Auf ein Wort…

Aufbruch oder Abbruch – Kirche im Wandel, aber mit Hoffnung

Jesus fährt zum Himmel auf und entsendet seine Getreuen in die ganze Welt. Er sagt ihnen: Verbreitet die frohe Botschaft. Sagt allen, wie sehr euch Gott liebt. Bringt sie dazu, Gott zu vertrauen, ja, so zu vertrauen, dass sie sogar zu ihren eigenen Fehlern stehen können. Und überzeugt sie, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird.

Die Jünger folgen den Anweisungen Jesu. Das Pfingstwunder geschieht, Der Heilige Geist macht Mut und so verbreitet sich der Glaube an Jesus und an Gott, seinen Vater, in der ganzen Welt.

Soweit so gut. Doch wenn wir in unsere Kirchengemeinden schauen, entsteht oft ein anderer Eindruck. Finanzsorgen, Schließungen von Kirchen, fehlender PfarrerInnen Nachwuchs, zurückgehende Gemeindegliederzahlen, Schwierigkeiten im Umgang mit sexualisierter Gewalt auch in unserem kirchlichen Umfeld. Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Da kommt wenig Aufbruchstimmung auf.

Wie sieht es konkret bei uns aus? In diesen Zeiten renovieren wir für viel Geld unsere Talkirche. Wir haben Planungen für eine inhaltliche und bauliche Veränderung der Wenschtkirche. Junge Familien, Kinder und Jugendliche wollen wir erreichen. Viele werden sich fragen. Wie wollt ihr das schaffen? Gerade erst habt ihr eine Pfarrstelle weniger besetzt. Die Finanzen werden immer weniger. Ehrenamtliche zu gewinnen wird immer schwieriger.

Ehrlich: ich weiß nicht, ob wir alle unsere Vorstellungen in die Tat umsetzen können. Aber das wussten die Jünger Jesu auch nicht. Sie fingen klein und bescheiden an. Ob sie klein blieben oder nicht, war völlig offen und war nicht entscheidend. Wichtig war ihr Vertrauen in die Botschaft und das Vertrauen untereinander. Oder anders gesagt: wenn der Heilige Geist wirkt, wird auch etwas entstehen und wachsen.

Also schauen wir nicht auf die gewiss großen Schwierigkeiten, sondern auf das, was Gott uns schenkt: Hoffnung, Vertrauen und eine tragende Gemeinschaft. Wir lassen uns von der wirkenden Kraft Gottes anstecken. Das schenkt Perspektive und die nötige Gelassenheit.

Als wir unser Gemeindezentrum „mittendrin“ gebaut haben, planten wir sofort eine Großküche ein. In einem Stadtteil wie unserem gibt es viele arme Menschen. Also bot es sich an, einen Mittagstisch zu installieren. Mitarbeitende hatten wir dafür keine, aber Hoffnung, dass es uns trotzdem gelingt. Ein Aufruf im Gemeindebrief reichte aus. Ein erstes Team war gefunden und ganz viele engagieren sich bis heute zum Wohl vieler Gäste, die jeden Donnerstag kommen.

Auch die Reduzierung der Pfarrstellen werden wir mit Gottvertrauen verkraften. Schon jetzt merken wir, wie sehr wir als Hauptamtliche, Ehrenamtlichen das Heft in die Hand geben können. Wir merken, dass Beteiligung an Planung und Durchführung gemeindlicher Aktivitäten, Selbstvertrauen und Engagement schenken. Auf einmal finden sich Menschen, die Verantwortung übernehmen und das richtig gut.

Die Zeiten ändern sich, aber die Botschaft nicht. Und sie bleibt gut. Lassen wir darum den Geist wirken. Pfingsten hat nicht nur damals etwas verändert. Heute kann das auch geschehen. Wir müssen nur vertrauen.

Ihr Frank Boes, Pfarrer