einer Auflage von 5.600 Exemplaren
alle 2 Monate. Die Herstellungskosten betragen rund 10.000 €, wobei
die Hälfte der Kosten durch Werbung gedeckt ist. Spenden können
auf das Konto der Ev.-Ref. Kirchengemeinde Klafeld, Nr. 30 306 872
bei der Sparkasse Siegen (BLZ 460 500 01)  mit dem Kennwort
“Gemeinde jetzt“ überwiesen werden. Eine Spendenbescheinigung
stellen  wir gerne aus.

 

Neues aus Gemeinde und Presbyterium

 

Neues aus Gemeinde und Presbyterium

von Katrin Breitweiser und
Peter – Christian Rose  

  • Zwei zufriedene Frauen

Eine kurze Geschichte,
eine interessante, nicht alltägliche Begebenheit, so geschehen am
zweiten Sonntag im Juli: Wegen des überaus schlechten Wetters hatten
sich alle abgemeldet, die „autofrei“ mit zum Wandern ins
Edertal wollten. Trotzdem gingen Barbara und Burkhard Leidel vom
Ausschuss zur Bewahrung der Schöpfung zum Bahnhof. Es hätte ja sein
können, dass … ; und richtig, da standen zwei Frauen, recht unternehmungslustig
und aufs Laufen im Wittgensteiner Land eingestellt. Die eine aus
dem Wenscht, die zweite aus Sohlbach, erst vor ein paar Monaten
von auswärts zugezogen. „Schade, dass die Wanderung ausfällt!“
Leidels boten den beiden ganz spontan einen Spaziergang an, und
zwar über Buchen ins Langenbachtal. Gesagt, getan. Der Regen hatte
aufgehört. Man kam ins Gespräch, u. a. schwärmte die Frau aus Sohlbach
von unserem Gemeindebrief: „Er ist sehr informativ, interessant
und wirklich gut zu lesen.“ Die Antwort: „Die vom Öffentlichkeitsausschuss
geben sich ja auch immer große Mühe!“ Der schöne Spaziergang
endete im „Café im Pfarrhaus“, wo die „Servicekräfte“
Marga Kölsch und Erika und Hartmut Heinbach gerade ca. 25 Gäste
bedienten. Die vier ließen sich den Kuchen schmecken. Und den Kaffee
natürlich auch. Dann verabschiedeten sich Barbara und Burkhard Leidel.
Von zwei ganz zufriedenen Spaziergängerinnen.

 

  • Drei wichtige
    Ausschüsse

Nach der letzten
Kirchenwahl im Frühjahr sind die acht Ausschüsse unserer Gemeinde
neu besetzt worden; sie treffen neben dem Presbyterium wichtige
Entscheidungen oder bereiten diese vor. Wie in der letzten Ausgabe
von „Gemeinde jetzt“ versprochen, wollen wir Ihnen, liebe
Leserinnen und Leser, mitteilen, wer in diesen Ausschüssen arbeitet.
Nach der Vorstellung des Fachausschusses für Finanz-, Personal-
und Bauangelegenheiten sowie des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit
heute drei weitere Gremien: Beginnen wir mit dem Partnerschaftsausschuss.
Seine sieben Mitglieder sind Pfarrerin Almuth Schwichow, Kirchmeister
Paul-Heinrich Groos, die beiden Presbyterinnen Ute Kwarteng und
Heidi Soose sowie Edith Groos, Magdalena Kröber und Inge Well als
sachkundige Gemeindeglieder. Dem Fachausschuss für Kinder- und Jugendarbeit
gehören fünf presbyteriale Mitglieder (Pfarrer Dr. Martin Klein,
Rosel Joppich, Lukas Hermeling, Katja Mohn und Martin Wüst) und
drei sachkundige Mitglieder (Stefanie Becker-Eckstein, Silke Wittich
und Gemeindepädagoge Wolfgang Hofheinz) an. Im Ausschuss für Tageseinrichtungen
für Kinder arbeiten in den nächsten vier Jahren Inge Behm und Katrin
Osterburg (Leiterin des Kindergartens Setzen und des Familienzentrums)
sowie die Presbyteriumsmitglieder Pfarrer Frank Boes, Katrin Breitweiser
und Armin Gotthardt. Für ihren verantwortungsvollen Dienst wünschen
wir den Mitgliedern der drei Ausschüsse viel Kraft, Ideenreichtum,
Weitsicht und viele gute „Händchen“.

