Kirchensteuer im Fokus

Ein Kommentar von Hartmut Heinbach

Was hat der Verlust von Gemeindegliedern in den beiden großen Kirchen mit demokratiefeindlichen Tendenzen zu tun?

Viele Kirchenaustritte resultieren aus der Ansicht, dass die Kirche für mich ja eh nichts macht, und dann kann ich mir das Geld doch sparen. Auch aus diesem Grund gibt es über die Kirchensteuer immer wieder Diskussionen. Viele halten sie nicht mehr für zeitgemäß und überholt.

Das Parteiprogramm der AfD Thüringen zum Beispiel greift die Kirchensteuerkirchen an. Die Staatsleistungen und der Kirchensteuereinzug sollen gestrichen werden. Ihr ist es egal, was Kirchen und Diakonie beim Erhalt von historischen Bauwerken oder im sozialen Bereich leisten. Laut Parteiaussagen wäre manche Kirche dann binnen eines Jahres pleite.

Dies kann nicht ohne Widerspruch bleiben. Kritik an dem AfD-Programm kommt deshalb auch von den Verantwortlichen innerhalb der Kirche. So sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, dem epd: „Die Kirchenfeindschaft und Zerstörungswut der AfD sind ja hinreichend bekannt.“ Da die mitteldeutschen Kirchen seit Jahren vor deren menschenverachtenden Positionen warnten und mit Kampagnen wie „Herz statt Hetze“ oder „Unser Kreuz hat keine Haken“ klar Position bezögen, seien sie zur Zielscheibe der Rechtsaußen-Partei geworden.

Als Christinnen und Christen müssen wir Stellung beziehen für Menschen in Not. Dafür stehen das Evangelium und unsere evangelische Kirche. Wir machen als Kirche sicherlich nicht alles richtig, aber wir versuchen die Menschen, gerade in schwierigen Situationen, zu begleiten. Dies geschieht in unserer Gemeinde in vielfältiger Art und Weise.

Ich wünsche mir sehr, dass die „Kirche“ nicht nur als Kostenfaktor wahrgenommen wird, sondern als ein notwendiges Korrektiv in einer immer egoistischer werdenden Welt.

Hartmut Heinbach