 

  • Sechzig
    schöne Jahre

Ökumenischer Gottesdienst
auf dem Schulhof der Albert-Schweitzer-Schule. Thema: „Wir
sind hier zu Hause!“ Pfarrerin Almuth Schwichow begrüßte die
Kleinen und die Großen. „Vor genau 60 Jahren kamen die ersten
Siedler ins Wenscht.“ Und wie sich durch Nachfragen schnell
herausstellte, waren einige der Gottesdienstbesucher damals dabei.
„Es scheint eine Siedlung zu sein, in der man gerne lebt, in
der man sich wohlfühlt!“ Dann drehte sich alles um die Begriffe
„Wohnsitz“, „Zuhause“, „Heimat“, „Gemeinschaft“
und „Familie“. In den Lesungen, in den Gebeten, in der
Predigt (Joh. 1, 35-39) von Gemeindeassistentin Nicoleta Balint,
in den Liedern. „Du bist da, wo Menschen leben … .“
Die Kollekte wurde eingesammelt für Aufgaben von Diakonie und Caritas
vor Ort. Nach dem Schlusslied dankte Landrat Paul Breuer als Vorsitzender
der Siedlergemeinschaft dem Vorbereitungsteam für den schönen und
eindrucksvollen Gottesdienst. Er blickte kurz zurück in die Zeit,
als im Wenscht die ersten Häuser und Straßen gebaut wurden. Und
er erzählte von der Enthüllung des großen Gedenksteins am ersten
Tag des Siedlerfestes am Otto-Brenner-Platz. „Im Wenscht lässt
es sich leben.“ Als Bewohner eines Hauses im Spechtweg weiß
er ja, wovon er spricht.

 

  • Ein wandelndes
    Lexikon

10. Juni – „Autofrei
und Spaß dabei“: Ja, was erwartet einen, wenn man an einer
Kräuterwanderung mit Apotheker Michael Düben vom NABU teilnimmt?
Sicherlich kein wandelndes Lexikon, was Pflanzen, Ökologie, Mythologie
und Geschichte vereint. Doch genau so ein „wandelndes Lexikon“
führte uns durch die schöne Landschaft der Lützel. Übrigens schon
zum zweiten Mal, den die Wanderung im letzten Jahr war auf so viel
Begeisterung gestoßen, dass wir um eine Wiederholung einfach nicht
umhinkamen. Michael Düben begrüßte alle Teilnehmer mit der Erklärung
des Begriffes „NABU“, der für Naturschutz, Artenschutz,
Biotopschutz und Umweltschutz steht. Eine Einführung in das Thema
„Pflanzen“ machte allen Teilnehmern schnell klar, dass
diese nicht nur in unseren Gärten oder in der Natur schön aussehen,
sondern bereits vor tausenden von Jahren u. a. bei den Griechen,
Indern, Chinesen und Arabern für ihre Heilwirkung und auch tödliche
Wirkung bekannt waren. Damals waren Pflanzen außerdem ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor; seltene Gewürze, wie z. B. Zimt, Ingwer, Muskat,
Kardamon und Pfeffer, kamen aus fernen Ländern und waren somit sehr
teuer und wertvoll. „Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst!“
war und ist eine bekannte Redewendung. Darin wird auf diese Ferne
angespielt, in die man einen ungeliebten Zeitgenossen wünschte und
sicher oft noch wünscht. Die Pflanzen waren auch ein Zahlungsmittel,
man bekam damals z. B. für ein Pfund Safran ein gutes Pferd. Aus
verschiedenen Pflanzen (Sisal, Hanf und Flachs) wurden zudem Kleidungsstücke
gefertigt. Die „Wanderung“ wurde immer wieder von interessanten
Ausführungen über die am Wegesrand wachsenden Pflanzen und Bäume
unterbrochen. Hierbei erklärte Michael Düben in sehr detaillierter
Form den Ursprung des Namens und die heilende oder tödliche Wirkung.
Und er erzählte so manche mystische Geschichte, die sich um dieses
Kraut oder jenen Baum rankt. Das „geballte“ Wissen des
Apothekers aus Bad Laasphe beeindruckte die Exkursionsteilnehmer;
wir alle waren gefangen und fasziniert von seinen Erklärungen. Wir
hatten in den 3,5 Stunden keine große Wegstrecke zurückgelegt, aber
jede und jeder glaubte, an diesem Nachmittag eine lange geistige
Reise in die Welt der Flora und der Mythen gemacht zu haben.

 

  • Dreißig
    entzündete Kerzen

+++ Die Goldene
Konfirmation 2012 im Telegrammstil +++ Am 3. Juni trafen sich knapp
70 Jubilare in der Talkirche +++ Ab 9.00 Uhr zunächst der Fototermin
für die einzelnen Bezirke +++ Um 10.00 Uhr der Festgottesdienst
mit Abendmahl +++ Pfarrer Frank Boes begrüßte die Konfirmandinnen
und Konfirmanden des Jahres 1962 +++ Damals waren 159 (!) Mädchen
und Jungen eingesegnet worden +++ Die Amtshandlungen hatten die
Pfarrer Wilhelm Biederbeck (Bez. 1: Geisweid, Dillnhütten und Setzen),
Albert Fricke (Bez. 2: Klafeld), Alfred Flick (Bez. 3: Birlenbach
und Hüttental) und Erich Schmidt (Bez. 4: Wenscht) vorgenommen +++
Pfr. Boes in der Festschrift: „Heute schauen wir gerne auf
diese Zeit des Miteinanders zurück, weil alle kaum etwas hatten
und der eine auf den anderen angewiesen war“ +++ „Doch
sie war auch der Anfang eines Wertewandels, der Beginn einer Ära,
in der Glaube und Solidarität immer stärker dem Wohlstand und seinen
Versuchungen geopfert wurde“ +++ Die Predigt hielt er über
Epheser 1, 3-14 +++ Mit den Versen will uns Paulus herausreißen
aus unserem dahinplätschernden Christsein und den Blick öffnen für
Gottes Tun an uns +++ „Er liebt uns, obwohl wir es gar nicht
verdient haben“ +++ Nach der Predigt wurde an die 30 schon
verstorbenen Mitkonfirmandinnen und Mitkonfirmanden gedacht und
für jede und jeden eine Kerze entzündet +++ Der Kirchenchor bereicherte
den Gottesdienst durch sein Mitwirken +++ In einem Gebet dankte
Pfr. Boes für alle Hilfe und Bewahrung +++ „Du warst den Jubilaren
Schutz und Schirm“ +++ „Schenke ihnen auch weiterhin gute
und gesegnete Zeiten in ihrem Leben“ +++ Nach 12.00 Uhr Aufbruch
zur Bismarckhalle in Weidenau +++ Dort gemeinsames Mittagessen,
Zeit der Begegnung und gemeinsames Kaffeetrinken +++ Zum Schluss
ein herzliches Dankeschön an Heidemarie Brach, Rosel Joppich, Heinz
Dieter Kessler, Hans-Martin Klaes und Christel Salemi  vom
Organisationsteam +++            

 

  • Fünfzehn
    neue Mitglieder

Die diesjährige
Mitgliederversammlung des Freundeskreises der Diakoniestation Siegen-Nord
(zuständig für die beiden Stadtteile Geisweid und Weidenau) fand
am 31. Mai im alten Pfarrhaus hinter der Talkirche statt. Vorsitzender
Erwin Messerschmidt (Bergstraße 10 – Tel.: 8 55 83) eröffnete die
Versammlung. Stolz verkündete er, dass die Zahl der Mitglieder seit
vielen Jahren zum ersten Mal gestiegen sei. 15 Neuzugänge stünden
3 Sterbefällen und 6 Kündigungen gegenüber. Derzeit habe der Freundeskreis
118 Mitglieder, die im letzten Jahr exakt 3.920,00 € an Beiträgen
aufbrachten. Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken, dem Geschäftsbericht
und den positiven Ausführungen der beiden Kassenprüfer Kurt Völker
und Horst Hinz erfolgten die Entlastung und die Neuwahl des Vorstands.
Alle bisherigen Mitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt. Vorsitzender
bleibt Erwin Messerschmidt, um die Finanzen kümmert sich weiterhin
Manfred Brücher. Ulrike Schlag behält den Posten der Schriftführerin,
und auch Dr. Michael Klock und Heinrich Rinsdorf gehören dem Vorstand
bis 2014 an. Der wird auch weiterhin nicht nur in die Berufsbegleitung
der engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und in neue Geräte
investieren, sondern auch Gelder für die „diakonischen Zeiten“
zur Verfügung stellen. Was ist darunter zu verstehen? Auch unsere
Diakoniestation muss sich durch ihre Leistungen finanzieren und
daher wirtschaftlich geführt werden. Zeit für ein längeres Gespräch,
für kleinere Besorgungen und Handreichungen und für die Begleitung
bei Grabbesuchen ist eigentlich nicht eingeplant und wird ja auch
nicht finanziert. Hier hat der Freundeskreis der Diakoniestation
Siegen-Nord Handlungsbedarf gesehen und die diakonischen Zeiten
„erfunden“. Durch diese Einrichtung ist es den Mitarbeitenden
möglich, sich bei Bedarf Zeit für die o.g. Bedürfnisse zu nehmen.
Finanziert werden die diakonischen Zeiten durch Spendengelder und
die Mitgliedsbeiträge, die Gelder kommen den Pflegebedürftigen also
direkt zugute. Die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv. Zum
Schluss der Mitgliederversammlung berichteten Gisela Hecken und
Oliver Stellwag bzw. sein neuer Stellvertreter Benjamin Scholz über
die Arbeit der beiden Stationen in Geisweid (Friedrichsplatz 5 –
Tel.: 4 05 87 83) und Weidenau.         

 

  • Viele
    gute Wünsche

Zweieinhalb Jahre
gehörte sie dem Seelsorgeteam des katholischen Pfarrverbundes Hüttental
– Freudenberg an, nun wechselt sie für eine neue berufliche Herausforderung
in die Schweiz: „Mich reizt die Tatsache, dass ich dort viel
in der Schulpastoral arbeiten kann.“ Die Rede ist von Nicoleta
Balint. Wir konnten die Gemeindeassistentin zum letzten Mal am 10.
Juni beim Siedlerfest im Wenscht erleben, als sie den ökum. Gottesdienst
zusammen mit Pfarrerin Almuth Schwichow leitete. Genau vier Wochen
später wurde sie mit einer feierlichen Messe in St. Joseph und einem
Empfang verabschiedet. Pfarrer Karl-Hans Köhle erinnerte noch einmal
an die vielen Aufgaben, die Nicoleta Balint im Pfarrverbund wahrgenommen
hatte. Er freute sich, eine gewissenhafte, temperamentvolle und
menschliche Mitarbeiterin erlebt zu haben. Viele gute Wünsche gaben
ihr dann die anwesenden Gottesdienstbesucher und die Mitglieder
des Seelsorgeteams mit auf den Weg. Da schließen wir uns von evangelischer
Seite gerne an. Wir danken Nicoleta Balint für die gute Zusammenarbeit
und wünschen ihr für ihren weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute
und Gottes gutes Geleit!  

 

  • Vier leistungsstarke
    Chöre

Wie könnte man
das Benefizkonzert am 16. Juni in der Talkirche mit wenigen Worten
beschreiben? Hier ein Versuch: Chorgesang und Orgelspiel auf sehr
hohem Niveau, beeindruckende Leistungen der Posaunenchöre, perfekte
Bühnentechnik durch Klaus Mackenbach und sein Team, prächtige Stimmung
bei der großen Zuhörerschaft. Ja, die Konzertbesucher sparten am
Ende nicht mit Applaus und nicht mit anerkennenden Worten. Von vielen
hörte man „Wiederholung erwünscht“. Und wohl keiner hatte
den Weg in die Talkirche bereut. Doch zurück zum Beginn der Veranstaltung.
Nach der Begrüßung durch Pfarrerin Almuth Schwichow informierte
Hartmut Heinbach über das neue Gemeindezentrum „mittendrin“,
über die erforderlichen Genehmigungen und die geplante Finanzierung.
Von den veranschlagten 1,2 Mill. Euro müssen 20 % durch Spenden
finanziert werden. „Aber 30.000 € sind schon da!“ Und:
„Das heutige Konzert ist der Auftakt von verschiedenen Projekten
und Aktionen.“ Dass die Arbeiten am 9. Juli beginnen würden,
wusste der Kirchmeister an jenem Abend aber noch nicht. Die Mitglieder
der vier Chöre und auch der Kirchenmusikdirektor taten dann das
Ihrige, um die Besucher zu Spenden zu animieren. Die beiden CVJM-Posaunenchöre
Setzen und Klafeld unter dem Dirigat von Volker Nöll und Matthias
Otterbach begeisterten mit „The Prince of Denmark´s March“,
ebenso mit „Gabriella´s Song“, „King of the road“
und dem „Abendlied“ von J. G. Rheinberger. Der Chor Wegweiser,
der schon seit über zwanzig Jahren von Jochen Schnutz geleitet wird,
sang sich mit „Come to Jesus“, „Lobet den Herrn“,
„I will extol“ und „Sing out“ in die Herzen
der Zuhörer. Stimmungsvoll die Illumination der Kirche, die durch
ihre hervorragende Akustik bei Konzerten jedes Mal ein besonderes
Klagerlebnis ermöglicht. KMD Ulrich Stötzel brillierte an der Orgel
mit der „Toccata in F-Dur“ von Johann Sebastian Bach.
Und wie immer wusste auch der Kirchenchor unter der Leitung von
Andrea Stötzel zu überzeugen, zunächst mit dem „Lobgesang“
von J. G. Herzog und der Kantate „Wie der Hirsch schreit“,
deren Text auf dem alttestamentlichen Psalm 42 beruht. Beeindruckend
auch die Jerusalem-Hymne, eine Psalmballade und das neuere Lied
„Gott hat mir längst einen Engel gesandt“, zum Schluss
dann die bekannte Festmotette „Laudate Dominum“. Ein Abendgebet
und der Segen sowie das gemeinsame „Bleib bei uns, Herr“
rundeten das großartige Benefizkonzert ab. Der Eintritt war frei
gewesen, aber die Spendengelder raschelten am Ende reichlich; über
1.800 € kamen zusammen. Die Leistung aller Akteure hatte sich ausgewirkt
und auch das vom Kirchmeister erwähnte Sprichwort aus Afrika: „Es
ist das Herz, das schenkt, die Hände geben nur!“ Alles in allem:
Es wird nicht das letzte Konzert dieser Art gewesen sein. Da bin
ich mir sicher!

 

  • Ein aufrichtiges
    Dankeschön

Auch in diese
Ausgabe von „Gemeinde jetzt“ wollen wir Sie wieder ausführlich
über alle Spendeneingänge in den letzten Wochen und Monaten informieren.
Der Endstand des Projektes „Chöre in der Kirchengemeinde Klafeld“
(Mai/Juni) lautet 510,00 Euro. Für die Renovierung der Wenschtkirche
(Juli/August) konnten laut Christine Albertin und Brigitte Veltzke
vom Gemeindebüro hinter der Talkirche in den ersten vierzehn Tagen
bereits 785,00 Euro auf der Habenseite verbucht werden. Weitere
Spenden gingen in den letzten Tagen für den Kindergarten Setzen
(120 €) und das neue Gemeindezentrum „mittendrin“ (370
€) ein. Aufrichtigen Dank! Zum Schluss noch ein Wort in „eigener
Sache“: Besonders ans Herz legen wir Ihnen, liebe Leserinnen
und Leser, wie in jedem Jahr das Projekt für die Monate September
und Oktober: Es geht um unsere Kirchennachrichten „Gemeinde
jetzt“. Vielleicht fällt das Ergebnis ja wieder so gut aus
wie in 2010 und 2011!?

 

  • Unzählige
    geheime Abstimmungen

Vor allem Wahlen
standen auf der Tagesordnung unserer Kreissynode, die am 27. Juni
in Anwesenheit des neuen Superintendenten Peter-Thomas Stuberg in
der CVJM-Jugendbildungsstätte in Wilgersdorf tagte. Hier die wichtigsten
Ergebnisse: In geheimer Abstimmung wählten die Delegierten die noch
ausstehenden 9 Mitglieder des Kreissynodalvorstands. Neuer Synodalassessor
und damit Nachfolger von Hans-Werner Schmidt wurde Pfarrer Rolf
Fersterra (Niederschelden), neuer Scriba Pfarrer Stefan König (Nikolai
Siegen). Dem KSV gehören bis 2020 zusätzlich Cornelia Dreute-Krämer
(Müsen), Helga Hoffmann (Weidenau), Doris Thieme (Olpe), Hans-Joachim
Schäfer (Rödgen-Wilnsdorf), Dr. Wolfgang Böhringer (Buschhütten),
Pfarrer Frank Hippenstiel (Krombach) und Ulrich Bernshausen (Nikolai
Siegen) an. Auch alle kreiskirchlichen Ausschüsse wurden neu besetzt,
allerdings nur für vier Jahre. Aus unserer Kirchengemeinde wählte
man Hartmut Heinbach (Finanzausschuss), Pfarrer Dr. Martin Klein
(Theologischer Ausschuss und Ausschuss für Kirchenmusik), Barbara
Leidel (Ausschuss zur Bewahrung der Schöpfung) und Pfarrer Frank
Boes (Ausschuss für Kindertageseinrichtungen). Dazu unsere herzlichsten
Glück- und Segenswünsche!

 

  • Drei ökumenische
    Gottesdienste

Vor gut einer
Woche begann der Unterricht des Schuljahres 2012/2013. Viele Mädchen
und Jungen wechselten in eine weiterführende Schule. Und viele wurden
in die 1. Klasse aufgenommen, auch in den Grundschulen in unserer
Gemeinde. Für die „I – Männchen“ begann nach dem Kindergarten ein
neuer, wichtiger Lebensabschnitt. Die einen konnten den Einschulungstag
kaum erwarten, andere sahen der ersten Unterrichtsstunde mit Bangen
oder gar Ängsten entgegen. Gottes Segen wurde den Kindern in den
drei ökumenischen Gottesdiensten in der Talkirche, in der Ev.-Freik.
Gemeinde und in der Wenschtkirche zugesprochen. Die Mädchen und
Jungen der Albert-Schweitzer-Schule ziehen in das Gebäude der ehemaligen
Waldschule, deren Schülerschaft wiederum muss ab sofort zur Pestalozzischule
auf den Siegener Lindenberg fahren. Wir wünschen allen Kindern einen
guten Anfang und viel Freude beim Lernen, dazu fürsorgliche Eltern,
die mit der Schule eng zusammenarbeiten und deren pädagogische Arbeit
unterstützen, und letztlich Lehrerinnen und Lehrer, die mit großem
Engagement und Einfühlungsvermögen unterrichten und dabei beides
für wichtig erachten, Herzlichkeit und Konsequenz!